USA: Business as usual: volatil und schwach

14. November 2008, 15:16
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Ein Kommentar von Hans Engel aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Auch in dieser Woche verhielten sich die US-Aktienmärkte wie gewohnt: sehr volatil, ohne Anzeichen einer inneren Stärke und wieder schwächer als eine Periode davor. Also: Business as usual.

Wenn man die ökonomischen Rahmenbedingungen der US-Wirtschaft analysiert, so hat sich in den letzten Tagen nichts Überraschendes getan. Wie erwartetet bestätigen die Konjunkturdaten den nach wie vor abwärts gerichteten Wachstumstrend. Sehr negativ ist weiterhin die Situation am US-Arbeitsmarkt, wo der Anstieg der Arbeitslosenzahlen stetig voranschreitet. Eine Änderung diesbezüglich ist derzeit noch nicht in Aussicht. Um tatsächlich seriös eine Stabilisierung prognostizieren zu können, müsste der jährliche Produktivitätszuwachs in den USA etwa 4% erreichen, was derzeit nicht der Fall ist. Erst in einer solchen Situation sind Unternehmen tendenziell wieder bereit, mehr Personal aufzunehmen. Berücksichtigt man zusätzlich die ohnedies niedrige Kapazitätsauslastung in den USA (knapp über 76%), was zudem deutlich unter dem europäischen Niveau liegt, dann ist klar, dass der schmerzhafte Anpassungsprozess am Arbeitsmarkt  voraussichtlich noch eine Weile dauern wird.

In vielen Medien wird immer wieder versucht, die Kursbewegungen von Aktien oder Indizes mit der Veröffentlichung von Wirtschafts- oder Unternehmensdaten in Zusammenhang zu bringen. Meist sind das rein zufällige Korrelationen, die wenig zum Verständnis der Märkte beitragen.

Arbeitsmarktdaten sind beispielsweise Indikatoren, die bekanntlich der Börsenentwicklung nachhinken ("lagging indicators"). Ein Vergleich der Arbeitslosenrate mit jener vor einem Jahr liefert
allerdings einen sehr nützlichen Anhaltspunkt über die wahrscheinlich bevorstehende Richtung des Aktienmarktes. Oder anderes ausgedrückt: Ist die Arbeitslosenrate im Jahresvergleich höher als ein Jahr zuvor, dann ist das definitiv kein positives Umfeld für Aktien.

Intel mit schwachem Ausblick für 2009

Auch in den letzten Tagen haben wieder einige wichtige Unternehmen ihrer Quartalsdaten bekanntgegeben. Exemplarisch für die aktuelle Lage sollen hier folgende Beobachtungen erwähnt werden: Intel, der weltweit größte Halbleiterhersteller gab bekannt, dass sich die  Umsatzentwicklung in allen Regionen und Marktsegmenten stark abschwächt. Das Unternehmen hat die Prognose für die Erlöse und Margen für 2009 deutlich gesenkt. Der sich immer noch in der Verlustzone befindende Mitbewerber AMD gab zuletzt bekannt, dass es noch "zu früh" sei, die Umsatz-Forecasts zu revidieren und bestätigte seine Absicht, im Jahr 2009 wieder positive Cash-Flows zu erzielen. Der aufmerksame Beobachter erkennt also, dass die Umsatzziele voraussichtlich eben etwas später nach unten revidiert werden und dass die damit verbundene Trendwende beim Unternehmen im Jahr 2009 nur mit sehr viel Glück möglich sein wird.

Auch National Semiconductor, ein wichtiger Technologielieferant für die Konsumgüterindustrie senkte am Mittwoch seine Umsatzprognose für das laufende Quartal um etwa 8%. All diese Neuigkeiten aus dem Technologiesektor lassen auf ein sehr schlechtes bevorstehendes Weihnachtsgeschäft schließen, zumal dieses Quartal im Technologiebereich normalerweise überdurchschnittlich stark ist.

Best Buy Co., ein an sich erfolgreiches Unternehmen im Einzelhandel von Elektronikprodukten leidet ebenfalls an der Zurückhaltung der Konsumenten und prognostizierte für die kommenden Monate einen Umsatzeinbruch um 15% in bereits bestehenden Geschäften. Auf der Verliererseite ist der Mitbewerber Circuit City Stores, der zum Wochenbeginn mit der Einleitung des Chapter 11-Verfahrens seinen Bankrott erklärte.

Insgesamt ist die Lage in den USA derzeit also wenig erfreulich. Wir suchen aufmerksam die Zeichen der Besserung und hoffen, unseren Lesern in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wieder erfreulichere Entwicklungen mitteilen zu können.

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