Komplizierte Zahlungen

2. November 2008, 18:42
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Hoher Offizier sagt: "Es ist Geld geflossen" - Es gäbe "Konstruktionen über Stiftungen, die Geld locker machen" könnten

Es gehört zu den Prinzipien von westlichen Regierungen, dass sie bei Entführungsfällen nicht auf Lösegeldforderungen eingehen. Sonst würde ja Steuergeld an Terroristen fließen.

Ganz ohne Gegenleistung sind Geiseln aber kaum freizubekommen, bestätigt ein Offizier des Bundesheeres unter Zusicherung von Anonymität dem Standard: "Es ist Geld geflossen" - aber dies sei nicht Geld der Republik Österreich gewesen, "also stimmt die offizielle Aussage formal schon, dass wir kein Lösegeld gezahlt haben".

Es gäbe aber komplizierte "Konstruktionen über Stiftungen, die Geld locker machen" könnten.

Wie das genau funktioniere, wollte der Heeresangehörige nicht erklären. Eine seiner Andeutungen über Amadou Toumani Touré, den Präsidenten Malis, lautete aber: "Er ist in einer schwierigen Situation, er darf im Norden Malis keine Gruppe bevorzugen." Daraus könnte man schließen, dass österreichisches Geld über die Regierung Malis weitergeleitet worden wäre. Wie eine solche Transaktion funktionieren könnte, ist schwer nachvollziehbar. Aus Informationen der in dieser Angelegenheit aktiven Geheimdienste ergebe sich aber, dass im Norden Malis keine zentralstaatliche Autorität vorhanden ist, "das ist ein sehr kompliziertes Kraftfeld".

Denkbar wäre eine Involvierung der "Gaddafi International Foundation for Charity Associations", die von sich erklärt, für die Wohlfahrt in der Gesellschaft sowie für die Sicherung von Menschenrechten einzutreten und zur Linderung von Armut beizutragen. Die Stiftung arbeitet offiziell unabhängig von der libyschen Regierung in Tripolis.

Answer Lang, der Sprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos, wollte solche Überlegungen nicht kommentieren - er blieb beim Dementi: "Es hat keine Zahlungen irgendwelcher Art gegeben. Es gibt keine seriöse Quelle, die anderes belegen würde."

Unbestritten ist allerdings auch von Lang, dass das Heeresnachrichtenamt HNA, der Auslandsgeheimdienst des Bundesheeres, ziemlich aktiv in der Region war.

Da ging es um Aufklärung (etwa Abhören von Funkverkehr), wohl aber auch Kontakte zu anderen Diensten der Militärs der Staaten in der Region und zu lokalen Machthabern. "Die Burschen haben einen guten Job gemacht", sagt der Bundesheer-Offizier. Die Ex-Geiseln wurden jedenfalls per Hubschrauber in die Van-Swieten- Kaserne gebracht. Die Abschirmung besteht aus Militärpolizei und Personenschützern: "Man macht den Versuch einer Auswertung", sie werden also vom HNA befragt. Lang ist da zurückhaltender: "Die medizinische Betreuung steht absolut im Vordergrund." (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 03.11.2008)

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