Ökostrom aus Zwentendorf

3. November 2008, 17:16
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Die Sonne soll das AKW-Areal wieder zum Leben erwecken: EVN will Strom aus Solar­energie und Wärme aus Biomasse gewinnen

Zwentendorf - Die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) kündigt an, das Areal des nie in Betrieb gegangenen AKWs Zwentendorf für Ökostrom-Gewinnung nutzen zu wollen. „Wir werden ab 2009 den ersten Sonnenstrom aus Zwentendorf in Haushalte liefern", sagte Stefan Zach von der EVN am Montag dem STANDARD.

Nicht zufällig ist gerade jetzt von Plänen über eine Neunutzung des AKW-Geländes die Rede: Kommenden Mittwoch ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass sich 50,5 Prozent der Österreicher in einer Volksabstimmung gegen die Inbetriebnahme des Kraftwerks aussprachen und Atomstrom-Fürsprecher und „Sonnenkanzler" Bruno Kreisky (SPÖ) eine bittere politische Niederlage bescherten.
Die EVN ist Alleineigentümer des 24 Hektar großen AKW-Grundstücks. Bis zu 1000 Haushalte könnten mit Strom aus einer dort aufgebauten Solaranlage versorgt werden. Wie viele Fotovoltaik-Zellen zum Einsatz kommen könnten, wird derzeit noch geprüft. Rechtliche Hürden stünden jedenfalls keine mehr im Weg. Das Grundstück ist nach wie vor für die Nutzung als Kraftwerk zugelassen.

Auch die Errichtung einer Biomasse-Anlage auf dem Areal ist im Gespräch. Bald werden zwei Drittel der Wärmeversorgung St. Pöltens aus dem nahen Dürnrohr kommen. „Wir könnten auch Wärme aus Zwentendorf in diese Leitung einspeisen", sagt Zach. Wie groß die Anlage werden soll und woher das Holz für das Kraftwerk kommen könnte, müsste laut Zach noch geklärt werden.
Das AKW-Gebäude selbst wird in seiner jetzigen Form dennoch erhalten bleiben. Es dient als Ersatzteillager und Schulungszentrum für Mitarbeiter ausländischer Atomkraftwerke. Nach Angaben der EVN wird das AKW dafür bis zu 150 Tage im Jahr vermietet.

Im Verwaltungsgebäude der Anlage büffeln ab Herbst 2009 dagegen Volksschüler. Da die Volksschule Zwentendorf saniert wird, fungieren Büroräume des AKWs dann ein Jahr lang als provisorische Klassenzimmer.

Ende des Dornröschenschlafs

Zwentendorfs Bürgermeister Hermann Kühtreiber (SP) sagt, ihn freue eine Neu-Nutzung des Areals für die Gewinnung von Ökostrom „wie keinen anderen". Seit seinem Amtsantritt vor 17 Jahren versuche er, das Grundstück aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Vom Umbau in ein Gaskraftwerk oder der Errichtung eines Museums gescheiterter Technologien war bereits die Rede gewesen.

Silvia Herrmann von der Umweltschützorganisation Global 2000 spricht von „begrüßenswerten" Plänen der EVN mit „positivem symbolischem Wert". Die EVN solle aber den Anteil an erneuerbarer Energie in ihrem Strom-Mix insgesamt erhöhen. Auch Niederösterreichs Umweltlandesrat Josef Plank (VP) spricht sich für eine „Energiewende" aus. Die künftige Regierung habe dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Grüne und BZÖ fordern anlässlich des Jubiläums einen Ausstieg Österreichs aus der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). (Gudrun Springer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.11.2008)

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