Vor, zurück und einmal um die Welt

30. Oktober 2008, 21:23
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Rehabilitation eines großen europäischen Autors: die "Doppelmemoiren" von Jean Giraudoux nun erstmals in deutscher Übersetzung

Jean Giraudoux (1882-1944) gehört wie Jean Anouilh oder Sacha Guitry zu jener Generation heute kaum noch bekannter französischer Autoren, denen die auf sie folgenden Autoren und Kritiker - sehr zu Unrecht - das ankreideten, was zu Lebzeiten Giraudoux' oder Anouilhs an ihren Büchern und Schauspielen so gelobt und geliebt wurde: die Leichtigkeit, das Verspielte, das noch aus Hochdramatischem zum Komödiantischen fand, die klare Ironie, die Urbanität und die kluge Bürgerlichkeit von Sprache und Form.

Vor allem mit seinen Stücken der 1930er-Jahre war der 1910 in den diplomatischen Dienst eingetretene Giraudoux sehr erfolgreich. Bis zu einem von Gerüchten umgebenen Tod, lange wurde ein Giftanschlag der Nazis vermutet, arbeitete Giraudoux an einem Manuskript, das er nicht abschloss. 30 Jahre später gab sein Sohn diese Aufzeichnungen als Buch heraus, die nun erstmals ins Deutsche übertragen wurden.

Was aber sind Doppelmemoiren? Die Erklärung ergibt sich aus der Lektüre. Es ist eine Parallelbewegung der Zeit in Schnappschüssen, kurzen Berichten und Erinnerungen - des Kindes und des reifen Mannes. Der Text setzt ein mit dem Jahr 1888, darauf folgt der Jänner 1924, dann der Oktober 1890, darauf 1925 und so weiter. Scharf gefasst, stets humoristisch grundiert, sind es visuelle, sprachlich schlackenlose Grisaillen über sich und die Welt, die auch satirisch sein können. Eine schöne, lesenswerte Rehabilitation eines großen europäischen Autors. (Alexander Kluy / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10./1.11./2.11.2008)

 

Jean Giraudoux, "Doppelmemoiren". Aus dem Französischen von Joachim Kalka. € 19,50 / 120 Seiten. Berenberg Verlag, Berlin 2008

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    foto: berenberg

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