Sympathien für McCain

2. November 2008, 18:06
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Die Bagdader würden den Republikaner wählen

Die Märkte in Bagdad sind so voll wie schon lange nicht. Die Zahl der Bombenanschläge hat sich von 18 auf durchschnittlich vier reduziert. Dennoch gibt es Kritik an den USA: "Die Amerikaner sind schuld an der Misere der letzten Jahre" , klagt Khaled über die Bush-Administration. "Aber sie müssen noch klar Schiff machen, bevor sie von hier abhauen." Deshalb würde er bei der Wahl für McCain stimmen, weil der für einen schrittweisen Rückzug der US-Truppen sei.

Im Handumdrehen versammelt sich in Khaleds Imbiss in Mansour, am westlichen Tigrisufer, eine bunte Mischung von Bagdadern, die alle über den künftigen US-Präsidenten diskutieren wollen. Hussein ist Schiit wie Khaled. Durch Saddams Gewaltherrschaft habe er zwei Familienmitglieder verloren, er selbst sei gefoltert worden. Doch die jetzigen Herren des Irak seien nicht viel besser. Um eine Arbeit zu bekommen, müsse man bis zu 1000 Dollar "Vermittlungsgebühr" bezahlen und einen aus der Regierungsmannschaft kennen.

Auch Omar und Yousef würden McCain wählen. Denn obwohl Omar als Übersetzer für die US-Truppen in Ramadi arbeitete und entlassen wurde, weil er sich mit einem GI angelegt hatte, hegt er noch immer Sympathie für die Amerikaner. "Ihre lässige Art gefällt mir" , sagt der 20-Jährige. Auch Yousef hatte anfangs größere Sympathien für Obama. Doch als dieser den Abzug der Amerikaner aus dem Irak propagierte, kamen ihm Zweifel. Jetzt ist er für McCain. (Birgit Svensson aus Bagdad/DER STANDARD, Printausgabe, 03.11.2008)

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