Commerzbank und HSH rufen nach dem Staat

3. November 2008, 17:30
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In Deutschland stellen sich die Commerzbank und die HSH Nordbank als ersten unter den Staats­schirm. Frankreich und Niederlande drohen den Banken mit Eingriffen in die Institutsführung

Frankfurt/Paris - Als erste große Privatbank in Deutschland nimmt die Commerzbank nach roten Zahlen im dritten Quartal das staatliche Rettungspaket in Anspruch. Aus dem Sonderfonds der Regierung erhält die zweitgrößte deutsche Bank 8,2 Mrd. Euro in Form einer stillen Einlage und bessert damit ihr Kapital auf. Daneben greift die Bank auf eine Garantie für Schuldverschreibungen der Bank von bis zu 15 Mrd. Euro zu.

Manager und Aktionäre zahlen für diese Hilfe einen hohen Preis: Die Commerzbank muss für 2008 und 2009 die Dividende streichen, in diesen beiden Jahren sind Bonuszahlungen an die Mitarbeiter verboten und die Vorstandsgehälter werden auf eine halbe Million begrenzt. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten traut sich die Bank auch keine Gewinnprognose mehr zu. Bankchef Martin Blessing geht aber davon aus, dass das Institut dieses Jahr einen Gewinn erwirtschaften wird.

Auch die HSH Nordbank hat den Staat um Unterstützung gebeten und Staatsbürgschaften von bis zu 30 Mrd. Euro beantragt. Die Bank bilanzierte nach vorläufigen Zahlen in den ersten neun Monaten einen Verlust von 360 Mio. Euro. Eine Notwendigkeit für eine Kapitalerhöhung gebe es allerdings nicht, heißt es.

SocGen bleibt optimistisch

Die französische Großbank Société Générale blickt trotz eines Gewinneinbruchs von 84 Prozent optimistisch in die Zukunft. Das Institut werde ungeachtet der Turbulenzen weiter wachsen und sich im nächsten Jahr auch nach Übernahmemöglichkeiten umsehen, erklärte Firmenchef Frederic Oudea. Die Bank musste im dritten Quartal Abschreibungen von 1,2 Mrd. Euro vornehmen, das Nettoergebnis fiel auf 183 Mio. Euro. Der französische Staat hatte der Bank im Vormonat mit 1,7 Mrd. Euro unter die Arme gegriffen und für 2009 ähnliche Hilfen in Aussicht gestellt.

Frankreich und die Niederlande erhöhen nun den Druck auf die Banken. Frankreichs Ministerpräsident François Fillon droht den Banken mit Eingriffen in die Unternehmensführung, sollten diese die Wirtschaft nicht ausreichend mit Krediten versorgen. Die Niederlande wollen sich auf EU-Ebene dafür starkmachen, Bankmanager für Verluste persönlich stärker zur Rechenschaft zu ziehen, und ziehen die Rückforderung von Bonus-Zahlungen in Betracht. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

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    Die Commerzbank, das zweitgrößte deutsche Geldhaus, holt sich frisches Kapital aus dem staatlichen Rettungsfonds. Eine Gewinnprognose wagt die Bank ob der Turbulenzen nicht mehr.

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