"Wir sind zu klein, um die Preise nachhaltig zu beeinflussen"

3. November 2008, 13:40
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Preisreduktionen für Haushaltskunden würden den Verbrauch steigern, was aus Effizienzgründen aber "nicht wünschenswert" sei, so E-Control-Chef Boltz im derStandard.at-Chat

Walter Boltz, Chef der E-Control, erwartet für die nächsten Monate sinkende Energiepreise, "auch wegen der Wirtschaftskrise". Mittel- bis langfristig sollte das Preisniveau etwa 10 bis 20 Prozent unter jenem Niveau liegen, welches nach den anstehenden Preiserhöhungen erreicht werden wird, sagte Boltz am Montag im derStandard.at-Chat.

Die Einkaufspreise für Gas seien seit Ende 2007 stark angestiegen, die deutlichen Ölpreisrückgänge werden allerdings ab Dezember/Jänner wieder zu stark sinkenden Gaseinkaufspreisen führen. "Daher sind Preiserhöhungen bei jenen Firmen, die im letzten Jahr die Preise nicht erhöht haben, auch gerechtfertigt. Genauso gerechtfertigt sind aber Preissenkungen, sobald die sinkenden Einkaufspreise mit Ende des Jahres wirksam werden", so Boltz, der gleichzeitig drauf hinwies, dass der Wettbewerb am Gasmarkt nicht sehr ausgeprägt sei. Eine Verbesserung werde erste eintreten, "wenn der österreichische Gasmarkt besser mit den Nachbarländern integriert ist".

"E-Control kann nichts direkt unternehmen"

Beim Strom werden "die Großhandelspreise in Österreich von den Preisen auf der deutschen Strombörse bestimmt. Wir sind zu klein, um die Preise auf der Börse in Leipzig nachhaltig zu beeinflussen", gab der oberste Energie-Regulator weiters zu Protokoll. Und: "Gegen die hohe Marktkonzentration am Energiemarkt kann die E-Control direkt nichts unternehmen, das wäre die Aufgabe der Wettbewerbsbehörde und der Politik".

Grundsätzlich befürworte die E-Control einen verstärkten Ausbau der Wasserkraft in Österreich, mehrfach habe seine Behörde auch schon darauf hingewiesen, dass man "noch ein mittleres Potential für zusätzliche Wasserkraft in Österreich" sehe. Um dieses Potential zu nutzen, müssten allerdings die Genehmigungsverfahren der Länder beschleunigt werden. (red)

ModeratorIn: Lieber Herr Boltz, danke, dass Sie für uns Zeit haben, liebe Userinnen, wir freuen uns auf eine interessante Stunde und bitten um Ihre Fragen.

Walter Boltz: Einen schönen guten Tag und ich freue mich schon auf viele interessante Fragen.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is: Wie werden sich die Energiepreise mittel- und langfristig entwickeln und warum?

Walter Boltz: Kurzfristig, d.h., in den nächsten 3-4 Monaten sollten die Energiepreise sinken, auch wegen der Wirtschaftskrise. Mittel- langfristig erwarte ich ein Preisniveau das 10-20% unter dem liegt was wir nach den Preiserhöhungen von November, Dezember haben werden.

UserInnenfrage per Mail: Was tun Sie als Energieregulator, um gegen die Quasi-Monopole in Österreich anzukämpfen? Und was können die Konsumenten tun, um ihre Energiekosten in dem "versteinerten" Markt zu reduzieren?

Walter Boltz: Wir bemühen uns die Kunden möglichst umfassend über die Preise und die Wechselmöglichkeiten zu informieren. Auch darüber, dass Kunden bei Preiserhöhungen widersprechen können um sich einen neuen Lieferanten suchen zu können. Gegen die hohe Marktkonzentration am Energiemarkt kann die E-Control direkt nichts unternehmen, das wäre die Aufgabe der Wettbewerbsbehörde und der Politik (Eigentümer der meisten Energieversorger).

