Kombi "Chemo" und Arzneien sollen Chancen erhöhen

3. November 2008, 15:41
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Experten der Medizinischen Universität Wien entwickeln Therapien um über Stammzellforschung Krebs zu bekämpfen

Rund elf Millionen Menschen in der EU sind derzeit von Krebserkrankungen betroffenen. Mittlerweile sei es in vielen Fällen gelungen, Krebs von einer akuten zu einer chronischen Erkrankung zu entwickeln. An der Medizinischen Universität haben sich mit 1. Jänner die Kräfte in einem "Ludwig Boltzmann Cluster Oncology" gebündelt, um Therapien zu entwickeln, die über die Stammzellforschung Krebs bekämpfen. Am Montag gab man in einer Pressekonferenz einen Überblick über die Onkologische Forschung in Österreich.

Tumorstammzellen beseitigen

In Zukunft werde man nicht auf eine Chemotherapie verzichten können, aber mit neuen, zielgerichteten Arzneimitteln die Ansprech- und Überlebensraten erhöhen, so Christoph Zielinski, Vizerektor der Medizinischen Universität Wien. In den vergangenen Jahren sei ein Konzept entwickelt worden, demnach jeder Tumor und jede Leukämie aus zwei funktionell unterschiedlichen Teilen besteht: den "unreifen" Zellen - eben die Tumorstammzellen - und den reiferen Tumorzellen, erklärte Peter Valent, wissenschaftlicher Leiter des Clusters. Entscheidend dabei sei, dass "nur die Tumorstammzellen in der Lage sind, sich unlimitiert zu vermehren, während die reifen Tochterzellen im Krebs in der Regel nach einer variablen Anzahl von Zellteilungen von selbst absterben."

Ziel einer Krebstherapie sei daher, auch die Stammzellen zu beseitigen, so Valent. Hauptproblem sei aber, dass diese widerstandsfähig seien, sich oft in der "Ruhephase des Zellzyklus verstecken" würden und deshalb noch kaum auf ihre Eigenschaften hin untersucht werden konnten. Nun wolle man die Mechanismen rund um die Stammzellen herausfinden und entsprechende Arzneien entwickeln.

Erste Erfolge bei Blutkrebs

Erste entscheidende Erfolge in der Charakterisierung der Tumorstammzellen wurden bei verschiedenen Arten von Blutkrebs erzielt: Bei soliden Krebserkrankungen sei man noch nicht so weit fortgeschritten, allerdings habe man Fortschritte erzielt: So sei es z. B. möglich, Stammzellen in Gehirntumoren, Brust-, Darm- oder Lungenkrebs zu identifizieren, so Thomas Grunt, administrativer Koordinator des Clusters.

Generell ist noch viel zu tun: Die Hälfte der Krebspatienten könne man heilen, die andere aufgrund resistenter Tumore nicht - so werde man sich mit neuen Therapiekonzepten auseinandersetzen müssen, so Ulrich Jäger, Leiter der Klinischen Abteilung für Hämatologie. Möglicherweise werde man auch das Therapieziel ändern müssen - nicht alle Tumorzellen zu vernichten, sondern die ausschlaggebenden kontrollieren zu können. (APA)

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    Auf eine Chemotherapie wird man in Zukunft nicht verzichten können, aber neue Arzneimittel sollen die Überlebensraten erhöhen.

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