Prozess um Mobilfunkstudie: Beweis war nicht zu erbringen

3. November 2008, 17:08
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Mediziner-Anwalt Lettowsky: Mit Vergleich bestätigt Oberfeld nicht, dass seine wissenschaftliche Arbeit falsch war

Man habe einen Vergleich geschlossen und sich außergerichtlich geeinigt, bestätigte der Umweltmediziner Gerd Oberfeld gegenüber der APA den Ausgang der gegen ihn gerichteten Mobilkom-Klage. Der Beweis der Existenz einer C-Netz-Sendeanlage in Hausmannstätten sei nicht zu erbringen gewesen, sagte sein Rechtsanwalt Philipp Lettowsky auf Anfrage. Er habe sich bei seiner Studie auf die Aussagen von Anrainern und einem Techniker gestützt, meinte der Mediziner selbst.

"Arbeit war nicht falsch"

Im Vergleich habe Oberfeld zur Kenntnis genommen, dass in Hausmannstätten keine C-Netz-Anlage eingerichtet gewesen war. "Er bestätigt mit dem Vergleich allerdings nicht, dass seine wissenschaftliche Arbeit falsch gewesen war. Seine wissenschaftlichen Schlüsse basierten auf vorliegenden Informationen, die im Rahmen des Verfahrens nicht erhärtet werden konnten", so Lettowsky.

Kritik von Mobilfunkern

Äußerst kritisch fielen allerdings die Reaktionen verschiedener Mobilfunkanbieter auf die Arbeit des Umweltmediziners aus: Er hoffe, dass mit diesem Ausgang des Verfahrens noch größerer internationaler Schaden für den Wissenschafts- und Mobilfunkstandort Österreich abgewendet werden könne, so "Orange"-CEO Michael Krammer in einer Aussendung. Auch nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sei kein Nachweis gesundheitlicher Beeinträchtigungen am Menschen gegeben. Insofern gelte es, die Konzepte und Richtlinien, die es für seriöse Wissenschaft gebe, offensiv anzugehen und zu leben.

Als "Eingeständnis einer unglaublichen Fehlleistung der Forschung" beurteilte "3"-CEO Berthold Thoma den Vergleich. "Reale Krebsfälle in Hausmannstätten auf eine nicht-existente Mobilfunkanlage zurückzuführen, betrachte ich als einen Tiefpunkt der Wissenschaft."

"Angerichteter Schaden zu groß"

"Man kann nicht davon ausgehen, dass allein mit dem Zurückziehen der Studie nun wieder alles in bester Ordnung ist", kritisierte auch Networks-Bereichsleiter Christian Laque von T-Mobile. "Der angerichtete Schaden ist zu groß. Die komplette Mobilfunkbranche wurde ungerechtfertigt vorverurteilt, die österreichische Wissenschaft diskreditiert und Steuergelder unsachgemäß eingesetzt." Am schlimmsten sei, dass besorgten Menschen eine falsche Ursache für ihre Schicksalsschläge genannt wurde. "Auch wenn die Studie nun zurückgezogen wurde, bleibt ein schaler Beigeschmack." (APA)

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