Vorwurf der Urkundenunterdrückung

4. November 2008, 15:44
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Die OeNB wirft dem ehemaligen Bankenrevisionsleiter in einer Anzeige neben Verletzung des Amtsgeheimnisses auch Urkundenunterdrückung vor

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wirft dem ehemaligen Bankenrevisionsleiter der Notenbank, Ronald Laszlo, in einer Anzeige neben Verletzung des Amtsgeheimnisses auch Urkundenunterdrückung vor. Das sagte Gerhard Jarosch, Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, am Montag. Unterdessen wies C-Quadrat die Medienspekulationen rund um den Fund eines geheimen OeNB-Prüfberichts auf dem Computer von Laszlos Halbbruder, dem unter Untreueverdacht stehenden Ex-Prokuristen der Kärntner AvW, zurück.

In einem "profil"-Bericht sei die Tatsache, dass der gefundene M&A-Prüfbericht und die Tatsache, dass der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser Aufsichtsratsvorsitzender der C-Quadrat Investment AG ist, "in einem irreführenden Zusammenhang dargestellt", so das Investmenthaus am Sonntagabend in einer Aussendung. Insbesondere die "daraufhin in manchen Medien vorgenommenen Interpretationen", es handle sich um einen Teil einer Spionage-Affäre, entspricht laut C-Quadrat nicht den Tatsachen.

C-Quadrat hatte am 23. Oktober die Übernahme der M&A Privatbank überraschend abgeblasen. Als Grund wurde das "schwierige Marktumfeld" angegeben. Größter Einzelaktionär bei C-Quadrat ist die AvW-Gruppe (30,5 Prozent). Für C-Quadrat habe laut Aussendung "nicht der geringste Grund" bestanden, sich Zugang zu dem M&A-Bericht zu schaffen. Wegen eines möglichen Kaufs der Bank sei C-Quadrat der OeNB-Bericht schon im Juli 2008 im Zuge einer Due-Diligence-Prüfung übergeben worden.

Bei dem gefundenen M&A-Bericht dürfte es sich um das Exemplar der OeNB handeln. Wird eine Bank von der OeNB geprüft, bekommt sie auch selbst ein eigens markiertes Exemplar. Eine Kopie bleibt bei der OeNB, eine weitere Umschrift geht an die Finanzmarktaufsicht (FMA).

Personelle Verkettung

In Medien war darüber hinaus von weiteren personellen Verkettungen die Rede. Wie orf.at berichtete, war Laszlos Vorgesetzter in der Nationalbank bis bis vor Kurzem Josef Christl, Grasser war damals Finanzminister. Christl sei OeNB-Direktor geworden, obwohl er auf der Kandidatenliste nur an dritter Stelle gestanden sei, so der Bericht. Christl war Grassers Sekretär für Wirtschaftspolitik, der Ex-Politiker soll ihn gut gekannt haben. Christls Vertrag lief heuer aus.

Die internen Untersuchungen der OeNB gegen Laszlo sind indes weiter im Gange, sagte ein Notenbank-Sprecher. Der Fokus liege darauf, wie sensible Daten außer Haus gelangt sind. Laszlo war noch vor Abschluss entsprechender Untersuchungen durch die Innenrevision der Notenbank einer fristlosen Entlassung mit Selbstkündigung zuvorgekommen. Er hat laut OeNB zugegeben, Unterlagen mit sensiblen Daten in der Kärntner Wohnung des Ex-Prokuristen der AvW zurückgelassen zu haben. Bei der Wohnung soll es sich laut informierten Kreisen um eine Dienstwohnung der AvW handeln, für die auch AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach einen Schlüssel haben soll. Das Kärntner Unternehmen dementierte dies.

Die Aktien der AvW Invest, an der die AvW-Gruppe mehr als 74 Prozent hält, hat am Montag wieder einmal einen Kurssprung hingelegt. Bis gegen 13.45 Uhr legte das Papier um mehr als 116 Prozent auf 52 Euro zu. Mit einem Umsatz von rund 7.500 Stück wurden heute mehr Aktien gehandelt als im Durchschnitt der vergangenen Wochen.

Die AvW Invest hatte am 24. Oktober ihre Wertpapierkonzession zurückgelegt. Damit kann sie ihr Kerngeschäft - Finanzdienstleistungen - nicht mehr ausüben. Angesichts dessen bezeichnete Anlegerschützer Wilhelm Rasinger die Aufwärtsbewegung der Aktie als "mehr als eigenartig". Im APA-Gespräch forderte Rasinger Auer von Welsbach dazu auf, den derzeitigen Firmenwert der AvW offenzulegen.

Heute soll es außerdem ein Treffen mit dem Regierungskommissär der AvW Invest und der FMA geben, verlautete zur APA. Die Aufsichtsbehörde hatte der AvW Martin Wagner zur Abwendung von Gefahren für die finanziellen Belangen der Kunden beigestellt. (APA)

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