Wer für die Bildung zahlt

31. Oktober 2008, 12:29
posten

Die Kosten für lebensbegleitendes Lernen sind ungleich verteilt - Unternehmer und Privatpersonen tragen die höchste Belastung, die öffentliche Hand zieht sich weitgehend zurück

"Wer finanziert lebensbegleitendes Lernen?", fragten Bildungsexperten im Bildungszentrum der Wiener Arbeiterkammer. Es handelte sich bei der Veranstaltung um die zweite der AK-Tagungsreihe "Chance Weiterbildung".

Wissen ist Kapital

Lebenslanges Lernen sei "in aller Munde", stellte Johanna Ettl, stellvertretende AK-Direktorin, anfangs fest. Für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Österreich, besonders vor dem Hintergrund der Finanzkrise, sei es unumgänglich, das "Know-how der Bürger" auf ein ausreichend hohes Level zu bringen. Wie so viele Lebensbereiche werde auch Weiterbildung immer teurer, so Ettl, die eine Preissteigerung um 25 Prozent seit dem Jahr 2000 ausmachte.

Die Frage, wie die Weiterbildungskosten verteilt sind, erläuterte Lorenz Lassnig, Leiter der Forschungsgruppe equi (Employment, Qualification, Innovation) der Abteilung Soziologie des Instituts für Höhere Studien.

Zwar werde das Thema auf politischer Ebene als wichtig erachtet, so Lassnig, doch sei "seit längerem" keine Weiterentwicklung zu beobachten. Die Wirklichkeit zeige, dass die Ausgaben, wenn schon nicht rückgängig, dann zumindest stagnierend seien: "Die große Rhetorik hat keine Entsprechung in der Realität."

Fehlende Zahlen

Eine "wirkliche Statistik" gebe es nicht, um die Finanzierung darzustellen. So habe Lassnig eine "Sammlung verschiedener Quellen" ausgewertet, deren Aktualität aber auf den Stand des Jahres 2006 beschränkt ist.

Die Stützen des Systems

Drei Stützen des Systems machte er aus: Unternehmen, Private und die öffentliche Hand. Wer erwarte, dass sich die Bildungsausgaben gleich aufteilen, werde enttäuscht. Vielmehr wurde ein Schlüssel "drei zu zwei zu eins" ausgemacht.

Weitere 40 Prozent seien Maßnahmen des AMS und des Europäischen Sozialfonds, bei denen, u. a. weil Arbeitslosenbeiträge von Dienstgebern und -nehmern gezahlt werden, die Zuteilung unklar sei. Bei gleichmäßiger Aufteilung trugen Erstere 2006 rund 1,18 Mrd. Euro (49 Prozent), Letztere 917 Millionen Euro (38 Prozent) bei. Die öffentlichen Ausgaben lagen bei 293 Millionen Euro (12 Prozent).

Zage Kaculevski, Referentin im deutschen Bildungsministerium, berichtete bei der AK-Tagung über die kommende Einführung finanzieller Bildungsanreize.

"Prämiengutscheine" garantieren einen Weiterbildungszuschuss von 50 Prozent (bis zu 154 Euro) zu Teilnahmeentgelten. Zudem sollen staatlich geförderte Sparmodelle - ohne Verfall der Zulage - für Bildungszwecke herangezogen werden. Als dritte Komponente wird 2009 ein Weiterbildungsdarlehen eingeführt. Die "Plattform für Berufsbezogene Erwachsenenbildung" forderte vergangene Woche ähnliche Maßnahmen für Österreich. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1./2.1.11.2008)

  • Lorenz Lassnig: Politischer Wille zum lebenslangen Lernen ohne "Entsprechung in der Realität".
    foto: privat

    Lorenz Lassnig: Politischer Wille zum lebenslangen Lernen ohne "Entsprechung in der Realität".

Share if you care.