"Schreiberisch war ich sicher eine Pionierin bei sexueller Aufklärung"

3. November 2008, 17:00
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    foto: christian mastalier

    Gerti Senger

Gerti Senger arbeitet 60 bis 70 Stunden pro Woche - "Freizeit-Zwang" kann die Psychologin nicht nachvollziehen - Ein Karriere-Telegramm

"Ich arbeite einfach zu gern, um von irgendetwas oberflächlich genervt zu sein", meint Gerti Senger im E-Mail-Karriere-Telegramm von derStandard.at. Im Schnitt kommt die Psychologin und Publizistin auf 60 bis 70 Stunden pro Woche. In zehn Jahren sieht sich die 66-Jährige noch in ihrer Praxis. Die "Pionierin in puncto sexueller Aufklärung" hat 18 Bücher geschrieben. Ihr jüngstes Werk heißt "Die Beziehungsmaschine - Heilen statt reparieren" und ist im Oktober erschienen.

derStandard.at: Wie sieht der typische Arbeitstag von Gerti Senger aus?

Senger: Mein Arbeitstag ist sehr strukturiert. Knapp vor sieben Uhr Aufstehen, sieben Uhr Frühstück, wenn mein Mann in Wien ist, gemeinsam mit ihm. Wir frühstücken ziemlich lange, fast eine Stunde, und besprechen den Tag - welche Termine haben wir, was kann oder muss wer für den Haushalt tun, und so weiter. Nach Obst, Kaffee und Duschen bereite ich mich auf Büro- und administrative Erledigungen vor.

Kurz vor neun kommt meine Sekretärin und wir arbeiten eine Stunde gemeinsam. Meistens habe ich dann noch am Vormittag ein, zwei Einzeltherapien. Mittags eine knappe Stunde für einen Salat, vielleicht gemeinsam mit meinem Mann. Bis zu den Nachmittags-Therapien schreibe ich. Die Psychotherapie-Sitzungen sind so um 19 Uhr beendet. Leider wird es immer sehr spät, weil der private Teil des Tages ja immer erst spät beginnt.

derStandard.at: Wie viele Stunden arbeiten Sie im Schnitt pro Woche?

Senger: Ich hab noch nie wirklich nachgerechnet, aber es sind sicher 60, 70 Stunden. Ich arbeite auch Samstag und Sonntag, je nachdem, was gerade aktuell ist - Seminar- oder Vortragsvorbereitungen, Schreibarbeit, in Ausnahmefällen nehme ich auch ein Paar, das aus den Bundesländern kommt.

derStandard.at: Wie entspannen Sie sich vom beruflichen Stress?

Senger: Wann immer es möglich ist, sitze ich mit meinem Mann bei einem Glaserl Wein zusammen, nachdem ich noch - leider spät - gekocht habe oder wir kochen gemeinsam. Wir reden viel und über alles, gehen mit Freude und regelmäßig ins Theater und bekochen gerne Freunde. Lesen ist für mich Entspannung, Leidenschaft und Befriedigung meiner unersättlichen Neugier.

derStandard.at: Welches Erfolgsgeheimnis haben Sie, um Berufliches und Privates zu vereinbaren?

Senger: Mein oder unser großes Glück ist, dass mein Mann mehr als nur höfliches Interesse für meinen Beruf als Psychologin und Therapeutin hat. Er ist vom Stammberuf her Krawattier, hat aber schon vor Jahren zusätzlich eine Ausbildung als Lebensberater gemacht. Dadurch gibt es bei uns keine scharfen Grenzen zwischen Beruf, Privat und Freizeit.
Wir achten beide darauf, dass wir trotz der vielen Arbeit, immer wieder bewusste Inseln für tiefe Gespräche schaffen. Davon abgesehen, kann ich den "Freizeit-Zwang", den manche Menschen haben, sowieso nicht nachvollziehen.

derStandard.at: Wer oder was nervt Sie in Ihrem Job am meisten?

