Finnische Jahreseinkommen im Internet sorgen für Gesprächsstoff

3. November 2008, 13:11
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Ex-Nokia Chef Jorma Ollila führt Gehaltsliste an - Einkommen können von allen offen eingesehen werden

Schon wieder hat der Nachbar ein neues Auto in der Garage. Natürlich will er damit Eindruck schinden. Aber ob er sich den protzigen Sportwagen wirklich leisten kann? Mit solchen essenziellen Fragen müssen sich Finnen glücklicherweise nicht lange herumquälen, denn ein Steuergeheimnis gibt es in Finnland nicht. Einkommen und Kapitalerträge aller Finnen sind im Finanzamt frei zugänglich.

Offen

Seit Montag liegen die Zahlen aus den Einkommensteuererklärungen des vergangenen Jahres vor. Natürlich weiß jeder, dass sich Ex-Nokia Chef Jorma Ollila jeden Wagen leisten kann, den er sich wünscht, aber es ist trotzdem nützlich zu wissen, dass Ollila, der sich unter anderem als Verwaltungsratspräsident des Ölkonzerns Shell verdingt, im vergangenen Jahr rund 9,7 Mio. Euro Gehalt eingestrichen hat. Oder, dass sich Ollilas Nachfolger, Olli-Pekka Kallasvuo, mit "nur" 3,25 Mio. Euro begnügen muss, während sein Stellvertreter Anssi Vanjoki jährlich 3,47 Mio. Euro kassiert. Natürlich spielt die Mehrheit der Finnen nicht in der Millionen-Liga. In der Politik muss man sich schon mit deutlich weniger zufriedengeben. Durchschnittlich 120.000 Euro erhalten finnische Minister im Jahr - so mancher jugendliche Rockmusiker würde dafür vielleicht mittags gar nicht mehr aus dem Bett steigen.

Beilage

Die Boulevardzeitungen warten traditionell mit dicken Steuer-Sonderbeilagen auf. Tausende wohlhabende Finnen - Geschäftsleute, Politiker oder Künstler - finden dort oder im Internet ihren Namen und dahinter ihr versteuertes Einkommen. Wer seinen Nachbarn nicht in der Liste findet, macht sich im Zweifel wirklich auf den Weg ins Finanzamt. Allein schon bei dem Gedanken daran dürften vielen mitteleuropäischen Steuerzahlern die Haare zu Berge stehen. In Finnland dagegen wird die Maßnahme mit verbesserter Transparenz begründet. Kritiker behaupten, sie fördere nur Neid und Missgunst. Auf jeden Fall bietet sie in den kommenden Wochen anregenden Gesprächsstoff. (APA)

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