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Metin Tolan & Joachim Stolze: "Geschüttelt, nicht gerührt. James Bond und die Physik", gebundene Ausgabe mit 77 Abbildungen. 240 Seiten, Piper 2008, € 17,40.
Wissen Sie, wie oft James Bond in den 21 offiziellen Filmen einen Wodka-Martini "Gerührt und nicht geschüttelt" ordert? 007, Geheimagent Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten, bestellte den Drink in all seinen Abenteuern 25-mal. Er besuchte 37 Länder und ihm wird 33-mal gesagt, dass er sterben wird. Es gab 57 Bond-Girls, davon 29 Brünette, 24 Blonde und vier Rothaarige. Insgesamt 16-mal hört man Frauen "Oh James" raunen, und 80-mal hat er Sex. Mindestens so akribisch wie diese Fakten werden in dem Buch "Geschüttelt, nicht gerührt - James Bond und die Physik" ganz konkret Szenen aus den James Bond-Filmen physikalisch analysiert und so quantitativ und detailgetreu wie möglich ausgewertet.
"Nicht Glück, sondern angewandte Physik"
Seit drei Jahren geht Metin Tolan, Professor für Physik und Autor des Buches, den technischen Spielereien aus den Bond-Klassikern auf den Grund und fühlt dem Supertüftler Q auf den Zahn. Kann der Superagent wirklich einem Flugzeug über eine Klippe nachspringen, es in der Luft einholen, ins Cockpit klettern und die Maschine vor dem Abgrund rechtzeitig hochziehen, oder wird beim britischen Geheimdienst etwa geschummelt? Tolan meint: "Dass sich 007 bei seinen atemberaubenden Stunts nie den Hals bricht, ist nicht Glück, sondern angewandte Physik."
Als famose Einstimmung auf das Buch wird dem interessierten Physik-Aficionado empfohlen, sich den Film "Goldfinger" (dem Klassiker der Bond-Filme ist ein eigenes Kapitel gewidmet) anzusehen. Überhaupt am besten vorbereitet sei man, wenn man sich vor jedem Kapitel die dazugehörige Szene auf DVD anschaue. Die Szenen sind aber durchaus verständlich im Buch beschrieben und man findet sich auch ohne derartige Vorbereitung hervorragend zurecht.
Nicht nur Technik, sondern auch Köpfchen
In den sieben Kapiteln des Buches werden verschiedene Themenbereiche der Physik abgedeckt. Kapitel eins beschäftigt sich mit Verfolgungsjagden auf Baustellen und in der Luft sowie damit, wie sich Autos überschlagen und ein solches auf zwei Rädern durch eine Engstelle manövriert wird. Auch die oben gestellte Frage, ob 007 ein Flugzeug in der Luft einholen kann und so weiter und sofort wird beantwortet. Für Bond ist natürlich vieles möglich und so wird ihm auch dieser Stunt zugetraut. Voraussetzungen sind eine ausreichend hohe Klippe von ca 2.700 Metern, ein von Q entwickelter Spezialanzug, der mit Miniairbags den 85 km/h schnellen Zusammenprall mit dem Flieger dämpft - und dass James komplizierte Differenzialgleichungen, für die die Autoren einen Computer benötigten, locker im Kopf lösen kann.
Dass im Filmbusiness sowieso geschummelt wird, wird aber nicht verschwiegen. Die einzelnen Abschnitte im Buch sind immer so aufgebaut, dass zuerst die Szene aus dem Film beschrieben wird, dann eine möglichst einfache physikalische Erklärung aller Teilkomponenten des Stunts folgt und am Ende ein Teil für Besserwisser mit Formeln und allem drum und dran noch offene Details klärt. Bei schnellerer Lektüre kann diese Art der Gestaltung etwas ermüdend sein.
Weltraum und Wodka
Weitere Kapitel des Buches beschäftigen sich mit Bond und dem Weltraum, Laser, Röntgenstrahlen und optischen Tricks. In diesem Teil zeigt sich, dass in den Bond-Produktionen nicht nur pysikalische Gesetze zur Anwendung kommen. Ikarus zum Beispiel, ein gigantischer Spiegel im Erdorbit, den Bösewicht Gustav Graves in "Stirb an einem anderen Tag" benutzt, ist dann doch mehr Wahnsinn als Waffe.
Zwei Specials widmen sich den Uhren von 007 und wie schon erwähnt dem beliebtesten Abenteuer "Goldfinger". Zum Schluss wird dann die Frage aller Fragen beantwortet: Warum trinkt der Agent Ihrer Majestät seinen Wodka-Martini geschüttelt und nicht gerührt? Das müssen Sie aber schon selbst herausfinden. (lesa)
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