Spitalsmanager Laimböck für radikale Gesundheitsreform

1. November 2008, 15:08
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Gesundheitspolitik befindet sich seiner Ansicht nach "in einer Sackgasse"

Wien - Für eine radikale Gesundheitsreform spricht sich der Spitalsmanager Max Laimböck aus. In seinem soeben erschienenen Buch "Die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems" plädiert er für einen "regulierten Wettbewerb" unter staatlicher Rahmensetzung und Kontrolle. Die Gesundheitspolitik befindet sich seiner Ansicht nach "in einer Sackgasse" und entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme habe, verweist Laimböck auf eine OECD-Studie, wonach die Österreicher für das fünftteuerste Gesundheitssystem der Welt "nur durchschnittliche Ergebnisse" erhalten.

Der Autor verfügt über 17 Jahre Berufserfahrung im Krankenhausmanagement - als Finanzdirektor der Tiroler Landeskrankenanstalten GesmbH (TILAK), als Verwaltungsdirektor der Universitätsklinik Innsbruck, Geschäftsführer der Salzburger Landeskliniken und als Manager in der US-Pharmaindustrie.

Sein Resümee: Politisch beeinflusste Krankenhäuser sind weder zu Effizienz noch zu Innovation in der Lage. Anhand zahlreicher Beispiele aus den Niederlanden, der Schweiz, Deutschland und Skandinavien unterbreitet er konkrete Alternativen für Änderungen des österreichischen Gesundheitssystems. Regulierter Wettbewerb und "Managed Care" sind für ihn die Schlüssel für eine moderne Patientenversorgung, die nachhaltig hohe Qualität, Kostenbegrenzung und wettbewerbsfähige Unternehmen sicherstellt.

Konkret schlägt Laimböck eine Versicherungspflicht statt der derzeitigen Pflichtversicherung vor. Die Kassen sollten für alle Berufsgruppen geöffnet werden, womit freie Versicherungswahl mit Wettbewerb zwischen den Kassen herrschen würde. Die Kassen sollten unter Beibehaltung des bestehenden Versorgungsniveaus die Möglichkeit erhalten, zu unterschiedlichen Beiträgen ein unterschiedliches Ausmaß an Wahlfreiheiten und Zusatzleistungen anzubieten. Dafür müssten die Kassen zu eigenverantwortlichen Unternehmen entwickelt und der politische Einfluss aus der Führung in die Kontrollgremien verlegt werden. "Die operative Führung muss bei Managern und darf nicht bei Funktionären liegen." Mit der Einführung eines "Risikostrukturausgleichs" sollte vermieden werden, dass einzelne Kassen nur günstige Versicherte haben. Diese veränderten Kassen könnten dann in einem nächsten Schritt auch die Finanzierung der Spitäler übernehmen.

Eine solche Reform hätte nach Auffassung des Autors auch den Vorteil, dass ein leistungsfähiger und auch international wettbewerbsfähiger Wirtschaftsbereich Gesundheitswirtschaft entstehen könnte, der viele Arbeitsplätze ermöglichen würde.

Den Vorschlag der Sozialpartner aus dem Frühjahr, der dann von der Politik nicht umgesetzt wurde, hält Laimböck für einen "Schritt in diese Richtung und damit eine gute Voraussetzung für die weitere Diskussion". Die Ärztekammer sollte seiner Auffassung nach "ihre Blockadepolitik aufgeben". (APA)

 

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