Gaddafi will enge Beziehung zu Moskau

1. November 2008, 22:09
5 Postings

Kooperation auf Energiesektor - Lawrow: Gespräche über Waffenkäufe - Beheiztes Beduinenzelt samt Grill im Kreml-Garten

Moskau - Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hat seinen ersten Besuch in Moskau seit 23 Jahren als neuen Impuls für engere Beziehungen mit Russland bezeichnet. Aus seiner Sicht sei eine Kooperation auf dem Energiesektor "besonders aktuell", sagte er am Samstag bei einem Treffen mit Kreml-Chef Dmitri Medwedew. Das meldete die Agentur Interfax. Zu möglichen Waffenkäufen Libyens sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow, die Gespräche würden andauern. Nach Angaben der Zeitung "Iswestija" (Samstag) will Tripolis unter anderem Kampfjets, Panzer, Transporthubschrauber und U-Boote im Wert von bis zu 2 Milliarden US-Dollar (1,55 Milliarden Euro) bestellen.

Medwedew sprach von einem "neuen Niveau" in den Beziehungen zu Libyen. Der Kreml-Chef hatte bereits zu Beginn des dreitägigen Aufenthalts von Gaddafi in Moskau am Freitagabend ein langes Vier-Augen-Gespräch über die Situation im Irak und das iranische Atomprogramm mit dem 66-Jährigen geführt. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Am Rande des Staatsbesuchs trafen sich am Samstag auch Vertreter der Energiekonzerne Gazprom (Russland), Eni (Italien) und NOC (Libyen). Gazprom und Eni besitzen schon millionenschwere Verträge in Libyen und wollen ihren Zugang zu den Öl- und Gasvorräten in dem energiereichen nordafrikanischen Wüstenstaat deutlich ausweiten.

Gazprom und die nationale libysche Ölgesellschaft NOC einigten sich bereits auf die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens. Es soll neue Öl- und Gasfelder erschließen sowie bei Förderung und Vermarktung kooperieren. Medwedew und Gaddafi sprachen auch über die mögliche Zusammenarbeit beim Bau eines Atomkraftwerks in Libyen. "Unser Verhältnis darf sich nicht nur wie oft in der Vergangenheit auf militärischem und politischem Sektor entwickeln", appellierte Gaddafi in Moskau für eine verstärkte Kooperation auf wirtschaftlichem Gebiet. Medwedew sagte, der Besuch des Revolutionsführers werde die Beziehungen "deutlich anspornen".

Gaddafi wollte vor seiner Abreise am Sonntag in Moskau noch mit Regierungschef Wladimir Putin zu einem Gespräch zusammentreffen. Bereits am Samstagabend kam es zu einem Treffen der beiden Politiker mit kultureller Note. Russische Nachrichtenagenturen meldeten, Putin und Gaddafi hätten gemeinsam einem Konzert gelauscht, das die französische Sängerin Mireille Mathieu im Kreml gab. Der Regierungschef habe in der Pause seinen Wüstengast vorgestellt und zu der Sängerin gesagt: "Wir mögen Sie in Russland sehr gern."

Putin hatte im April noch als Kreml-Chef Tripolis besucht und dabei über Waffenlieferungen gesprochen. Nach Angaben der Agentur Itar-Tass gehörte Libyen nach dem Zweiten Weltkrieg mit offiziell 20 Milliarden US-Dollar (heute rund 16 Milliarden Euro) zu den größten Rüstungskunden der Sowjetunion. Anschließend wird Gaddafi laut Moskauer Medien bei der weißrussischen Führung in Minsk sowie vom 4. bis 6. November in der Ukraine erwartet. In Kiew will er über den gemeinsamen Bau eines Werks zur Herstellung von Kampfhubschraubern in Libyen verhandeln.

Am Samstag hatte Gaddafi am Roten Platz in Moskau, auf dem sich besonders am Wochenende viele Besucher drängen, für einen Menschenauflauf und ein Verkehrschaos gesorgt, als er am Grabmal des unbekannten Soldaten einen Kranz niederlegte. Für viel Aufsehen sorgte auch das beheizbare Beduinenzelt, das der Revolutionsführer traditionell auf Reisen mitführt. Laut "Iswestija" ließ Gaddafi das khakifarbene Zelt mit Grill und Flachbildfernseher unweit der Arbeitsräume von Medwedew an einer Mauer im Kreml-Garten aufstellen. (APA/dpa/AFP)

 

Share if you care.