EU will Autoindustrie offenbar Aufschub bei Umweltauflagen gewähren

1. November 2008, 14:27
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Deckelung von C02-Ausstoß soll erst ab 2015 statt ab 2012 gelten

Brüssel - Angesichts der Absatzprobleme in der Autoindustrie deutet sich ein Rückzieher der Europäische Union bei ihren ehrgeizigen Umweltzielen an: Vertreter der EU-Mitgliedstaaten einigten sich am Freitag bei einem Treffen darauf, die geplante Begrenzung des Kohlendioxid-Ausstoßes für einen Großteil der Neuwagen um drei Jahre zu verschieben, wie Verhandlungsteilnehmer am Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagten. Bisher sollte nach dem Willen der EU-Kommission ab 2012 für Neuwagen der CO2-Ausstoß für Pkw bei durchschnittlich 130 Gramm pro Kilometer gedeckelt werden. Mit der Verschiebung würden die Grenzwerte erst ab 2015 gelten.

Grenzwerte

Dem Kompromiss zufolge sollen die Grenzwerte für nur noch etwa zwei Drittel der Neuwagen-Flotten ab 2012 gelten, der Rest erhält einen Aufschub bis 2015. Die Strafen für diejenigen, welche die Grenzwerte nicht einhalten, sollen demnach gestaffelt sein und nach 2015 stark ansteigen. Wie genau die Strafen geregelt werden sollen, ist den Angaben zufolge bei manchen Mitgliedstaaten noch umstritten, unter anderem meldete Deutschland Bedenken an. Die hiesige Autoindustrie läuft gegen die geplanten Umweltauflagen bereits seit längerem Sturm.

Kompromiss

Ein neues Ziel wird in dem Kompromiss noch genannt: bis 2020 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen auf 95 Gramm reduziert werden. Die Autobranche sei derzeit nicht in guter Form, sagte ein der EU-Präsidentschaft nahestehender Verhandlungsteilnehmer gegenüber AFP. "Man kann einen 60 Kilogramm schweren Mann nicht zwingen auf 30 Kilo abzuspecken, ohne ihn zu töten", begründete er die geplanten Erleichterungen.

Die Reduzierung der Abgasemissionen von Autos ist Teil des großangelegten EU-Plans zur Bekämpfung der Klima-Erwärmung. Die Reduzierung der CO2-Emissionen auf 130 Gramm ist technisch ein großer Schritt, durchschnittlich liegen die Abgasausstöße derzeit bei 158 Gramm. Der am Freitag erreichte Kompromiss muss noch im EU-Parlament diskutiert werden. (APA)

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