Saakaschwili will Beweise für russische Aggression vorlegen

2. November 2008, 10:00
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Präsident: Mit Videoaufnahmen und Zeugenaussagen nachweisen, dass die russischen Streitkräfte Zchinwali zu Kriegsbeginn bombardiert haben

München - Knapp drei Monate nach dem Ausbruch des Kaukasus-Krieges hat Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili angekündigt, Beweise dafür vorzulegen, dass Russland den Krieg begonnen hat. In einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin "Focus" sagte er laut einer Vorausmeldung, anhand von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen könne er jetzt nachweisen, dass die russischen Streitkräfte die südossetische Hauptstadt Zchinwali zu Kriegsbeginn am 8. August selbst mit schwerer Artillerie und Luftwaffe bombardiert hätten.

Russland habe die Militäraktion im Kaukasus schon vor dem Jahr 2006 "exzellent vorbereitet wie in einem Drehbuch". Am Tag des Kriegsbeginns seien in Zchinwali 50 russische Journalisten gewesen, so Saakaschwili. Obwohl die Zivilbevölkerung vorab evakuiert worden und die Stadt leer gewesen sei, habe Moskau sofort erklärt, die Georgier hätten 2000 Zivilisten getötet und einen Völkermord begangen.

Warnung vor Wiederaufflammen des Konfliktes

Der georgische Präsident warnte vor einem Wiederaufflammen des Konfliktes in den nächsten Wochen. Russland sei mit dem Resultat des Krieges nicht zufrieden und wolle die Pipelines in dem strategisch wichtigen Transit-Land unter Kontrolle bringen. "Mit denen würde Russland binnen fünf Jahren 60 Prozent mehr Energie kontrollieren als heute und hätte so ein Monopol für die Energieversorgung Europas", sagte Saakaschwili "Focus". Genau dies sei Moskaus Ziel.

EU-Beobachter hätten bereits registriert, dass Moskau einige Tausend Soldaten in die Enklaven gebracht hätte. Weil die Welt wegen der Finanzkrise und den Wahlen in den USA abgelenkt sei, wäre jetzt für Moskau der ideale Zeitpunkt für eine neue Attacke, so der Staatschef. Wenn der Westen Moskau mit seiner Aggression durchkommen lasse, werde sie sich wiederholen: "Die Gefahr ist akut."

Saakaschwili forderte die EU auf, dafür zu sorgen, dass die Russen ihre Streitkräfte aus den beiden abtrünnigen georgischen Teilrepubliken Abchasien und Südossetien abziehen. Er wolle diese Gebiete wieder an Georgien anbinden, indem er den Menschen dort "freie Information zugänglich" mache und sie aus der Isolation hole. Nach "15 Jahren unter russischer Besatzung" und der Ausgabe russischer Pässe litten die Menschen in Abchasien und Südossetien unter dem "Stockholm-Syndrom", so Saakaschwili. (APA)

 

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