Der lange Schlurf wird zur "Kulturpassage"

2. November 2008, 18:31
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Die Karlsplatz-Passage soll bis 2011 neu gestaltet werden: Der lange Tunnel soll von Geschäften befreit und in einen Kunst- und Kulturgang umgestaltet werden

Den Wettbewerb gewann das Wiener Büro gerner gerner plus.

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Wien - "Die neue Passage soll leichter, freundlicher und offener werden" , das sagte Vizebürgermeisterin Renate Brauner am Freitag bei der Präsentation der Pläne für die Neugestaltung der Passage zwischen Karlsplatz und Oper. Mit über 200.000 Passanten sei die Station Karlsplatz die größte Nahverkehrsdrehscheibe Wiens. Es sei an der Zeit, diesem Umstand mit einer modernen und attraktiven Gestaltung zu begegnen.

Die auffälligste Maßnahme ist die Entrümpelung der vielen kleinen Shops entlang des langen Schlurfs. Die Zeit der Kioske und Diskont-Boutiquen ist damit endgültig vorbei. "An den beiden Enden der Passage bleiben alle Shops erhalten" , so Brauner. Lediglich der Mittelgang werde kommerziell entkernt. Die frei werdenden Flächen sollen in Zukunft für kulturelle und künstlerische Zwecke genutzt werden.

"Das genaue Programm steht noch nicht fest und wird erst in einigen Monaten präsentiert" , erklärte Rudolf Schicker, Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr. Fix sei lediglich: Die fast 70 Meter lange Glasvitrine wird für eigens kuratierte Wechselausstellungen zur Verfügung stehen.
Aus einem europaweit ausgeschriebenen Architekturwettbewerb ging das Wiener Büro gerner°gerner plus als Sieger hervor. "Die neue Passage ist ein Bekenntnis der Stadt zu ihrer Rolle als Kultur- und Musikhauptstadt" , sagte Architekt Andreas Gerner. Andere Schwerpunkte in der Gestaltung sind die Behebung der unzähligen Stiegen und Niveauunterschiede, der Einbau gläserner Lifte, die in Zukunft von den Bahnsteigen direkt an die Oberfläche führen werden, sowie die Schaffung eines so genannten Lichtbrunnens. In der Mitte der Passage wird ein Teil der Decke durchbrochen, um mehr Tageslicht zu erhalten.

"Mit dem Projekt wollen wir die vielen Angsträume beseitigen und wieder klare Verhältnisse schaffen" , so Gerner. In diesem Zuge widmete man sich auch dem ehemaligen Café Rondeau unter dem Opernring. Nachdem die derzeit eingemietete Bäckerei die Baulichkeit völlig verändert hat, soll das Lokal wieder die Durchlässigkeit und Leichtigkeit der Fünfziger Jahre zurück erhalten.

Baubeginn für das 21 Millionen Euro-Projekt soll 2010 sein. Mitte 2011 soll die "Kulturpassage Karlsplatz" zu neuem Leben erweckt werden. Für die Dauer der Baustelle werden die Passagiere und Passanten teilweise umgeleitet. (Wojciech Czaja, DER STANDARD - Printausgabe, 3. November 2008)

  • Heller, freundlicher und offener soll die Karlsplatzpassage werden.
    foto: arge kulturpassage karlsplatz

    Heller, freundlicher und offener soll die Karlsplatzpassage werden.

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