Helgetaten

2. November 2008, 17:57
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Oder Heldentaten, für die jemand, der zu ihr nicht fähig ist, gelobt wird, bevor er sie vollbringt


Die Nachricht, Helge Payer werde wieder gesund, wurde mit Frohmut aufgenommen. Jeder wird Rapids Goalie dazu gratulieren, die Thrombosen und ihre berufsbehindernden Belästigungen abgeschüttelt zu haben. Es führt allerdings zu weit ins Land der Träume, von einem Tormann Heldentaten zu erwarten, der eher für Patschertheiten bekannt war. Helge Payer ist ein sympathischer Mensch, wenn ihm auch die Selbstüberschätzung wie manchen seines Gewerbes (außer Marc Janko) nicht fremd ist.

An den Berichten über Payers Genesung und das bevorstehende Comeback lässt sich ein Grundgesetz des Mediengewerbes quasi laborhaft beobachten, das in der Finanzkrise ein wenig in den Hintergrund geriet. Nämlich die Gier nach Positivem. Sie sei aus aktuellem Anlass Helgetat genannt: Eine Heldentat, für die jemand, der zu ihr nicht fähig ist, gelobt wird, bevor er sie vollbringt. Nämlich nicht. Oder so. Die vorauseilenden Lobeshymnen auf Payer, das schwarze Kleid der Austria-Kärnten-Kicker, die immer authentischer wirkende Begeisterung um Hermann Maier - Zeichen kollektiver Sehnsucht nach tief empfundener Freundschaft. In einer ach so kalten Welt, in der "Weltspartag" klingt wie Josef Hader auf Speed.

Und Wunder: Die Flunkerei, Sport oder speziell Rapid sei Religion oder deren Ersatz, ist überflüssig. Helge Payer wird wieder gesund. Hermann Maier wird wieder gewinnen? Kaum. Aber das Vertrauen in ihn bringt eher mehr Zuversicht ins Land als Kredit auf so ehrenwerte Helden wie Treichl, Konrad und Molterer zusammen. (Johann Skocek, DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.11. 2008)

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