Senger: Nachdem ich in meinen zwei Berufen - Psychotherapeutin und Kolumnistin - freiwillig und mit Begeisterung für alles selbst verantwortlich bin, nervt mich wirklich nichts. Ich arbeite einfach zu gern, um von irgendetwas oberflächlich genervt zu sein.

derStandard.at: Was war Ihr bis jetzt größter Karriereerfolg und was war der größte Karriereflop?

Senger: Der größte Karriereerfolg war - zumindest subjektiv - mein erstes Buch "Was heißt schon frigid?" Es war auf Anhieb ein Bestseller und wurde in acht Sprachen, sogar ins Hebräische übersetzt. Gleich bedeutend ist mir mein letztes Buch "Die Beziehungsmaschine - Heilen statt reparieren". Zwischen den beiden Büchern liegt meine persönliche und berufliche Entwicklung. Der größte Karriereflop war mein zweites Buch "Gute Männer sind so". Der Verlag wollte es, ich hab es zu schnell gemacht und es kam zum falschen Zeitpunkt, nämlich 1982.

derStandard.at: Wie definieren Sie Erfolg?

Senger: Anerkennung zu bekommen für etwas, was man versteht, bewältigten kann und Freude daran hat.

derStandard.at: Wie vielen Leuten haben Sie ungefähr schon bei ihren sexuellen Problem geholfen?

Senger: Das kann ich in Zahlen nicht sagen. Schreiberisch war ich ja sicher eine Pionierin in punkto sexueller Aufklärung und habe ordnerweise Briefe von Frauen und Männern, denen ich mit einem Gedanken oder einer Information sexuell weiter helfen konnte. In meiner mehr als zwanzigjährigen Praxis habe ich nie eine plus/minus-Rechnung gemacht. Vielleicht deshalb, weil sich das gerade bei einem so komplexen Thema wie es sexuelle Fragen und Probleme sind, gar nicht exakt machen lässt.

derStandard.at: Was möchten Sie an Ihrem Job nicht missen?

Senger: Die tiefe Begegnung mit Menschen und der Moment, in dem es mir gelingt, eine komplizierte Sachlage einfach zu formulieren.

derStandard.at: Braucht es ein spezielles Rezept, um als Frau in der Männerdomäne zu reüssieren?

Senger: Mach Dich nicht klein, weil Du eine Frau bist. Zeig, was Du kannst, aber vergiss nicht, dass Du auch eine Frau bist.

derStandard.at: Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Senger: Nein.

derStandard.at: Was wollten Sie als Kind werden?

Senger: Ich habe mit zehn Jahren einer der wenigen, damals existierenden Wochenzeitungen einen Vorschlag gemacht, wie eine Seite für Kinder mit Rat, Information und Unterhaltung aussehen könnte. Im Grunde bin ich diesen Impulsen treu geblieben.

derStandard.at: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Senger: In meiner Praxis.

derStandard.at: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie?

Senger: Ich habe viele Psychologie und Therapie-Fachzeitschriften abonniert. Ansonsten lese ich Zeitungen und Magazine je nach Appetit, Neugier und Laune sehr gemischt, was mich thematisch gerade anspringt.

derStandard.at: Welchen Stellenwert hat Weiterbildung für Sie?

Senger: Einen außergewöhnlich hohen. Weiterbildung zu ignorieren bedeutet Stagnation. In meinen Augen wäre das nicht nur eine persönliche Verarmung, sondern auch unverantwortlich gegenüber den Menschen, die mir ihr Vertrauen schenken. (om, derStandard.at, 3.11.2008)

Zur Person:

Dr. Gerti Senger wurde 1942 in Wien geboren. Sie studierte Psychologie und Pädagogik und spezialisierte sich auf die Themen Beziehungen und Sexualität. Senger eröffnete im Jahr 1992 ihre eigene Praxis. Ihre journalistische Tätigkeit begann sie 1964 beim "Kurier". Bei der "Kronen Zeitung" ist sie seit vielen Jahren als Kolumnistin tätig.

