Kopf des Tages: ATT, Afrikas Soldat der Demokratie

2. November 2008, 19:11
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Amadou Toumani Touré - kurz ATT - hat bereits das zweite Mal ein unblutiges Ende einer Geiselnahme ermöglicht

 Auch im Jahr 2003 konnte eine Gruppe von Europäern, die von Islamisten gekidnappt worden waren, unbeschadet Mali verlassen. Der Präsident weiß, wann er mit wem verhandeln lassen muss. Gerade weil er delegieren und verzichten kann, ist er erfolgreich.

Das hat er schon 1992 bewiesen. Der malische Staatschef ist eine Ausnahme unter den afrikanischen Putschisten. Als er im Jahr 1991, nachdem die Opposition bei blutigen Ausschreitungen Reformen einforderte, Langzeitdiktator Moussa Traoré aus dem Amt entfernte, ließ er unter Einbeziehen der Zivilgesellschaft eine neue Verfassung nach dem Vorbild Frankreichs erarbeiten und wurde Chef des nationalen Versöhnungsrates. Ein Jahr später bei den ersten demokratischen Wahlen nach 23 Jahren in der ehemaligen französischen Kolonie, trat er selbst aber - wie versprochen - nicht an.

Wegen dieses Machtverzichts nannte man Touré im Westen einen "Soldaten der Demokratie". Der heute 59-Jährige sollte eigentlich Geografie- und Geschichtelehrer werden, besuchte aber Anfang der 1970er-Jahre die Militärakademie und wurde damit Teil der malischen Elite. Der Offizier ließ sich in der Sowjetunion und Frankreich weiterbilden und befehligte selbst die persönliche Garde von Präsident Traoré.

Im Jahr 1990 machte er die Generalstabsausbildung an der École Supérieur de Guerre in Paris. Nach dem Machtwechsel in Bamako gründete er eine Kinderstiftung und diente als Vermittler im Kongo-Krieg und in Burundi. 2002 wurde er dann erstmals zum Präsidenten gewählt, 2007 trat er seine zweite Amtszeit an. Der Vater zweier Kinder bekam von internationalen Beobachtern gute Noten für seine Initiativen zur Armutsbekämpfung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Er ließ Wohnungen bauen und förderte die landwirtschaftliche Produktion durch neue Zuckerfabriken und Mangofarmen. Und trotzdem ist sein Einfluss begrenzt.

Im Norden hält die Rebellion der Tuareg an. In den jüngsten Abkommen mit den Rebellen verpflichtete sich die Regierung. ihre Truppen in der Region zu reduzieren. Die Tuareg fühlen sich wirtschaftlich benachteiligt, Touré sagt, es gehe ihnen auch um den Drogenschmuggel durch die Wüste. Dennoch unterstützte er nun offenbar den Dialog. Denn auch die islamistischen Geiselnehmer versteckten sich in der Wüste. Und ohne die Hilfe der lokalen Stämme wäre ihre Freilassung nicht möglich gewesen. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 03.11.2008)

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    Amadou Toumani Touré, 59, ist seit 2002 Präsident von Mali.

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