GRohnePunkte: Die Gaspreise am Spotmarkt sind seit Juli um mehr als die Hälfte gefallen. In Deutschland werden zum 1.11. die Endverbraucher Gaspreise von den meisten Anbietern um mehr als 10% gesenkt. Nur in Österreich steigen diese ab 1.11. um mehr als 25%. Das

Walter Boltz: Die Einkaufspreise für Gas sind im Zeitraum Ende 2007 bis Ende 2008 tatsächlich um ca. 45% angestiegen. Die deutlichen Senkungen des Ölpreises werden allerdings ab Dezember/Jänner wieder zu stark sinkenden Gaseinkaufspreisen führen. Daher sind Preiserhöhungen bei jenen Firmen die im letzten Jahr die Preise nicht erhöht haben auch gerechtfertigt. Genauso gerechtfertigt sind aber Preissenkungen sobald die sinkenden Einkaufspreise mit Ende des Jahres wirksam werden. Ich habe daher auch mehrfach von den Gaslieferanten gefordert, dass sie die Endkundenpreise auch rasch wieder senken müssen. Zwingen kann die Regulierungsbehörde die Gaslieferanten dazu aber nicht.

Blues Brother: Derzeit bekommen ja Elektroautos verstärkt Aufmerksamkeit. Frage: Wie würde sich eine erhöhte Nachfrage nach Elektrizität auf Preis und Treibhausgasemissionen auswirken, wenn alle Autos mit Strom fahren würden? Wäre das ökologisch sinnvoll (Strompro

Walter Boltz: Solange wir in Europa und in Österreich den Strom zu ca. 1/3 auch aus fossilen Energieträgern erzeugen, würde auch ein verstärkter Einsatz von Elektroautos nicht zu einer deutlichen Senkung der Treibhausgasemissionen führen. Erst wenn wir einen viel größeren Anteil der europäischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie erreicht haben, ist ein großflächiger Einsatz von Elektrofahrzeugen sinnvoll.

Joe T: Sie schreiben über Ihre Bemühungen, Kunden über Preise und Wechselmöglichkeiten zu informieren. Wie realistisch sehen Sie in Folge dessen eine Verstärkung des Wettbewerbs unter den Energieversorgern, sowie eine dadurch bewirkte Senkung der Preise fü

Walter Boltz: Leider ist der Wettbewerb am Gasmarkt nicht sehr ausgeprägt und eine Verbesserung wird hier erst eintreten, wenn der österreichische Gasmarkt besser mit den Nachbarländern integriert ist. Die Mehrzahl der österreichischen Gasversorger sind im öffentlichen Eigentum und kaufen ihr Gas auch bei den gleichen Lieferanten. Nur wenn wir durch neue Pipelines und zusätzliche Importregionen alternative Versorgungsquellen anzapfen, rechnen wir mit mehr Wettbewerb.

Blues Brother: Lieber Herr Boltz. Seit dem Jahr 2005 bekommen Stromerzeuger CO2 Zertifikate gratis zugeteilt (EU Emissionshandelsystem). Viele Studien haben gezeigt, dass in vielen EU Staaten die Stromanbieter daraufhin die Strompreise um die Opportunitätskosten d

Walter Boltz: Die Großhandelspreise in Österreich werden von den Preisen auf der deutschen Strombörse bestimmt. Wir sind zu klein um die Preise auf der Börse in Leipzig nachhaltig zu beeinflussen. Daher ist auch in den für Österreich gültigen Großhandelspreisen der CO2-Preis enthalten. Deshalb wird im neuen EU-Richtlinienpaket zur erneuerbaren Energie auch vorgeschlagen, dass die Energieunternehmen alle CO2-Zertifikate die sie benötigen auch kaufen müssen. Da die Preise für CO2 im Strompreis enthalten sind würde dies voraussichtlich zu keiner Mehrbelastung für Konsumenten führen.

dieBestatter: Wird es nicht an der Zeit mal die tausenden alten Stromableser (die ungenau sind nach 20/30/40 Jahren Betrieb) auszuwechseln und kann das wer den Energieunternehmen mittreilen?

Walter Boltz: Die E-Control hat in einer Analyse über die Möglichkeit zur Verbesserung der Energieeffizienz vorgeschlagen, dass in Österreich innerhalb von 5-7 Jahren alle alten Stromzähler durch moderne und fernauslesbare Zähler ersetzt werden. Dadurch könnte der Netzbetreiber den Kunden kurzfristig und monatlich Informationen über ihren tatsächlichen Energieverbrauch übermitteln. Dazu bedarf es aber einer gesetzlichen Grundlage. Einige Netzbetreiber haben aber heute schon Pilotprojekte wo in einzelnen Regionen flächendeckend neue Zähler installiert werden.

