Schlangen, die unterschätzte Gefahr

4. November 2008, 11:53
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Forscher haben erstmals zu ermitteln versucht, wie viele Menschen weltweit Opfer von Schlangenbissen werden - pro Jahr könnten die Gifttiere bis zu 94.000 Personen vor allem in Asien und Afrika töten

San Francisco - Österreich hat zu der Statistik des Grauens nur wenig beizutragen. Im Jahr sind es bei uns durchschnittlich gerade einmal vierzig Personen, die aufgrund eines Schlangenbisses im Spital stationär behandelt werden müssen. Und Todesfälle sind schon gar nicht bekannt - dazu ist das Gift der Kreuzotter, der Sandviper oder der Wiesenotter einfach zu schwach.

Forscher aus Sri Lanka haben nur erstmals versucht, die weltweiten Opferzahlen durch Schlangenbisse zu ermitteln - und kamen dabei nach vorläufigen Berechnungen auf erschreckende Zahlen: Nach Auswertung aller verfügbaren Statistiken kamen sie auf rund 20.000 Todesopfer jährlich und mindestens 421.000 Menschen, die sich pro Jahr durch Schlangenbisse vergiften.

Das ist, wie die Wissenschafter um Janaka de Silva von der University of Kelaniya (Ragama/Sri Lanka) im frei zugänglichen Fachjournal PLoS Medicine schreiben, aber nur die konservativste Schätzung. Die tatsächliche Zahl könne ohne weiteres um das Vier- bis Fünffache höher sein und mithin bei bis zu 94.000 Todesfällen und 1,8 Millionen Vergiftungen liegen.

Verlässliche Angaben zur Häufigkeit von Schlangenbissen und zur Zahl der Todesfälle seien allerdings derzeit schwer zu bekommen. Die Forscher werteten für ihre Zahlen nicht nur die Fachliteratur und eine länderspezifische Datenbasis der Vereinten Nationen zu tödlichen Schlangenbissen aus, sondern nahmen auch Kontakt zu nationalen Gesundheitsbehörden, Giftzentralen und Schlangenexperten auf.

Das Land mit den meisten Schlangenunfällen ist den Autoren zufolge Indien. Regional betrachtet passieren die meisten schweren Zwischenfälle mit Schlangen in Süd- und Südostasien - sowie in Afrika südlich der Sahara. Gerade dort besitzen viele Länder aber keine oder nur unzuverlässige Melderegister. Zudem tauchen viele Bissopfer nie in einem Krankenhaus oder einer Arztpraxis auf, da die medizinische Infrastruktur in ländlichen Bereichen oft fehlt oder die Betroffenen lieber auf traditionelle Heilversuche zurückgreifen.

Wer, egal ob in Österreich oder sonst wo, von einer Giftschlange gebissen wird, sollte die Wunde keinesfalls aussaugen oder abbinden, sondern kühlen und ruhigstellen. Und möglichst umgehend den nächstgelegenen Arzt - so vorhanden - aufsuchen. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. November 2008)

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    Die Schwarze Mamba ist die größte Giftschlange Afrikas.

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