Hilfe für den Kongo läuft an

2. November 2008, 16:57
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UNO und NGOs versuchen über 250.000 Vertriebene in Flüchtlingslagern unterzubringen - Unterdessen halten die diplomatischen Bemühungen um eine dauerhafte Lösung an

Goma/Nairobi - Auch am Sonntag hielt die Waffenruhe, die Rebellengeneral Laurent Nkunda am Mittwochabend angekündigt hatte. Seine Milizen standen nur wenige Kilometer von der Provinzhauptstadt Goma entfernt. Auf den Hauptstraßen zogen tausende Flüchtlinge in Richtung Norden zogen. "Wir haben seit Tagen nichts gegessen" , sagt die aus dem 30 Kilometer entfernten Kibumba vertriebene Rhema Harerimana. "In Goma gibt es kein Essen und kein Dach über dem Kopf, deshalb laufen wir zurück." Weil die Vertriebenen ständig in Bewegung sind, haben Hilfsorganisationen es schwer. "Wir haben fürs Erste genügend Hilfsgüter" , sagt etwa Georg Dörken von der Deutschen Welthungerhilfe in Goma. "Aber die Flüchtlinge sind überall in der Region verstreut."

Mit sanftem Druck sollen die Vertriebenen jetzt in Richtung der Auffanglager bewegt werden. Das heißt: Nahrung und Zelte gibt es nur dort. Doch die Rückkehr ist nicht einfach. Das UN-Flüchtlingshilfswerk gab am Wochenende bekannt, dass Nkundas Truppen in Rutshuru nahe der ugandischen Grenze erst am Dienstag 50.000 Flüchtlinge aus einem Lager vertrieben haben. Danach plünderten sie das Camp und steckten es in Brand. Nachdem Nkunda humanitäre Korridore zugesagt hat, schickten die UN Hilfskonvois in die besetzten Gebiete, um Lebensmittel und Medikamente zu liefern. Ein weiteres Problem ist Trinkwasser: Im Lager Magunga, nicht weit von Goma entfernt, gibt es laut "Ärzte ohne Grenzen" mehr als 30 Cholera-Fälle und kein sauberes Wasser mehr, das Risiko eines schweren Cholera-Ausbruchs ist groß.

In Goma war die Lage trotz der Waffenruhe weiter angespannt. Zwei siebenköpfige Familien, so wussten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zu berichten, sind seit Mittwoch in ihren Häusern erschossen worden.

Überfälle der Armee

Insgesamt wird die Zahl der Toten bei Überfällen auf bis zu vierzig, zwischen 300 und 400 Häuser wurden geplündert. Die Täter sind nicht etwa die Rebellen, sondern Soldaten der kongolesischen Armee und Polizisten. Unterdessen liefen die diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung der Krise auf Hochtouren. Großbritanniens Außenminister, David Miliband, und sein französischer Amtskollege Bernard Kouchner waren am Sonntag in Kigali, um Ruandas Regierungschef Paul Kagame für eine gemeinsame Friedensinitiative mit Kongos Präsident Joseph Kabila zu gewinnen.

Nicht nur in Kinshasa wird kolportiert, dass Nkunda von Ruandas Regierung Unterstützung erhält: Die Entsendung einer EU-Friedenstruppe, für die sich am Wochenende auch die US-Außenstaatssekretärin Jendayi Frazer aussprach, lehnten beide Politiker ab: Zunächst müssten UN-Truppen innerhalb des Kongo verlegt werden. Der Chef der UN-Mission, Alan Doss, warnte: "Wir werden das probieren, aber die 17.000 UN-Soldaten im Land reichen nicht aus." (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 03.11.2008)

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    In einem Flüchtlingscamp in der Nähe der Provinzhauptstadt Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

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