Eine vielversprechende Quelle für Biotreibstoffe aus nicht-fossilen Energiequellen
London - Im südamerikanischen
Regenwald haben US-Forscher einen Pilz entdeckt, der einen dieselähnlichen
Treibstoff herstellt. Der Pilz namens Gliocladium roseum produziert aus
Pflanzenresten ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen. Darüber berichten die
Wissenschafter von der Montana State University in der Novemberausgabe des
britischen Fachjournals "Microbiology" (Bd. 154, S. 3319). Der neu entdeckte
Pilz sei damit eine vielversprechende Quelle für Biotreibstoffe aus
nicht-fossilen Energiequellen.
Die Forschergruppe um den Botaniker Gary Strobel entdeckte den
Treibstoffproduzenten in einer chilenischen Scheinulme, einer Baumart aus Chile.
Zwar sind Mikroorganismen, die Kohlenwasserstoffe produzieren, nichts Neues.
Doch Gliocladiums Verbindungsmix sei dem handelsüblichen Diesel viel ähnlicher,
als man bisher bei anderen Pilzen und Bakterien beobachtet habe, berichtet
Strobels Gruppe. Die Wissenschafter nannten das neue Treibstoffgemisch daher
Mykodiesel, nach dem griechischen Wort myces für Pilz.
Verdauung von Stängeln und Sägemehl
"Gliocladium roseum macht Kohlenwasserstoffe direkt aus Cellulose, der
Hauptkomponente in Pflanzen und Papier", betonte Strobel. Und damit verdaue der
Pilz auch Stängel und Sägemehl. Fast 430 Millionen Tonnen Pflanzenabfall würden jedes Jahr in der Landwirtschaft entstehen. Andere Mikroben könnten daraus nur
dann Treibstoff produzieren, wenn ein weiterer Verarbeitungsschritt
zwischengeschaltet würde. Gliocladium könne die Produktion von Biotreibstoffen
also stark vereinfachen. (APA/dpa)