Benjamin Zauner: Ist es nicht gewissermaßen im Sinne der Politiker (als Vertreter oder Repräsentanten der Eigentümer), dass die Preise hoch sind?

Walter Boltz: Wenn man die Gewinnentwicklung der Energieunternehmer der letzten 2-3 Jahre analysiert, sieht man, dass die Umsatzrentabilität von früher etwa 6% im Jahr 2007 auf über 12% angestiegen ist. Auch ich gehe davon aus, dass das den Eigentümern nicht gerade unangenehm ist. Je mehr die Kunden - die ja auch Wähler sind - darauf hinweisen und dies kritisieren, desto mehr wird die Politik als Eigentümer auch an die Interessen der Strom- und Gaskonsumenten denken.

UserInnenfrage per Mail: Werter Herr DI Boltz! Ich lege besonderen Wert auf sauberen Strombezug. Daher meine Frage: Warum steht bei den Preisempfehlungen immer nur der Wechsel zum billigsten Anbieter im Vordergrund? Ich habe vor 4 Jahren gewechselt und spare auch gegenüber

Walter Boltz: Im Tarifkalkulator der E-Control kann jeder Kunde beim Suchen nach einem alternativen Lieferanten auch seine Präferenz für einen bestimmten Strommix (z.B. 100% Wasserkraft) eingeben und damit selbst bestimmen welche Angebote für ihn von Interesse sind.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is: In Österreich werden derzeit unzählige neue Gaskraftwerke geplant und errichtet. Ist dies noch zeitgemäß?

Walter Boltz: Der Stromverbrauch in Österreich steigt jedes Jahr um 1,5-2%. Solange wir diese Stromverbrauchswachstum nicht gebremst haben, müssen wir auch für die notwendige Stromerzeugung Sorge tragen. Die Potentiale an erneuerbarer Energie sind nur mehr begrenzt (Wind und Wasser) vorhanden. Gaskraftwerke haben im Vergleich zu anderen fossilen Kraftwerken den geringsten CO2-Ausstoß und auch sehr geringe sonstige Schadstoffemissionen. Wenn man daher moderne Gaskraftwerke mit gleichzeitiger Nutzung der Wärme baut, dann ist dies durchaus vertretbar.

slow motion: Würden Sie auch den Bau neuer Wasserkraftwerke in Österreich befürworten (Ihr Zitat "viel größeren Anteil der europäischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energie") ?

Walter Boltz: Die E-Control hat mehrfach darauf hingewiesen, dass wir noch ein mittleres Potential für zusätzliche Wasserkraft in Österreich sehen. Um diese Potential zu nutzen müssten allerdings die Genehmigungsverfahren der Länder beschleunigt werden. Grundsätzlich befürwortet die E-Control aber einen verstärkten Ausbau der Wasserkraft in Österreich.

benny20: die idee der kostenlosen generalnetzkarte hat mir gut gefallen. mehr als eine kurze debatte hat es aber nicht gebracht. doch unrealistisch? für mich viel wirksamer als die österreich-karte...

Walter Boltz: Das Grünbuch zur Energieeffizienz welches die E-Control vor kurzem veröffentlicht hat (www.e-control.at) enthält auch detaillierte Vorschläge zur freien Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Diese Vorschläge müssen auch nicht sehr teuer sein. Z.B. haben alle österreichischen Nahverkehrsmittel zusammen (Straßenbahn, Bus- S-Bahn) gemeinsam nur Erlöse aus dem Kartenverkauf in der Höhe von ca. 1,5 Mrd. Euro.

Art_Vandelay: Wäre es zwecks Wettbewerbsbelebung sinnvoll Mindestbindefristen bei Gas und Stromanbieter zu verbieten oder zumindest einzuschränken?

Walter Boltz: Die meisten Exmonopolisten haben auch heute nur mehr sehr kurze Bindefristen. Generell sind Bindefristen über 1 Jahr nach Konsumentenschutzrecht nicht möglich. Auch viele neue Lieferanten haben nur kurze Bindefristen von wenigen Monaten.

Lukas Kerschbaum: Am 5.Nov jährt sich die Volksabstimmung über Zwentendorf zum 30sten Mal. In Anbetracht des weltweit wieder zunehmenden Interesses für Atomkraft, sehen Sie für Österreich eine Zukunft in billiger Kernenergie?

