Die nächsten Kandidaten: Hypos in Tirol und Kärnten

3. November 2008, 17:33
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Auch Bawag und Raiffeisen dürften bei Staatsgeld zugreifen

Wien - Nach der Verstaatlichung der Kommunalkredit und nach der Abholung von 2,7 Mrd. Euro an Eigenkapital aus dem staatlichen Hilfspaket durch die Erste Bank, werden die nächsten Banken nicht lange auf sich warten lassen.

Das Argument ist für alle dasselbe:Man will die Kernkapitalquote ("Tier-One-Kapital" ) auf neun Prozent aufpolstern, um so im Wettbewerb mit den internationalen Banken (die ja ebenfalls staatlich unterstützt werden) bestehen zu können. Und: Die Banker beugen vor, sie wollen ihre Institute für die nächsten Jahre warm anziehen - wissend, dass es konjunkturmäßig kalt werden wird.

Wer sich als Erster vor demFinanzministerium anstellen wird, ist derzeit noch nicht klar, sicher ist aber, dass so gut wie alle Banken kommen werden. Die landeseigene HypoTirol wurde von Landeschef Günther Platter schon aufgefordert, sich 100 Mio. Euro zu sichern, auch die Kärntner HypoAlpe Adria wird nicht lange auf sich warten lassen. Ihre Tier-One-Quote liegt mit rund 5,4 Prozent sehr niedrig - ihre Mehrheitmutter, die BayernLB, hat selbst kein Geld einzuschießen.

Die Probleme der Bayern sollen wesentlich größer sein als bisher bekannt. Wobei in der Branche davon ausgegangen wird, dass die Klagenfurter Bank, die zudem hohe Wertberichtigungen angekündigt hat, Verkaufskandidat ist. Eine (in der Branche heftig diskutierte) Frage betrifft die Eigentümerschaft:Die Klagenfurter gehören mehrheitlich Deutschen (die ihr eigenesRettungspaket haben) - ob trotzdem Österreich beispringen soll, wird bei der Hypo Group ebenso diskutiert wie bei der (italienischen ) Bank Austria.

Keine "Leiche"

Die Bawag (mit einer Kapitalquote von rund 8,6 Prozent recht dick ausgepolstert), wird "mit hoher Wahrscheinlichkeit", wie es im Management heißt, Geld abholen, und auch Raiffeisen wird wohl zuschlagen. Raiffeisen-Boss ChristianKonrad (zuvor ließ er wissen: "Nur über meine Leiche" ) kann sich mittlerweile mit der österreichischen Variante - der Staat bekommt Partizipationsscheine und darf nicht mitreden- anfreunden.

Die Regierung hat, wie berichtet, vor drei Wochen in einem Art Notfallpaket für die heimischen Banken 15 Milliarden Euro für Beteiligungen (welcher Art auch immer) an den Banken reserviert, über weitere 85 Milliarden sollen Garantien für das Kreditgeschäft zwischen Banken übernommen werden. (gra, red, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

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