Forderungen an befreite Geiseln werden geprüft

3. November 2008, 18:48
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Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner durften das Krankenhaus verlassen - Nun wird geprüft, ob sie Kosten ihrer Befreiung zurückerstatten müssen

Die befreiten Geiseln Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner sind aus dem Heeresspital entlassen und zurück nach Hallein gebracht worden. Jetzt wird geprüft, ob sie einen Teil der Rettungskosten zurückzahlen müssen.

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Salzburg/Wien - Wenige Tage nach der Befreiung der österreichischen Sahara-Geiseln haben Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner am Montagnachmittag das Heeresspital Wien Stammersdorf nach einem umfassenden Gesundheits-Check verlassen. Der Gesundheitszustand der beiden sei "ein sehr guter" , es bestünden "keinerlei medizinische Bedenken gegen ihre Entlassung", heißt es in einer knappen Erklärung des Bundesheeres. Ebner und Kloiber wurden mit Pkws und Polizeibegleitung nach Hallein gebracht.

Der genaue Aufenthaltsort soll zunächst geheim bleiben. Aus Sicherheitsgründen wolle man den Kreis derer, die darüber Bescheid wüssten, kleinhalten, begründete Angehörigensprecher Mike Vogl die Maßnahme. Kloiber und Ebner sollen noch einige Tage abgeschirmt bleiben.
Sowohl die Salzburger Landesregierung als auch ihre Heimatgemeinde Hallein haben auf einen offiziellen Empfang der beiden Heimkehrer bis auf Weiteres verzichtet. Halleins Bürgermeister Christian Stöckl (VP) hatte ursprünglich ein kleines Willkommensfest geplant, dieses aber dann wieder abgesagt.

Die Landesregierung ist nach der Befreiung von Kloiber und Ebner an die Angehörigen der beiden herangetreten. Man wolle den beiden helfen, rasch wieder in den Alltag zurückzufinden; dazu habe man organisatorische Hilfe, aber auch psychologische Betreuung angeboten, so ein Sprecher von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) auf Anfrage des STANDARD. Ob die beiden aber Unterstützung - welcher Art auch immer - überhaupt benötigen und annehmen werden, ist der Landesregierung derzeit nicht bekannt.

Die Frage der Schuld

Mit dem glücklichen Ende der Entführung rücken nun auch die Kosten der Befreiung und mögliche Rückzahlungen in den Vordergrund. Letztere sind laut Gesetz möglich, wenn grobes Verschulden aufseiten der Opfer festgestellt werden kann (siehe Wissen). "Es gibt noch keine Auskünfte darüber, ob in irgendeiner Weise großes Verschulden der beiden Ex-Geiseln vorliegt" , erklärte dazu Außenministerin Ursula Plassnik am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Innen- und Verteidigungsministerium.

Die Gesamtkosten sollen laut Plassnik gar nicht berechnet werden. "Selbstverständlich sind uns hohe Kosten entstanden in diesem konkreten Fall" , so die Ministerin. Die Regierung mache jedoch keine Kostenbilanz am Ende jedes einzelnen Konsularfalles - auch, weil sich das nur mit größtem Aufwand bewerkstelligen lasse. Darabos erklärte, jeder Staatsbürger habe ein Recht auf Hilfe der Regierung.

Plassnik war selbst mehrfach nach Bamako gereist. Sonderbotschafter Anton Prohaska hatte über acht Monate in der malischen Hauptstadt verbracht, zusammen mit einem wechselnden Mitarbeiter des Außenministeriums und Vertretern des Heeresnachrichtendienstes, des Verfassungsschutzes und der Cobra. Auch in Algerien waren, wie Innenministerin Maria Fekter bestätigte, permanent Mitglieder des Verfassungsschutzes und der Cobra im Einsatz.

Entgegen anderslautender Medienberichte blieb die Bundesregierung bei ihrer Darstellung, kein Geld für die Freilassung bezahlt zu haben. "Die Republik Österreich ist nicht erpressbar" , bekräftigte Darabos. FPÖ und BZÖ kündigten dagegen parlamentarische Anfragen zu Berichten über Lösegeldzahlungen und die Einsatzkosten an. Ein Bundesheer-Offizier hatte dem STANDARD  bestätigt, dass als Gegenleistung für die Freilassung Geld bezahlt wurde, allerdings durch komplizierte "Konstruktionen über Stiftungen". Am Montag berichtete die algerische Tageszeitung Liberté, dass der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi drei bis fünf Millionen Euro für die Freilassung der Geiseln gezahlt hat. Er habe damit auf eine Bitte des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider reagiert.  (Thomas Neuhold/Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2008)

 

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    Sie lobten die Befreiung als gemeinsamen diplomatischen Erfolg: die Minister Fekter, Darabos und Plassnik (von links) sowie Österreichs Sondergesandter in Bamako, Anton Prohaska.

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    Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber bleiben bis auf weiteres im Militärkrankenhaus Wien-Stammersdorf.

  • Infografik: Riskante Reiseziele

    Infografik: Riskante Reiseziele

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