Kein Geld für Telekom-Austria-Beamte

3. November 2008, 14:46
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Der Staat muss bis zu 500 Millionen Euro für die AUA aufwenden, daher bleibt der ÖIAG kein Geld mehr für die Telekom- und Postbeamten. In der Telekom Austria schwindet daher die Aussicht auf den Beamtenpool.

Nach dem Debakel beim AUA-Verkauf ruhen in der Telekom Austria (TA) alle Hoffnungen auf dem Regierungsabkommen. Der Koalitionspakt muss zwar erst verhandelt werden, enthält aber auch er kein Budget für den Glasfaserausbau des Telefonnetzes, sieht es in Sachen "Beamtenproblem" düster aus für die TA - und für die Post, die ebenfalls überzählige Beamte loswerden will.

Gähnende Leere

Klar ist, dass die Staatskassen seit dem "narrischen Freitag" im Nationalrat (mit Wahlversprechen in Milliardenhöhe), dem 100-Milliarden-Bankenhilfspaket und bis zu 500 Mio. Euro für die AUA leer sind. Und die im Konjunkturpaket vorgesehene Förderung für den Breitband- und Glasfaserausbau von 250 Millionen Euro wurde zugunsten von Autobahnen und Bahnhöfen zusammengestrichen.

Die unangenehme Nebenwirkung: Auch die 400 bis 450 Millionen Euro, die die ÖIAG für die Auslagerung tausender Beamten in Aussicht gestellt hatte, sind Geschichte. Denn die ÖIAG braucht das Geld für die AUA. "Dann kann die AUA die überzähligen TA-Beamten gleich dazunehmen", ätzt ein hochrangiger TA-Manager in Reaktion auf die budgetäre Hiobsbotschaft. Das Lachen ist den TA-Beschäftigten längst vergangen. Am 10. November wird der TA-Holding-Vorstand dem Aufsichtsrat seine Strategie und Budget skizzieren, dann werde man mehr wissen.

Ernsthaft

Indiz für den Ernst der Lage: Noch heuer werden 500 beamtete TA-Mitarbeiter von ihren Arbeitsplätzen abgezogen und "passiviert". Die TA-Festnetztochter Telekom Austria TA AG verzichtet dabei auf die Dienste dieser teils hochqualifizierten Beschäftigten, streicht deren Jobs und schickt sie nach Hause. Im Jänner 2009 sollen nach diesem Vorbild weitere 92 Arbeitsplätze "archiviert" werden.

Kommen keine neuen Aufgaben bzw. finanzielle Unterstützung für den Breitbandausbau, würden sich Vorgänge wie diese - die Gewerkschaft der Fernmeldebediensteten bezeichnet sie regelmäßig als menschenverachtend und fantasielos - häufen, heißt es in der TA. Die gestarteten Kollektivvertragsverhandlungen gleichen vor diesem Hintergrund einem Drahtseilakt.

Personal

Apropos Aufstockung: Mehr Personal verträgt im Festnetz nur der Vorstand. Der könnte am 10. Dezember, spätestens in der Aufsichtsratssitzung im Februar, von zwei auf drei Vorstandsdirektoren aufgestockt werden. Neben Festnetz-Finanzchef Gernot Schieszler soll Walter Goldenits als Technik-Vorstand Platz nehmen.

Unvereinbarkeit zeichnet sich hingegen bei den Multifunktionen von A1- und TA-Marketingchef Hannes Ametsreiter ab. Bleibt er in beiden in Funktion, könne er als Festnetz-CEO nicht in den Vorstand der börsennotierten TA-Holding einziehen. "Sonst wäre er seine eigene Hauptversammlung", sagen Gesellschaftsrechtsexperten. Auswege gibt es zwei: Ametsreiter gibt die Mobilkom-Funktionen ab und zieht in die Holding ein (wie dies ÖIAG-Chef Peter Michaelis präferieren soll), oder er überlässt Schieszler den Vortritt. (Luise Ungerboeck / DER STANDARD Printausgabe, 03.11.2008)

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