MIP will Strategie ändern

2. November 2008, 19:22
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Das Board will von den streitbaren Aktionären die Zustimmung zur Ablöse der umstrittenen Managementgesellschaft Meinl Power Management erwirken

Wien - Vor den beiden Hauptversammlungen am 13. und 14. November des Energieinvestmentfonds Meinl International Power (MIP) läuft die PR-Maschinerie auf Hochtouren. Stimmungsmache ist notwendig, denn das Board rund um Ex-Verbund-Chef Hans Haider will von den streitbaren Aktionären die Zustimmung zur Ablöse der umstrittenen Managementgesellschaft Meinl Power Management (MPM) mit Karl-Heinz Grasser um rund zehn Millionen Euro erwirken sowie auch ein Ja zur Bestellung von Audley Capital, der britischen Investmentgesellschaft Michael Treichls, als neuen MIP-Manager.

Neue Strategie

Dass das widerspruchslos über die Bühne gehen wird, muss bezweifelt werden. Denn mit Audley wird auch die beim Börsengang im Juli 2007 versprochene Investmentstrategie verändert. Künftig stehen nicht mehr mittel- und langfristige Investments in Windparks, Strom- und Gaskraftwerke in Zentral- und Osteuropa im Vordergrund, sondern vermehrt Aktienbeteiligungen oder Einstiege bei zukunftsträchtigen Unternehmen, die in zwei bis drei Jahren an die Börse gebracht werden können. Diese Investments sollen zu 90 Prozent in Europa und davon die Hälfte in Zentral- und Osteuropa erfolgen, führten Haider und Treichl in einer gemeinsamen Presseinformation aus. Der Rest könne auch in Übersee erfolgen.

Dass MIP dadurch zu einem klassischen Hedgefonds würde, bestreiten die beiden (Treichl will aus dem MIP-Board erst ausscheiden, wenn MPM an seine Audley verkauft ist, Anm.), sie räumen allerdings ein, dass es derzeit "sehr viel schwieriger" sei, das ursprüngliche Geschäftsmodell umzusetzen, weil Fremdkapital derzeit teuer sei. "Es wäre ein Jammer, würde ein Fonds wie MIP die Gunst der Stunde nicht nützen und jetzt Assets erwerben", wirbt der Bruder des Erste-Bank-Generals für seine Strategie.

Die widerspenstigen MIP-Aktionäre rund um Alexander Proschofsky (Cube Invest), die von den versprochenen üppigen Kurssteigerungen und Renditen derzeit nur träumen können, sind sauer. Sie wollen der Übernahme des MIP-Managers durch Audley Capital nicht zustimmen, "weil wir keinen Nutzen für die Aktionäre der MIP erkennen", sagt Proschofsky. "Finanzielle Profiteure dieser Transaktion sind die Meinl Bank Gruppe und die ihr nahestehenden Personen."

"Herumzocken"

Anstatt Kraftwerke in CEE zu kaufen, wolle MIP auf Anlegerkosten "mit Aktien herumzocken" und als Hedgefonds geführt werden. Dem werde man nicht zustimmen, MIP solle stattdessen eine Sonderdividende ausschütten.

Das freilich lehnt Haider "als Schädigung aller Aktionäre" entschieden ab: "Die Kassa ist nicht auszuräumen, sondern es ist zu investieren." Sechs Euro pro Zertifikat, wie von den Rebellen als Zwischendividende gewünscht, sei eine verbotene Einlagenrückgewähr. Laut Treichl kann das gesamte Kapital einer Gesellschaft nur ausgeschüttet werden, wenn die Bilanz vorliegt, Jersey-Gericht und Gläubiger und zwei Drittel der Aktionäre zustimmen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.11.2008)

 

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    Die widerspenstigen MIP-Aktionäre rund um Alexander Proschofsky sind sauer.

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