Staat übernimmt Kommunalkredit um zwei Euro

3. November 2008, 17:35
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Volksbanken und Dexia verkaufen ihre Anteile um zwei Euro an den Staat, schießen 373 Millionen Euro ein und garantieren bis zu 190 Millionen Euro

Wien - Die Verhandlungen zur Rettung der Kommunalkredit waren ein Krimi - bis zur letzten Minute. Das ganze Wochenende wurde gerechnet, beraten und mit dem Finanzministerium verhandelt, am Montag, um ungefähr fünf Uhr Früh, stand das Ergebnis fest.

Die Kommunalkredit wird zur Gänze verstaatlicht. Ihre bisherigen Eigentümer - die Volksbanken AG und die französisch-belgische Dexia - verkaufen ihre Anteile (die 50,78 bzw. Dexia 49 Prozent; der Österreichische Gemeindebund behält seine 0,22 Prozent) um je einen Euro an den Staat. Die Republik stellte zudem die Forderung, dass die Verkäufer Geld einschießen, Haftungen übernehmen (fast wären die Verhandlungen frühmorgens daran gescheitert).

Das Ergebnis daraus: ÖVAG und Dexia müssen das Eigenkapital ihrer (Ex-)Tochter stärken, Partizipationskapital an der Kommunalkredit von 373 Mio. Euro zeichnen. Auf die Volksbanken entfallen 173 Mio. Euro, auf Dexia 200 Mio. Euro. Das auf fünf Jahre zugeschossene Kapital wird mit acht Prozent verzinst. Mit diesen Aufpolsterungen und weiterem Geld des Staates (dem Vernehmen nach ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag) wird die Kernkapitalquote ("Tier One" ) der Kommunalkredit von rund sieben auf acht bis neun Prozent angehoben.

Zudem mussten Volksbank und Dexia Haftungen übernehmen, für den Fall, dass noch "Leichen aus dem Bankkeller" auftauchen. Veröffentlicht wurde dieser Betrag nicht - laut Informationen des Standard garantieren die Volksbanken für einen Betrag bis zu 100 Mio., Dexia bis zu 90 Mio. Euro.
Auch der Osteuropa-Bankenarm der Kommunalkredit (DexiaKom) wechselt den Besitzer. Die Kommunalkredit verkauft ihre 49,16 Prozent an Mehrheitseigner Dexia - und kassiert dafür einen Euro.

Vorstand umgebaut

Der Vorstand der Kommunalkredit, die sich auf die Finanzierung der öffentlichen Hand spezialisiert hat, wird umgebaut: Dem Vernehmen nach müssen Reinhard Platzer und Leopold Fischer ihren Hut nehmen. Das französische Vorstandmitglied, Pierre Vérot (er ist erst am 1. Oktober in den Vorstand eingezogen), wird bleiben.

Dem langjährigen Vorstandschef Platzer wird nun die Ausweitung des Geschäfts über das Kerngeschäft (langfristige Finanzierungen) vorgeworfen. Die 100-Prozent-Tochter Kommunalkredit International in Zypern hat milliardenschwere Treasury-Geschäfte gemacht (Bilanzsumme: elf Mrd. Euro, ein Drittel der Bilanzsumme der Kommunalkredit); die Finanzkrise brachte das Geschäft ins Trudeln. Laut Hannes Androsch (Aufsichtsrat der ÖIAG-Bankbeteiligungstochter Fimag) muss die Kommunalkredit bis 2009 Projekte von zehn Mrd. Euro refinanzieren. Der Verlust, der dem Wiener Kommunalfinanzierer heuer droht: bis zu 230 Millionen Euro.

Warum bis zum Umfallen verhandelt wurde: Es hat pressiert. Am Montag wurde in der Kommunalkredit ein Refinanzierungsgeschäft von einer Milliarde Euro fällig. Kaum stand der Deal mit dem Staat, wurde das Geld überwiesen.

Der Reigen der Kapitalabholungen geht nun bei der ÖVAG weiter. Sie will ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent aufstocken, je eine Hälfte soll von den Aktionären und vom Bund kommen. Im Volksbankensektor geht man davon aus, dass die ÖVAG rund 1,5 Mrd. Euro brauchen wird.

Volksbanken und Dexia verkaufen ihre Anteile an der Kommunalkredit um zwei Euro an den Staat, schießen 373 Mio. Euro ein und garantieren bis zu 190 Mio. Euro. Der Bank droht heuer ein Verlust von 230 Mio. Euro. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

  • Der Adler ist gelandet, die Kommunalkredit verstaatlicht. Die Verkäufer mussten noch 
kräftig einschießen und haften.
    foto: urban; montage: korn

    Der Adler ist gelandet, die Kommunalkredit verstaatlicht. Die Verkäufer mussten noch kräftig einschießen und haften.

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