Hohe Zinsen, Plüschpandas und Gratisessen für Sparer

30. Oktober 2008, 17:45
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Am Weltspartag wird in den Banken mit großem Andrang gerechnet. Angesichts der Bankenkrise wollen die Geldinstitute nicht allzu großzügig wirken

Wien - In der Filiale der Erste Bank am Wiener Graben sind wenige Meter vom Eingang auf einem Tischchen Geschenke drapiert, umsäumt von hellblauen Luftballons. Frotteehandtücher, Rucksäcke, Ledermappen und Nordic-Walking-Stöcke stehen zur Vergabe bereit. Eine Bankkundin, die am Donnerstag die Filiale besuchte, blieb wie angewurzelt vor dem Tisch stehen und sagte zu einem jungen Angestellten: "Ich wundere mich gerade über die großzügigen Weltspartagsgeschenke."

Nein, nein, da irre sie sich, versicherte ihr der Mann im Anzug: Diese Geschenke gebe es bei Abschluss eines Bausparvertrags. Zum Weltspartag gebe es nur Thermobecher und Stirnlampen. Aber erst am Freitag.

Meterhoher Sparefroh

Ich wollte mich schon ärgern" , sagte die Dame dann beim Hinausgehen zum STANDARD. "Da hört man überall, die Banken haben kein Geld - so großzügige Geschenke wären da wirklich fehl am Platz."

Draußen neben dem Ausgang wurde gerade eine meterhoher Sparefroh montiert. Die Figur, die vor allem am 31. Oktober in Erscheinung tritt, soll auch heuer an den Weltspartag erinnern. Mit großem Andrang ist zu rechnen: Eine im Oktober durchgeführte Oekonsult-Umfrage ergab, dass 64 Prozent der 1000 Befragten anlässlich der Finanzmarktkrise die Sinnhaftigkeit und Bedeutung vom Sparen für schlechte Zeiten wieder bewusst geworden ist. Trotzdem sollen laut einer Fessel-Umfrage heuer um eine halbe Million weniger Österreicher den Weltspartag für einen Bankbesuch nützen. 2007 waren es noch zwei Millionen gewesen.

Hohe Zinssätze

Doch die Geldinstitute locken mit hohen Zinssätzen. Für gebundene Einlagen gibt es derzeit noch bis 5,1 Prozent. Bei täglich fälligen Einlagen gibt es laut Arbeiterkammer große Unterschiede zwischen den Angeboten. So bietet z. B. die Denizbank einen Zinssatz von 3,750 Prozent auf täglich fällige Sparbucheinlagen. Bei Bank Austria, Bawag, Hypo NÖ, PSK sowie Raiffeisenlandesbank NÖ und Wien beträgt der Zinssatz nur 0,125 Prozent. Online-Sparbücher sind bei der Volksbank Kufstein mit 4,880 Prozent am höchsten verzinst. Bei Allianz und bei Generali gibt es 4,250 Prozent. Heuer werden laut dem Chefökonomen der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, aus Fonds in Österreich etwa 3,7 Milliarden Euro netto abfließen und in Sparbücher und andere Einlagen wandern.

In einer Filiale der Bank Austria erinnerte Donnerstagvormittag lediglich ein Schild mit den Öffnungszeiten für den 31. Oktober an den Weltspartag. Die Geschenke, Plüschpandas und Kalender, werden erst am Freitag verteilt. Ist man mit dem Datum jedes Jahr so streng? "Ja, das ist immer so" , sagt ein Angestellter. Bei der Raiffeisenbank wenige Meter weiter hält man es genauso. Einzahlen und Geschenk abholen spielt es erst am 31. Oktober. Dann werden die Kunden zwischen USB-Verteilersteckern, Taschenlampen und Polstern wählen können.

Sparbücher wieder gefragt


In der Filiale der Volksbank an der Wiener Ringstraße ist der Weltspartag dagegen schon am Donnerstag allgegenwärtig. Gleich neben dem Bankschalter sind Kinderbücher, Plastiksparschweine und Federpennale in einer Vitrine ausgebreitet. Mit nach Hause nehmen ist bereits erlaubt. "Selbstverständlich." Und es sei auch schon einiges los: "Gerade die Sparbücher sind in Zeiten wie diesen gefragt" , sagt ein Angestellter. "Aber der große Run kommt am Freitag. Da gibt es Gratisessen." (Gudrun Springer, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 31.10.2008)

  • Stehend oder liegend: Der 
Sparefroh lächelt in jeder Position. Zum Weltspartag soll er Kunden in die 
Bankfilialen locken.
    foto: standard/cremer

    Stehend oder liegend: Der Sparefroh lächelt in jeder Position. Zum Weltspartag soll er Kunden in die Bankfilialen locken.

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