US-Banken stützen leidende Hausbesitzer

2. November 2008, 19:59
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Im Kampf gegen die Welle von faulen Krediten kommen immer mehr amerikanische Banken ihren in Verzug geratenen Kunden entgegen

New York - Nahezu jedem fünften US-Hausbauer oder -käufer steht einer Studie zufolge das Wasser bis zum Hals, und bald könnten es sogar 25 Prozent sein. Die Hypothekenschulden von 7,63 Millionen Immobilien oder 18 Prozent seien höher als der Wert der Häuser, geht aus einer Studie von First American Corelogic hervor. 2,1 Millionen Immobilien drohe dasselbe Schicksal, wenn die Preise um weitere fünf Prozent fallen sollten.

Erleichterungen für Kunden

Um diesem Szenario entgegenzuwirken, kommen immer mehr US-Banken ihren in Zahlungsverzug geratenen Kunden entgegen. Als jüngstes Beispiel kündigte JP Morgan Chase Erleichterungen für rund 400.000 Kunden mit Darlehen in der Höhe von insgesamt 70 Mrd. Dollar (55 Mrd. Euro) an. Für die nächsten 90 Tage setzt JP Morgan drohende Zwangsversteigerungen aus. In dieser Zeit sollen die Kreditverträge angepasst werden.

In Amerika rechnen Experten bis 2010 bei 7,3 Mio. Immo-Krediten mit Zahlungsausfällen. Rund 4,3 Mio. davon dürften ihr Haus verlieren, so Analysten von Moody's Economy.com.

Der notleidende Markt für Immobilien und Hypotheken war der Auslöser der Finanzkrise und gilt in den USA als Schlüssel für eine Beendigung der konjunkturellen Talfahrt. Viele eigentlich finanziell zu schwache US-Hauskäufer bekamen in den vergangenen Jahren Immo-Kredite, deren Zinssatz niedrig startete und nun in die Höhe schnellte. Die Folge: eine Flut von Zwangsversteigerungen und ein Preiseinbruch am Häusermarkt. JP Morgan bekam einen Großteil solcher Darlehen durch die Übernahme der gescheiterten US-Sparkasse Washington Mutual.

Zuvor hatte neben anderen Instituten bereits die Bank of America Änderungen der Kreditbedingungen vorgenommen. Die Großbanken wählen mit den jetzigen Maßnahmen das kleinere Übel: Bei einem völligen Ausfall so vieler Kreditnehmer wäre ihr Schaden weitaus größer.

Derweil wächst in den USA der Druck auf die Regierung, bedrängten Hausbesitzern mehr als bisher geplant zu helfen.

Nächste Bank ist pleite

Mit der Freedom Bank ist mittlerweile das 17. US-Institut in diesem Jahr pleitegegangen. Die Regionalbank wurde am Freitag von den Aufsichtsbehörden geschlossen. Die Bank habe über Aktiva in der Höhe von 287 Mio. Dollar verfügt. Die Einlagen von 254 Mio. Dollar seien von der Fith Third Bank aus Grand Rapids in Michigan übernommen worden, heißt es. (dpa, AFP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2008)

 

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    Um weitere Zwangsversteigerungen zu verhindern, greifen Banken den Kreditnehmern unter die Arme.

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