Rumänische Lehrer streiken für deutlich höhere Löhne

3. November 2008, 14:05
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Erhöhung vom Parlament beschlossen, von Regierung blockiert - Ab 18. November Arbeitsniederlegung aller 300.000 LehrerInnen geplant

Bukarest - In Rumänien haben am Montag rund 60.000 Lehrer der Gewerkschaft "Spiru Haret" landesweit die Arbeit niedergelegt. Durch den eintägigen Warnstreik wollen die Pädagogen eine vom Parlament beschlossene, aber von der Regierung blockierte 50-prozentige Lohnerhöhung durchsetzen. Andere Lehrergewerkschaften wollen am 10. November einen Warnstreik veranstalten. Am 18. November wollen dann alle 300.000 Lehrer in Rumänien für unbefristete Zeit die Arbeit niederlegen. Auch andere Beamtengruppen haben Protestaktionen für Lohnerhöhungen angekündigt.

Lohnerhöhung und Finanzkrise

Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu, der einer Minderheitsregierung seiner National-Liberalen (PNL) vorsitzt, ist gegen die Lohnerhöhung und hat das entsprechende Gesetz über eine Dringlichkeitsverordnung bis zum 1. April nächsten Jahres blockiert. Der Premier befürchtet, dass Lohnerhöhungen im Zusammenspiel mit der globalen Finanzkrise die Wirtschaft Rumäniens destabilisieren würden.

Es sei "unverantwortlich im Kontext der nie dagewesenen globalen Krise, Löhne um 50 Prozent zu erhöhen", sagte Tariceanu am Montag im Fernsehen "Realitatea TV". Rumänien habe zwar eine solide Wirtschaft und verzeichne heuer das höchste Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union (plus 9,1 Prozent). Doch dürften die Entwicklungen in Nachbarländern wie Ungarn, Polen und der Ukraine nicht ignoriert werden, warnte der Premier.

Nur Durchschnittsverdienst

In Rumänien verdienen Lehrer im Schnitt 1.473 Lei (403 Euro) netto im Monat - was nur wenig mehr ist als der Durchschnittsverdienst im Land von 348 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Bezüge der Lehrer nach Angaben des staatlichen Statistikamtes bereits um 40 Prozent gestiegen.

Der Gehaltssprung wurde im Vorfeld der Parlamentswahl am 28. November auf Initiative der oppositionellen Sozialdemokraten (PSD) einstimmig beschlossen. Eine Lawine von Lohnforderungen öffentlich Bedienstete aus anderen Bereichen war die Folge. Tariceanu entließ daraufhin seinen Unterrichtsminister Cristian Adomnitei mit der Begründung, er habe den Standpunkt der Regierung nicht ausreichend gegenüber dem Parlament vertreten. (APA/dpa)

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    Der Loherhöhung waren Demonstrationen der LehrerInnen vorangegangen. Nun wird erneut gestreikt.

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