Walter Boltz: Österreich hat sich vor 30 Jahren gegen die Kernenergie entschieden. Ich sehe keine Entwicklung die diese Entscheidung ändern würde. Durch die Wasserkraft an der Donau hat Österreich eine kostengünstige und umweltschonende Stromerzeugungsmöglichkeit. Daher kann Österreich ohne Kernkraft auskommen.

roroe: Kritik am Tarifkalkulater: es wird bei den Preisvergleichen immer angenommen, dass die jeweiligen veröffentlichenten Tarife für ein ganzes Jahr gelten. Tatsächlich kann es aber sein, dass der momentan günstigste Anbieter seine Preise in Kürze erhöhe

Walter Boltz: Wir können natürlich nur über Tarife informieren die uns bekannt sind. Der Tarifkalkulator gibt die zum Zeitpunkt der Abfrage gültigen Tarife wieder. Über Preisänderungen wird er Kunde auf jeden Fall von seinem Lieferanten informiert. Als zusätzliches Service bietet E-Control im Kalkulator den so genannten Watch-Dog an, der den Kunden automatisch über allfälligen Änderungen der für ihn relevanten Änderungen der Tarife informiert. Nach einer solchen Änderung kann sich der Kunde dann über den Kalkulator über die aktuelle Situation informieren.

klauing: eine Frage zur Gaswirtschaft...wenn Sie die in ö üblichen Gasfloater betrachten, so erreichen WienEnergie und EVN mit Q1 2009 etwa jenen Preislevel wie vor etwa einem Jahr - wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die angekündigeten Haushaltspreiser

Walter Boltz: Die tatsächlichen Einkaufskosten der Unternehmen sind uns nicht bekannt, aber klar ist, dass im ersten Quartal 2009 die Preise für Gas etwa das Niveau von 2007 erreichen werden. Inwieweit ein Lieferant zwischen den einzelnen Kundengruppen Erlöse transferiert, können wir nicht beurteilen, aber generell wird bei Großkunden der Preis kurzfristiger mittels Preisanpassungsklauseln quartalsweise angepasst. Bei Haushaltskunden haben die einzelnen Lieferanten unterschiedliche Vorgehensweisen zur Preisanpassung gewählt. Sicher ist aber, dass ab Anfang 2009 eine zumindest teilweise Zurücknahme der Preiserhöhungen für Haushaltskunden angemessen wäre.

Finanzkrisengewinner: An was liegt es, dass die Wettbewerbsbehörde derzeit nichts unternimmt, wenn quasi alle Energieversorger nahezu gleichzeitig die Preise erhöht?

Walter Boltz: Nachdem die meisten Gasfirmen zu fast identischen Preisen einkaufen, sind Preiserhöhungen in gleichen Zeitraum nicht verwunderlich. Dazu kommt, dass vor der Wahl Preiserhöhungen von den politischen Eigentümervertretern als nicht wünschenswert angesehen wurden. Zu der Frage ob und wann die Wettbewerbsbehörde tätig wird kann ich keine Angaben machen.

Alexander Berger: ist Ihrer Meinung "peak oil" bereits realität? Haben wir die maximale Förderkapazität erreicht?

Walter Boltz: Die Fördermengen von Erdöl sind weiter am steigen und es dürfte nach Aussagen vieler Experten noch Potential für eine weitere Steigerung der Erdölfördermengen geben. Bei einem durchschnittlichen Preisniveau von 2007 würde nach Hochrechnungen in etwa 10-20 Jahren die maximale Fördermenge erreicht sein. Dieser Wert könnte aber für viele Jahre auf gleicher Höhe gehalten werden. Falls die Erdölpreise aber wieder deutlich ansteigen, dann sind große zusätzliche Lagerstätten wirtschaftlich, so dass die Fördermengen auch höher liegen könnten. In Summe dürfte die Welt noch einen längeren Zeitraum Erdöl verfügbar haben und nur die Preise würden bestimmen wann die Vorräte zurückgehen.

1984 ging es los: Wieso sind Sie skeptisch beim Einsatz von erneuerbaren Rohstoffen für die Stromversorgung?

