Koalitionsverhandlungen: Bildungsaufschwung

2. November 2008, 18:09
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Bildungspolitik ist noch immer die beste Sozialpolitik - Von Lisa Nimmervoll

Sie sagen Konjunkturpaket und meinen Bahn, Autobahn und Bauprojekte. Sie schnüren Rettungspakete und wollen damit Banken und Kredite absichern. Sie würgen an leeren Defizitziffern herum und meinen, das wäre schon Budgetpolitik. Nur eines tun die rot-schwarzen Koalitionsverhandler bis jetzt nicht: über Inhalte reden, politische Prioritäten setzen, Schwerpunkte definieren, auf die dann das - no na begrenzte - Geld verteilt werden soll.

Budgetpolitik ist immer auch in Zahlen gegossene Gesellschaftspolitik, und darüber muss gestritten werden. Aber darum geht's im inhaltslosen Zahlengetue von SPÖ und ÖVP nicht. Ja, die Finanzkrise ist da, und ihre Folgen werden in voller Wucht erst noch auf uns zukommen. Es gibt nicht nur ein Leben in der Krise - und darauf muss die neue Regierung Land und Leute vorbereiten. Am besten und nachhaltigsten kann sie das durch Bildungsinvestitionen tun. Wenn die Wirtschaft schlechte Konjunktur hat, muss ein Bildungsaufschwung her. Bildung muss endlich Konjunktur haben.

Bildungspolitik ist noch immer die beste Sozialpolitik. Und der Sozialbereich wird angesichts ökonomisch schwieriger Zeiten enorme Belastungen aushalten und finanzieren müssen. Es wäre also vordringlich, hier präventiv zu investieren. Keine Investition hat eine so hohe Rendite wie Bildung. Was nützen die besten Straßen, wenn es plötzlich nicht mehr genug hochqualifizierte Ingenieure gibt, die die umweltschonenden Autos bauen können, die darauf fahren sollen? Es gibt ein Leben nach der Finanzkrise. Aber es wird ein anderes sein als das derzeitige. Es ist Aufgabe der Politik, die Menschen darauf vorzubereiten. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD Printausgabe, 3. November 2008)

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