Königin Silvia sorgt für Aufsehen

2. November 2008, 14:45
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Königin Silvia streitet über Kinderpornografie und Wolfsjagd - Schwedische Monarchin: Elche "fressen so viel. Heute sind es zwei, nächstes Jahr sieben" - Kritik von Naturschützern

Stockholm - Königin Silvia präsentiert sich den Schweden kurz vor ihrem 65. Geburtstag alles andere als altersmilde. Mit der Forderung nach härteren Strafen für die Nutzer von Kinderpornografie im Internet, Klagen über "Maulkörbe" für die Stockholmer Königsfamilie und Attacken auf Kritiker ihres Ehemanns Carl Gustaf hat die Regentengattin am Wochenende für Aufsehen bei den Skandinaviern gesorgt.

Die in Heidelberg geborene Wahl-Schwedin wollte sich in einem Interview des Senders SR zum Thema "gefährdete Kinder" äußern. Statt sich aber nur auf royal klingende, unverbindliche Äußerungen etwa zur Arbeit ihrer eigenen "Weltkinderstiftung" zu beschränken, nahm Silvia sofort die Internet-Nutzer von Pornografie mit Kindern ins Visier. Sie schilderte deren "diabolischen Missbrauch" durch den Tausch von Bildern und Filmen in Internet-Clubs. "Man muss sich klar machen, dass jedes einzelne Foto großes Leiden für die betroffenen Kinder bedeutet", sagte die Mutter von drei Kindern.

"Die Kinder stehen für mich an erster Stelle"

Das sei einfach kriminell, und deshalb halte sie die Bestrafung auch des Anschauens von Bildern für "ausgesprochen wichtig", meinte Silvia, die am 23. Dezember 65 wird. Bisher ist in Schweden im Gegensatz zu den Nachbarländern Norwegen und Dänemark nur der Besitz und der Vertrieb von Kinderpornografie unter Strafe gestellt. "Da bin ich völlig konsequent", begründete die Königin ihre Forderung nach strengeren Strafen und verwies auf den gerade angelaufenen Gesetzgebungsprozess. Sie hatte in der Vergangenheit schon für die Veröffentlichung von Namen und Fotos verurteilter Pädophiler plädiert und hielt daran fest: "Die Kinder stehen für mich an erster Stelle."

Ein begeisterter Jäger

Am Ende des Interviews ging die Königin noch auf Kritiker ihres Ehemannes los. König Carl XVI. Gustaf hatte sich am Rande einer Elchjagd massiv für die Jagd auf Wölfe in Schweden ausgesprochen. "Die fressen so viel. Heute sind es zwei, nächstes Jahr sieben. Und wenn sie weiter Partner im Wald finden, explodiert das", meinte der Monarch und handelte sich kopfschüttelnde Kritik von Naturschützern ein. "Warum muss man dazu eigentlich eine Schriftstellerin befragen, die von Wölfen keine Ahnung hat?", zeigte Silvia der angesehenen Autorin Kerstin Ekman verbal die Zähne. Ekman hatte öffentlich gefragt, ob Carl Gustaf vor seiner "unartikulierten und nicht durchdachten Äußerung vielleicht einfach einen über den Durst getrunken hat".

Mit ihrer scharfen Reaktion, vor allem aber mit der Forderungen nach strengeren Gesetzen in Sachen Kinderpornografie lehnte sich Silvia wohl bewusst weit aus dem Fenster. Auf die Frage, ob der permanent geltende politische "Maulkorb" für die Königsfamilie nicht mitunter recht lästig oder schwer zu ertragen sei, seufzte die Königin hörbar: "Man sollte schon respektieren, dass auch wir unsere Meinungen haben."

"Verschrottung der Monarchie"

"Befreit die Königin!", forderte am Sonntag die Zeitung "Sydsvenskan" im Leitartikel. Das Blatt sieht als besten Weg die "Verschrottung der Monarchie, dieses Überrestes aus vordemokratischer Zeit." Danach könne Silvia ohne Einschränkung gegen die Kinderpornografie und ihr Mann für die Jagd auf Wölfe eintreten. Kronprinzessin Victoria müsse auch nicht mehr die Erlaubnis des Vaters zur Eheschließung mit dem Mann ihres Herzens einholen. Die soll der König seit Jahren standhaft verweigern, weil der Fitnesstrainer Daniel Westling aus der Ortschaft Ockelbo als nicht ganz standesgemäß gilt. (APA/dpa)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Königin Sylvia klagt über "Maulkörbe" für die Königsfamilie.

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