Walter Boltz: Europa hat noch große Potentiale für erneuerbare Energie, allerdings sind viele dieser Potentiale in Form von Off-Shore-Wind und damit nicht nur technisch anspruchvoll zu erschließen sondern auch räumlich weit weg von den Verbrauchszentren. Wasserkraftpotential gibt es primär in den bergigen Regionen, die nur einen kleinen Teil Europas umfassen. Das Potential an Biomasse und Biogas ist aufgrund der begrenzten zusätzlichen Anbauflächen und der Konkurrenz zwischen dem Anbau von Energiepflanzen und der Nahrungsmittelproduktion ebenfalls begrenzt. Photovoltaik hat zwar langfristig großes Potential ist allerdings auf absehbare Zeit so teuer, dass ein großflächiger Einsatz finanziell nicht möglich ist. Wenn man all das berücksichtigt, sieht man, dass erneuerbare Energieträger nur dann einen steigenden Anteil am Gesamtenergieverbrauch haben werden, wenn es uns gelingt, den Verbrauchszuwachs zu stoppen. D.h. in Summe erneuerbare Energieträger haben noch viel Potential, aber bei weite nicht genug, um unseren ungestillten Energiehunger zu befriedigen.

Karl Abend: Kann man als Privat- als auch Firmenkunde der Gaspreiserhöhung ab 01.Nov. widersprechen, diese ablehnen? Was sind die Folgen?

Walter Boltz: Man kann widersprechen, dann wird man für 3 Monate zum alten Preis weiterbeliefert, allerdings muss man rasch einen neuen Lieferanten suchen, damit sich innerhalb dieser 3 Monate ein Wechsel des Lieferanten ausgeht. Wenn man sich rasch entscheidet, dann kann es auch zu keine Versorgungsunterbrechungen kommen. Falls Sie noch Fragen haben steht Ihnen die E-Control auch unter der Hotline-Nummer 0810 10 25 54 zur Verfügung.

Duck_Dagobert: weiere entwicklung ökostromtarif - setzt sich tendenz nach unten fort oder ist eine kopplung an energiepreisindez vorgesehen (wie in osteuropa mit erfolg praktiziert)

Walter Boltz: Die Einspeisetarife für neue Ökostromanlagen werden jährlich vom Wirtschaftsminister festgesetzt. Das Gesetz verlangt eine zumindestens geringe Preisdegression. Allerdings sollte durch die technische Entwicklung auch die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern wirtschaftlicher werden. Eine Änderung der Ökostromeinspeisetarife würde eine Gesetzesänderung erfordern.

nikita: Warum können die Energiekosten für die privaten Haushalte nicht nach Einkommen gestaffelt werden, ähnlich der Lohnsteuer. Nachdem Energie auch unterschiedlich teuer ist, könnte man ja billigere Energie sozusagen einkommensschwachen Haushalten zuschr

Walter Boltz: Energiepreise sollten dem tatsächlichen durchschnittlichen Kosten entsprechen. Eine Reduktion der Energiepreise für z.B. Haushaltskunden würde Anreize für mehr Verbrauch bringen, die aus Energieeffizienzgründen nicht wünschenswert sind. Wenn einzelne Gruppen von sozial schwachen Haushaltskunden Probleme haben die Energiekosten zu zahlen, dann sollte man diese Gruppe gezielt individuell unterstützen.

1984 ging es los: Wird der Strompreis über 60 Euro je Megawattstunde (MWh) steigen?

Walter Boltz: Die Großhandelspreise für Stromgrundlast (gleichmäßige Lieferung über 24 Stunden) sind seit 2002 von damals 20 Euro auf etwa 90 Euro pro MWH im August 2009 angestiegen. In den letzten Wochen sind die Preise für Lieferungen für 2009 kontinuierlich gefallen und liegen derzeit bei ca. 70-75 Euro pro MWH. Die Strompreise für Haushaltsendkunden betragen zur Zeit 60-80 Euro pro MWH bzw. 6-8 Cent pro Kilowattstunde.

Kahless: Wo sehen Sie die Energie-Politik Österreichs in 25 Jahren ?

Walter Boltz: Die europäische und damit auch die österreichische Energiepolitik wird in den nächsten 25 Jahren viele Herausforderungen zu meistern haben. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch in 25 Jahren eine stabile, sichere Versorgung mit Energie in Österreich haben werden.

ModeratorIn: Lieber Herr Boltz, danke fürs Kommen, liebe Userinnen, danke für die zahlreichen Fragen, die wir leider wieder einmal nicht alle beantworten konnten. Allen noch einen schönen Tag.

Walter Boltz: Vielen Dank für die Interessanten Fragen und selbstverständlich steht Ihnen die E-Control auch für direkte Anfragen zur Verfügung.

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