Seit den 80er Jahren tritt Senger regelmäßig im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf. U.a. in den Sendungen "Wir", "Willkommen Österreich" und "Lust auf Liebe". Senger, die mit dem Professortitel bedacht wurde, ist Autorin von 18 Büchern und veröffentlichte zahlreiche Artikel in internationalen Fachzeitschriften. Ihr jüngstes Werk heißt "Die Beziehungsmaschine" und ist im Oktober erschienen.

Senger arbeitet in ihrer Praxis im 19. Bezirk schwerpunktmäßig mit der Imago-Beziehungstherapie. Dabei handelt es sich um eine neue Form der Kurzzeittherapie, die ihren Ursprung in den USA hat.

Link

www.gerti-senger.at

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
schafmeister
00
18.8.2010, 15:12
Mystik

Wie wäre es mit Gelassenheit und Eigenbesinnung zwecks Enntspannung.

Carpe diem!
00
4.12.2008, 12:45
Die Peinlichkeit schlechthin sind die Ausagen dazu (von wem eigentlich) "berufener" poster, welche ach soooo viel Analytisches über das Aussehen, den Arbeitsstil, Freizeitgewohnheiten und überhaupt über die Seele des Menschen verbreiten.

Mein Ratschlag an jene: Probieren Sie doch einmal eine Selbstanalyse vor einem Spiegel!

sturmy
01
4.12.2008, 07:31
Holt sich vom Klienten was sie braucht...

Carpe diem!
00
4.12.2008, 12:39
Und das wäre?

sturmy
00
4.12.2008, 16:09
Kohle und verklärten Blick..

Carpe diem!
00
4.12.2008, 18:42
Und was holt sich der Klient (übrigens: im Falle einer Therapeutin der "Patient")

thenewyorkgiants
10
3.12.2008, 20:22
stilisiert durch den orf und die krone

eine blabla-ikone ersten ranges. meine therapeutin ist besser :-)

Ludovico Settembrini
11
3.12.2008, 13:28
selbstueberschaetzung

die wirklichen pioniere der sexuellen aufklaerung haben schon artikel veroeffentlicht, da haben sich frau sengers grosseltern kennengelernt....

Carpe diem!
00
4.12.2008, 12:39
Nein, nein, die wahren Pioniere lebten in Steinzeithöhlen ...

Grantscherben
12
5.11.2008, 10:13
Senger Gsangl

Was die Ernährungstante Walleschreck für ATV ist, ist die Sengertant für die Kronenzeitung.
Beide arbeitswütig und der Inhalt der Beiträge ist immer gleich und vor allem bemerkenswert gleich langweilig.
Nur die Personen bzw. Pseudonyme in Sengers 'Kolumne' wechseln nach dem cut und paste Verfahren.
Kronenzeitung eben.

Management Quatscher
10
5.11.2008, 18:26

Die Kummerkastentanten gab es auch schon vor 50 Jahren, heute wird das eben als Beraterin/Coach bezeichnet.

Unterhaltungswert aus meiner Sicht eher mäßig, aber es gibt Leute, die sowas mögen. Warum nicht.

Bißchen lächerlich ist halt nur, wie sich die Tanten aufblasen bzw. aufgeblasen werden und anscheinend wirklich glauben/glauben müssen, dass ihre Kolumnen/Sendungen wahnsinnig hochqualifziert sind.

17+4
00
4.11.2008, 17:00
60 bis 70 Stunden Arbeit pro Woche,

hat man da noch Zeit für die Praxis?

Adolf Ogi
28
4.11.2008, 15:33
überschminkt

Frauen die sich einen Lippenrand weit über den Lippen malen kann ich leider nicht ernst nehmen. Glauben die alle Menschen sind kurzsichtig?

Dieses Phänomen sollte einmal psychologisch analysiert werden. Warum macht man das?

Carpe diem!
03
4.12.2008, 12:41
Jedenfalls sind jene Phänomene, wenn Menschen über andere lediglich aufgrund des Aussehens ein Urteil bilden, sehr gut erforscht!

