Die Frau von Gegenüber

30. Oktober 2008, 21:15
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Kinky Friedmans Krimi "Der Gefangene von Vandam Street" besticht mit irrwitzigen, schnellen Dialogen

Kinky ist in einer misslichen Lage: Zusätzlich zu seiner üblichen Durchgeknalltheit hat er auch noch einen bösen Malariaanfall. Die Wirklichkeit verzerrt sich aufs Abenteuerlichste, Kinky deliriert, philosophiert und spricht mit seiner ignoranten Katze. Seine Kumpels versammeln sich in der Vandam Street, Manhattan, um in Kinkys Loft auf ihn aufzupassen. Leider handelt es sich dabei um liebenswürdige Nichtsnutze, die entweder bekifft oder schwer besoffen sind und sich mithin nicht wirklich gut als Krankenpfleger eignen.

Kinky sieht ständig Dinge, die die anderen für irreal halten. Etwa, wie eine Frau in einer gegenüberliegenden Wohnung misshandelt wird und auf die Straße läuft. Klar, der Arme hat Halluzinationen. Auch die herbeigerufenen Polizisten, die weder die Frau noch die Wohnung finden, sind der Meinung, dass der Fiebernde eine Schraube locker hat. Immerhin ergeben hartnäckige Nachforschungen, dass die Frau von gegenüber den Namen einer Toten benutzt.

Kinky Friedmans irrwitzige, schnelle Dialoge sind eine Klasse für sich; er spielt mit bekannten, ehrwürdigen Denkmälern des Genres wie Hitchcock und Sherlock Holmes, verpackt seine hinreißend pessimistische Weltskepsis in alltagstaugliche Merksätze und schert sich den Teufel um politische Correctness. Und wird das Ganze dann überhaupt ein richtiger Krimi? Friedman schlägt auch hier einen Haken. Er lässt den Leser auf etwas hoffen, das dann - natürlich nicht - eintritt. (Ingeborg Sperl / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10./1.11./2.11.2008)

Kinky Friedman: "Der Gefangene von Vandam Street". Deutsch: Gunnar Kwisinski. € 16,90 / 235 S. Haffmans bei Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2008

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