Sorge um Zukunft der kooperativen Forschung

3. November 2008, 12:56
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Austrian Cooperative Research: Künftige Forschungsförderung "ignoriert Bedürfnisse vollkommen"

Wien - Die Austrian Cooperative Research (ACR) sorgt sich um die Zukunft der kooperativen Forschung in Österreich: Die Forschungseinrichtungen, die v.a. für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) arbeiten, und ihre Wirtschaftspartner sähen sich "vor allem ab dem Jahr 2010 mit einer Forschungsförderung konfrontiert, die ihre Bedürfnisse vollkommen ignoriert". So sei auch die weitere Innovationsfähigkeit gefährdet, teilte der Dachverband der kooperativen Forschungseinrichtungen am Montag anlässlich einer ACR-Enquete in Wien mit. In einem Positionspapier fordert die ACR die Umsetzung einer "leistungsorientierten Finanzierung" für ihre Institute sowie die "Konzentration der Zuständigkeiten für die angewandte Forschung".

Schnittstelle mit Vorleistungen

Das Positionspapier wurde anlässlich der neuen Regierungsbildung bereits an die fünf Parlamentsparteien versendet. Die mit 17 Mitgliedsinstituten zu den größten außeruniversitären Forschungseinrichtung des Landes zählende ACR verweist darin auf ihre Funktion als "wichtige Schnittstelle für die Weiterentwicklung ganzer Branchen und Impulsgeber für viele Innovationen in KMU". ACR-Institute seien wie ausgelagerte Abteilungen für Forschung und Entwicklung (F&E) von KMU zu sehen, deren Leistungen nicht nur Auftragsforschung umfasse, sondern etwa auch "umfangreiche Vorleistungen", z. B. Recherchen, Antragstellung, Schulung, etc., die "etwa 30 Prozent der Personalstunden ausmachen". "Die Leistungen müssen durch eine Finanzierung seitens der öffentlichen Hand ausgeglichen werden."

"Unterstützung durch die öffentliche Hand" benötigt

Die ACR-Institute erbrächten über 70 Prozent ihrer Leistungen für KMU (99,6 Prozent aller Betriebe in Österreich), hieß es vonseiten der Vereinigung. Um diese Aufgabe auch weiterhin erfüllen zu können, benötigen die Institute "die Unterstützung durch die öffentliche Hand". Die bisherige Förderung des Wirtschaftsministeriums von sechs Prozent des Gesamtumsatzes der ACR laufe 2009 aus. Obgleich die ACR gemessen am Umsatz je Mitarbeiter "mehr als das Doppelte an Forschungsleistungen" erbringe als zum Beispiel die Austrian Research Centers (ARC), erhalte sie "nicht einmal 6,14 Prozent" der Förderungen der ARC.

Die ACR tritt zudem für die Konzentration der Zuständigkeit für die angewandte Forschung in einem Ressort ein - anstelle der verteilten Aufgaben auf drei Ministerien und die Landesagenturen. Die Schaffung der Forschungsförderungsgesellschaft FFG sei ein "erster Schritt in die richtige Richtung" gewesen, er habe allerdings noch nicht den "notwendigen Fortschritt" für KMU gebracht, ihre Bedürfnisse würden nicht repräsentiert.

"Kooperationspreis 2008"

Im Rahmen der Enquete verlieh ACR zum dritten Mal den vom Wirtschaftsministerium getragenen "Kooperationspreis 2008" an drei Siegerprojekte innovativer Entwicklungen österreichischer KMU, die in Kooperation mit ACR-Instituten geschaffen wurden. Die Auszeichnung ging an die RTS Trocknungstechnik aus St. Lorenzen/Lesachtal und das Österreichische Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi) für ihre "patentierte Mistwärme" aus Pferdemist und Spänestreu, an das Unternehmen Leitl-Spannton in Eferding und das Bautechnische Institut Linz (BTI) für ein neues Klebeverfahren für vorgefertigte Ziegeldecken sowie an den Betrieb Plasmait in Lebring bei Graz und das Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz (ZFE) für die Verwendung von Plasmatechnologie-Apparaten zur Reinigung und thermischen Behandlung von Drähten, Rohren und andere Endlosmaterialien.

Hintergrund

Die ACR ist eine Vereinigung von 17 kooperativen gemeinnützigen Forschungsinstituten, darunter sind etwa die Holzforschung Austria, die KMU Forschung Austria, die Lebensmittelversuchsanstalt und das Österreichische Institut für Ökologie, Technik und Innovation. Der ACR-Umsatz betrug im Jahr 2007 54,7 Mio. Euro. Mit 687 Mitarbeitern wurden im Vorjahr 8.500 Kunden betreut (davon 77 Prozent KMU) und 21.200 Aufträge verfolgt (davon 71 Prozent von KMU). (APA)

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