Die Welt auf Besuch bei Oma Obama

3. November 2008, 17:16
posten

Afrika fiebert mit dem demokratischen Kandidaten - Im Heimatdorf seiner Großmutter herrscht trotz Medienbelagerung Partystimmung

Afrika fiebert mit Barack Obama. Nirgendwo ist die Begeisterung größer als in Kenia, wo Obamas Vater geboren wurde. Trotz einer Medienbelagerung ist man im Heimatdorf von Oma Obama in Partystimmung.

***

"Neue Häuser brauchen wir" , sagt einer der Bauern, die in Kogelo jeden Abend an der Bar stehen. "Im Heimatdorf des US-Präsidenten können wir doch nicht in Grashütten leben." In dem kleinen Dorf im Westen Kenias, wo am Markt zwischen Bretterbuden Ziegen meckern, fühlt man sich bereits als kollektiver Sieger. "Wir werden US-Präsident" heißt es dort, wo Obamas Vater geboren wurde und Obamas Großmutter bis heute ihren Mais anbaut. Dass Obama seine "Heimat" erst kennenlernte, nachdem sein Vater gestorben war, und auch dann nur kurz, tut seiner Popularität keinen Abbruch.

Die 84-jährige Oma Sarah Obama hat schon früh wissen lassen: Wenn ihr Enkel es schafft, dann will sie bei der Amtseinführung im Weißen Haus dabei sein. Nach Kogelo werden mehrere hundert Journalisten kommen, sagt ein BBC-Techniker, der das Dorf bereits vermessen hat. Ü-Wagen, mobile Schnittstudios oder fahrbare Satellitenschüsseln müssen nur noch ihren Parkplatz finden.

Das Staunen über die blitzende Technik ist den Dorfbewohnern, von denen die meisten nicht einmal ein Radio besitzen - geschweige denn Strom - längst vergangen. Dass sie "ihre" Journalisten bis heute mit ungebrochener Begeisterung empfangen, lässt sich nur durch die latente Partystimmung erklären. Die Tatsache, dass der eine oder andere sich ab und zu als Führer nützlich machen kann, tut das Ihrige. Wer wissen will, wo wie und wann Obama bei einem seiner Besuche gestanden, gesessen oder gelegen ist, der braucht einen Ortskundigen.

Übersetzer aus der Familie

Die engere Familie hat sich unterdessen hinter den Zaun mit den Betonpfeilern zurückgezogen, der Oma Sarah Obamas Haus seit Neuestem umgibt. Neben dem schweren Tor stehen zwei Zelte für die sieben Polizisten, die das Haus seit dem versuchten Einbruch bei Oma Sarah Anfang September rund um die Uhr bewachen. Auch Barack Obama ist da, als lebensgroße Pappfigur. Das mediale Herz von Kogelo ist Familiensache: Wer Obamas Oma interviewen möchte, muss einen Übersetzer aus dem Familienkreis akzeptieren. Bezahlen muss man dafür übrigens nicht.

Als im Vorwahlkampf zwischen gut zehn Korrespondenten fast eine Prügelei darüber ausbrach, wer die fragile Oma denn zuerst interviewen dürfe (sie selbst war freilich nie gefragt worden), ging das Obamas Onkel Said über die Hutschnur: "Wir bitten sie, uns ihren Besuch zumindest anzukündigen." Bis zum Ausgang der Wahl hat sich die Familie jetzt ein Schweigegelübde auferlegt.

Auch in Kenias Hauptstadt Nairobi ist Obama ein Star. Das dort gebraute "Senator" -Bier ist zum Lieblingsgetränk in den Slums avanciert. "Bitte ein Obama" , so bestellt man die warmen Flaschen korrekt. "Vielleicht wird die Marke ja bald umbenannt und heißt Präsident" , spekuliert John, ein Souvenirverkäufer in der Innenstadt, grinsend. Im Dauerstau auf Nairobis Straßen bietet er den Autofahrern längst nicht mehr den üblichen Krimskrams an, sondern T-Shirts mit der Aufschrift: "I love Obama" . "Ein Bombengeschäft" , sagt er. Kein Wunder, dass sich auch Kenias generell eher ungeliebte Politiker im Erfolg von Obama sonnen wollen. Premier Raila Odinga ließ kürzlich lancieren, er und Obama seien verwandt.

Vor zwei Wochen erst schwebte er per Helikopter bei Oma Obama ein. Kein Pardon kennt die Regierung mit Obamas Kritikern: Als der Amerikaner Jerome Corsi sein Buch "Obama-Nation: Linke Politik und Personenkult" in Nairobi vorstellen wollte, wurde er noch am Flughafen abgeführt. Stunden später wurde er ausgewiesen. (Marc Engelhardt aus Nairobi/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Großmutter von Barack Obama, Sarah Obama. Das Dorf Kolego wird von Journalisten belagert. Oma Obama möchte, wenn ihr Enkel gewinnt, zur Amtseinführung nach Washington reisen.

Share if you care.