Farbe zeigen, Stimmen fangen, Telefone meiden

2. November 2008, 08:07
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Die Kandidaten geben noch einmal alles vor dem entscheidenden Dienstag - Manche, wie Sarah Palin, gingen in dieser Hektik auch zu sehr aus sich heraus

Washington/Wien - Es geht noch um Millionen Stimmen, um die letzten Unentschlossenen. Zwischen zwei und sieben Prozent der US-Bürger - je nach Umfrage - wussten am Wochenende noch immer nicht, wen sie denn am Dienstag ins Präsidentenamt wählen sollten. Alle Umfragen führten den Demokraten Barack Obama weiterhin als hohen Favoriten vor seinem republikanischen Gegner John McCain. In einzelnen umkämpften Bundesstaaten allerdings könnten schon kleinere Wählerverschiebungen den entscheidenden Ausschlag geben.

Dementsprechend beackerten die beiden Kandidaten Samstag und Sonntag Nevada, Colorado, Pennsylvania, Virginia und Ohio. McCain warnte vor einem "Linksruck" der unter Obama drohe. Sein Parteifreund, der kalifornische Gouverneuer Arnold Schwarzenegger, spottete über die "dürren Beine und dünnen Ärmlein" Obamas. Auch dessen Ideen "brauchen Fleisch auf den Rippen" . McCain sei gegen den Demokraten "gebaut wie ein Fels. Sein Charakter und seine Ansichten sind grundsolide." Der Minderheitsführer der Republikaner im Repräsentantenhaus, John Boehner, beschimpfte Obama wegen dessen Stimmenthaltungen bei diversen Abstimmungen im Senat sogar als "Scheiß Feigling".

Obamas Tante Zeituni

Neben den republikanischen Angriffen machten am Wochenende zudem Berichte die Runde, dass eine Tante Obamas illegal in den USA lebe. Der Asylantrag der 56-jährigen Zeituni Onyango war vor vier Jahren abgelehnt worden. Kampagnenmanager des afroamerikanischen Senators erklärten, dieser haben keinen Kontakt zu seiner verwandten gehabt. 256 Dollar Wahlspenden wurden umgehend zurücküberwiesen. Obamas Chefstratege David Axelrod zu dem Fall: "Ich bin bei allem skeptisch, was so wenige Stunden vor der Wahl auf den Markt kommt."

Gewissermaßen auf den Markt geworfen wurde auch ein Telefonat, das die republikanische Vizekandidatin Sarah Palin mit dem vermeintlichen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geführt hat. Die Gouverneurin von Alaska ging dabei frankokanadischen Komikern auf den Leim, die das Telefonat mitschnitten. In dem Gespräch konversierte Palin mit großer Freude mit dem "Präsidenten" : "Es ist so toll, Sie zu hören, danke, dass Sie uns anrufen. Wir haben Hochachtung vor Ihnen, John McCain und ich, wir lieben Sie" , sagte Palin ohne auf irritierende Bemerkungen des Anrufers über seine "heiße Frau" , über Dokumentarfilme (er zitierte den Pornostreifen "Who is nailin' Paylin?" ) und über seinen neuen Amerika-Berater Johnny Hallyday zu reagieren.

Marc-Antoine Audette, der Sarkozy-Imitator, erklärte zudem, Palin würde eine gute Präsidentin abgeben. Palin erwiderte: "Vielleicht in acht Jahren." Der Telefonscherz wurde am Samstag von einer Radiostation in Québec veröffentlicht, er sollte heute, Montag, gesendet werden. Eine Sprecherin Palins kommentierte den Scherz schlicht mit: "C'est la vie."

US-Präsident George W. Bush rief indes seine Landsleute eindringlich auf, zur Wahl zu gehen: "Es ist die Zeit gekommen für die Amerikaner, wichtige Entscheidungen über die Zukunft unserer Nation zu treffen." (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 03.11.2008)

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    Sarah Palin glaubte mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu sprechen: "Es ist so toll, Sie zu hören, danke, dass Sie uns anrufen."

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    Teresa Williams (14) am Wochenende bei einer der letzten Wahlveranstaltungen John McCains in Perkasie, Pennsylvania.

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