Regierung will nicht mit Rebellenchef verhandeln

3. November 2008, 12:06
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Äußerungen von Nkundas seien "empörend und unverantwortlich" - Erstmals seit einer Woche treffen UNO-Hilfstransport für Flüchtlinge ein

Kinshasa/Kichanga/Nairobi/Goma - Die Regierung der Demokratischen Republik Kongo hat die Forderung von Rebellenführer Laurent Nkunda nach direkten Verhandlungen abgelehnt. Die Regierung sehe dazu keine Grund, sagte Regierungssprecher Lambert Mende am Montag der Nachrichtenagentur AFP.

Nkundas Äußerungen seien "empörend und unverantwortlich". Der Rebellenführer hatte die Regierung in Kinshasa zuvor zur Aufnahme von Gesprächen gedrängt. "Ich erwartete eine Antwort", sagte der abtrünnige General in seiner Hochburg Kichanga im Osten des Landes. Sollte die Regierung sich weigern, werde er sie "aus dem Amt jagen".

In der östlichen Grenzprovinz Nord-Kivu hatten Kämpfe zwischen Armee und den Rebellen des Nationalkongresses zur Volksverteidigung (CNDP) in den vergangenen Tagen zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Der CNDP hatte nach einer erfolgreichen Offensive auf Nord-Kivus Hauptstadt Goma am Mittwoch einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen, der seitdem weitgehend eingehalten wurde. Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe.

Mehrere Hilfslieferungen unterwegs

Unterdessen ist ein UN-Hilfstransport mit medizinischem Material für mehrere zehntausend Menschen im Ostkongo am Montag von Goma aus in die von Rebellen kontrollierten Gebiete aufgebrochen. Wie der britische Sender BBC berichtete, ist dies die erste Hilfslieferung seit einer Woche. Die Hilfe, darunter auch Tabletten für die Reinigung von Wasser, ist für ein Krankenhaus knapp 100 Kilometer nördlich von Goma bestimmt, die einzige Klinik in der gesamten Gegend. Dringend benötigte Nahrungsmittel hat der Konvoi aus zwölf UN-Fahrzeugen jedoch nicht dabei.

Rund eine Viertelmillion Menschen ist durch die Kämpfe in den vergangenen zwei Monaten im Osten des afrikanischen Landes vertrieben worden. Kämpfer des Rebellengenerals Nkunda hatten die Regierungssoldaten um Goma vergangene Woche zurückgeschlagen. Nkundas Rebellen stehen unmittelbar vor Goma, der Hauptstadt der Unruheprovinz Nord-Kivu. Ihre Offensive hatte eine Massenflucht ausgelöst. Ein von Nkunda erklärter einseitiger Waffenstillstand dauerte am Montag an.

Die Flüchtlinge, unter ihnen viele Kinder, konnten zum Teil seit Anfang Oktober wegen der andauernden Kämpfe nicht von Helfern erreicht werden. Etwa 50.000 Menschen haben sich dem BBC-Bericht zufolge nach Goma geflüchtet. Viele andere Flüchtlinge versuchten jetzt durch Rebellengebiet wieder nach Hause zu gelangen und könnten im Busch nur von Beeren und Wurzeln leben.

Nkunda begründet seinen Kampf mit der Verteidigung der Volksgruppe der Tutsi. Er wirft der kongolesischen Regierungsarmee vor, Hutu- Milizen zu unterstützen, die 1994 nach dem Völkermord im benachbarten Ruanda in das zentralafrikanische Land geflohen waren. Das frühere Hutu-Regime, das von dem jetzigen ruandischen Präsidenten Paul Kagamé und seiner Ruandischen Patriotischen Front (RPF) gestürzt worden war, hatte binnen 100 Tagen 800 000 Tutsi und gemäßigte Hutu ermordet. Die kongolesische Regierung wirft Ruanda seinerseits vor, Nkundas Rebellen zu unterstützen, was Ruanda zurückweist. (APA/AFP/dpa)

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    Indische UN-Soldaten begleiten eine der Hilfslieferungen, die am Montag nördlich von Goma in die umkämpften Gebiete aufgebrochen sind.

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