Auf der Suche nach 900 Millionen Euro

30. Oktober 2008, 17:53
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Der Krimi um die Immoeast-Phantom-Anleihe geht weiter. Exchef Karl Petrikovics will genau wissen, wo das Geld liegt, sagt es aber nicht

Wien - Das Rätsel um die Anleihe, die die Immoeast an der Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag) gezeichnet haben will (900 Mio. Euro; davon sollen noch 520 Mio. offen sein) dürfte so schnell nicht gelöst sein. Wie der Standard berichtete, bestreitet der Aufsichtsrat der Ibag, dass es eine solche Anleihe je gegeben hat und bereitet eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft vor. Der Immoeast-Vorstand jedoch beteuert, dass es die Anleihe gebe - und man werde die Haftung der niederländischen Constantia Packaging B. V. (sie ist den liechtensteinischen Stiftungen Camilla und Stefanie zuzurechnen) ziehen.

Laut Vorstand wurden in der Immoeast Unterlagen gefunden, die ihn in seiner Meinung bestärken, dass es eine Anleihe und Garantie gebe: Emissionsbedingungen über Schuldverschreibungen, Briefverkehr, der belege, dass Geld zwischen Immoeast und Ibag geflossen sei sowie ein Angebot der B.V. vom 19. August 2008, eine Haftung zu übernehmen. Ohne diese Haftung hätte Immoeast für die Bilanz 2007 kein Testat bekommen, teilte ein Immoeast-Sprecher mit. Aus dem Immoeast-Aufsichtsrat hingegen verlautet, dass es sich nicht um eine Anleihe, sondern um täglich fälliges Geld gehandelt habe.

Petrikovics: Kein Schaden entstanden

Karl Petrikovics, Exkonzernchef der Immofinanz-Gruppe und der Constantia Privatbank (CPB), bezeichnet Berichte über das Verschwinden von 520 Mio. Euro als "blanken Unsinn" . Er wisse genau, wo das Geld veranlagt worden sei und habe "keinen Zweifel daran, dass es zurückgezahlt wird" , schreibt Petrikovics in einer der APA übermittelten Stellungnahme. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch die Transaktion ein Schaden entstanden sein könne."
Auf Nachfrage des Standard bestehen die Ibag-Aufsichtsräte auf ihrer Darstellung - interessant wäre daher die Reaktion der niederländischen B. V. Ihre Organe (Geschäftsführer ist Prinz Michael von und zu Liechtenstein, bis vor kurzem Aufsichtsratschef der CPB) sind allerdings nicht erreichbar. Der Constantia B.V. gehören fast 82 Prozent des börsennotierten Verpackungskonzerns Constantia Packaging AG. Ihr Chef, Hanno Bästlein, betont, nichts mit Immofinanz, Immeoast, der Gruppe um Immofinanz-Großaktionär Rudolf Fries, CPB, oder Imag zu tun zu haben, "es sind derzeit auch keine Aktien verpfändet" .

Hauptversammlung

Die fünf großen Banken, die die CPB aufgefangen haben, haben inzwischen ihre Besitzgesellschaft für die kleine Privatbank mit großem Fondsdepot im Handelsregister eintragen lassen. Ihr Name: Aviso Gamma GmbH, an ihr hält UniCredit Bank Austria AG über die Cabet Holding AG 24,99 Prozent, ebenso viel gehört der raiffeiseneigenen Clupea Handels- und Beteiligungs-GmbH, die Erste Bank Beteiligung GmbH hält 23,75 Prozent, die PSK 10,64 Prozent und die Unternehmensbeteiligung GmBH der Volksbanken 15,63 Prozent. Alle fünf Banken haben ihre Beteiligungschefs als Geschäftsführer entsandt. Demnächst sollen in einer Hauptversammlung (HV) die Organe für die CPB bestellt werden.
In der HV soll Wirtschaftsprüfer Walter Knirsch (ehemals KPMG) zum Aufsichtsratschef gewählt und Andreas Grünbichler als neuer Chef der Bank bestellt werden. An seiner Seite bleibt Karl Arco im CPB- Vorstand. Norbert Gertner muss gehen. Grünbichler, 43-jähriger Universitätsprofessor aus Oberösterreich, war 2004 nach drei Jahren aus der Finanzmarktaufsicht FMA ausgeschieden. An deren Spitze war er unter dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser installiert worden. Derzeit ist Grünbichler in der Schweizer Zurich-Versicherung für das Risikomanagement zuständig. (Renate GraberClaudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.10.2008)

  • Andreas Grünbichler (43) wird neuer Chef der Constantia Privatbank werden.
    foto: standard/fischer

    Andreas Grünbichler (43) wird neuer Chef der Constantia Privatbank werden.

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