Le Comte
01
4.12.2008, 11:06
desmond morris

meint dazu, lippenschminken böte ersatzweise seit dem zeitpunkt, da der mensch aufrecht zu gehen begann, den direkten blick auf die sekundären weiblichen geschlechtsmerkmale.

bildschirmkrankheit
00
4.11.2008, 16:49
dabei braeuchten doch in wahrheit die meisten eine zahnspange

kosmetische betonung der lippen lenkt oft von der wahren problemzone ab

Minimonk
21
4.11.2008, 14:28
ich bin aber auch gut:

ich arbeite 90 bis 100 Stunden, schlafen tu ich am Klo und essen während der Arbeit. Habt Ihr mich jetzt auch lieb? Bidddebiddddebiddddde.

Management Quatscher
31
4.11.2008, 21:38
Ich esse und schlafe am Klo.

Das nennt man Synergie und wird von allen Consultern - zumindest von den Top-Consultern - empfohlen. Man kann auch eine 10seitige Power-Point Präsentation über so ein integriertes und ganzheitliches strategisches Klo-Management-Konzept machen. Hintergrundfarbe aber bitte blau. Wirkt beruhigend. Und mit lustigen Clip-Arts (hi, hi, hi)

Also, die empfehlen jetzt nicht direkt, dass man am Klo essen soll, weil das wäre irgendwie schon grauslich und würde in der Managementpräsentation für keinen Lacher sorgen (oder doch ?), aber sie meinen das damit.

Sie kennen den Ausdruck "Wohnklo". Ja ? Na dann verstehen wir uns eh - wir alten Wirtschaftsprofis.

bert halbert
34
4.11.2008, 12:17
Glaubt die Ansagen wirklich jemand?

Die Beiträge von Frau Senger sind wohl mehr Unterhaltung als Wissenschaft. Und wie es bei
der Psychologie eben so ist, die Seele ist ein weites Land: was dem einen frommt, ist dem anderen ein Greuel. und viele Psychologen studieren eben das, was sie selbst glauben, dringend zu brauchen.

Grantscherben
10
5.11.2008, 11:03

die Senger Gsangl Beiträge sind Lückenfüller.

Management Quatscher
10
4.11.2008, 21:42

Ich würde gerne "eine Stunde frühstücken" studieren.

Welche Uni bietet dieses Studienfach und ist der Abschluss auch international anerkannt ?

MBA, OHoB (one hour of breakfasting)

Kann man sich nach diesem hochqualifzierten Abschluss als Frühstückdirektor (ähm ich meine Frühstücksberater) selbstständig machen ?

1000 Kopfläuse können nicht irren
16
4.11.2008, 11:04
Ihre Artikeln finde ich ja immer wieder interessant.

Aber sonst präsentiert sie sich wie das Klischeebild von der Psychologin, die sich im eigenen Leben äußerst schwer tut. Sie betont, wie sie auch noch mit 65 eine 70-Stunden-Woche hat. Es ist auch nur sehr schwer zu übersehen, dass sie sich mit dem Älterwerden überhaupt nicht anfreunden kann. Bei ihr wurde, wohl unübersehbar, schönheitschirurgisch nachgeholfen und bei Fernsehauftritten wirkt sie so, als ob sie sich hinter einer Fassade versteckt.

Was auch wiederum interessant ist...

Das soll keine Kritik sein, ich wünsche Frau Doktor Senger auch weiterhin viel Glück auf ihrem Lebensweg!

Weiters denke ich, dass sich menschliche Probleme nicht nur in der Sexualität ergeben, sondern dass diese erst die Symptome offenlegen...

schafmeister
00
18.8.2010, 15:25

Ihr Gesicht i s t die Fassade.

1000 Kopfläuse können nicht irren
10
4.11.2008, 11:04
<ichpflanzeähsetzemichfort>

... Und genau das zeigt Frau Senger oft auf. Probleme in der Sexualität können auch den Weg zu Problemen weisen, die bisher noch nicht erkannt wurden (Macht-Dominanz-"Spiele", Probleme mit dem Selbstbild, nicht loslassen können, Abhängigkeiten, Co-Abhängigkeiten, etc.)!

dr mike
02
4.11.2008, 10:55

So lange Arbeitszeiten !!! Wo bleibt die Zeit zum v ..... ?

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