RHI holt Lenzing-Vorstandschef

3. November 2008, 17:51
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RHI besetzt die durch den Abgang von Andreas Meier vakant gewordene Stelle des Vorstandschefs mit Lenzing-Boss Thomas Fahnemann. Jetzt sucht Lenzing einen Chef

Wien - Noch schneller als von RHI-Aufsichtsratschef Michael Gröller letzte Woche angekündigt, hat der Feuerfestprodukte-Hersteller RHI eine neuen Vorstandschef gefunden. Auf den bisherigen RHI-Chef Andreas Meier soll Thomas Fahnemann nachfolgen, der seit 2003 den Stapelfaserhersteller Lenzing (Viskose, Lyocell) geleitet hat.

Fahnemann werde in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 27. November zur Bestellung vorgeschlagen und frühestens ab 1. Jänner 2009 bei RHI das Ruder übernehmen, teilte RHI mit.
Fahnemann übernimmt die RHI-Führung in einem Umfeld, das für den 2002 von Meier vor der Insolvenz geretteten Feuerfestkonzern wieder härter wird. Angesichts des erwarteten Konjunktureinbruchs hat RHI jüngst den Ausblick für 2009 gesenkt und eine deutliche Drosselung der Investitionen angekündigt. Begonnene Projekte würden aber noch fertiggeführt, hatte Meier erklärt.
Vor allem bei den RHI-Hauptkunden, der Stahlindustrie, rechnet das Unternehmen mit signifikanten Produktionsrücknahmen. Die bisherigen Wachstumsraten von zehn bis zwölf Prozent jährlich werde RHI 2009 daher kaum erreichen, hieß es.

Hinzu kommen laut Insidern Differenzen mit Großaktionären über die weitere Strategie für den Feuerfestkonzern, die auch mit ein Grund für den Abgang von Meier gewesen sein sollen. Er wechselt als Vorstandschef zum privaten, belgischen Kalk- und Dolomitproduzenten Lhoist. RHI-Mehrheitsaktionär ist der Investor Martin Schlaff, der über seine Stiftung knapp 30 Prozent an RHIhält und sich bisher immer als langfristiger Aktionär bezeichnet hat.

Von Viskose zu Feuerfestem

In die Aktionärsstruktur ist seit den jüngsten Kursabstürzen allerdings einiges in Bewegung gekommen. So hat der deutsche Investor Martin Winterstein seinen Anteil an RHI auf über zehn Prozent erhöht, die Raiffeisen Zentralbank hält gut sieben Prozent.

Der aus Frankfurter/Main gebürtige Fahnemann hat ursprünglich im Chemiekonzern Hoechst Karriere gemacht. Hoechst ist nach dem Zusammenschluss mit Rhone Poulenc 1999 in Aventis aufgegangen. Vor seinem Wechsel an die Spitze von Lenzing war Fahnemann als Geschäftsführer und Vice President von KoSa tätig, einer der weltweit führenden Hersteller von Polyester mit Sitz in Houston/Texas. Sein Vertrag bei Lenzing wäre regulär erst 2011 ausgelaufen.

Wie es an der Spitze von Lenzing weitergeht, ist derzeit noch offen. Die B&C Holding, operative Gesellschaft der mit 87,9 Prozent an Lenzing beteiligten B&C Privatstiftung, sei an einer "schnellen Lösung" interessiert, sagte Winfried Braumann.

Der frühere Chef des Katalysatorherstellers Frauenthal ist Mitte Juni 2008 an Stelle von Karl Schmutzer an die Spitze der B&C Holding berufen worden, in der die Bank Austria ihre Industriebeteiligungen geparkt hat. Er führt die Geschäfte gemeinsam mit Walter Lederer und hielt sich am Montag zu Gesprächen in Lenzing auf. Fix ist, dass Peter Untersperger (Finanzen) und Christian Reisinger (Technik, Energie) im Vorstand von Lenzing bleiben. (kol, stro, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

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    Verlässt Lenzing vorzeitig: Thomas Fahnemann.

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