"Beim Relaxen wird nicht gespart"

30. Oktober 2008, 16:50
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Negativer Stress oder vielmehr dessen Abbau ist das verlegerische Geschäft von Christian Werner - Sein Relax Guide gilt als "bedeutendste Wellness-touristische Marke Österreichs"

Was macht ein Journalist, dem die Honorare der Verlage, für die er schreibt, zu gering sind? Er gründet einen eigenen Verlag. Zumindest Christian Werner hat es getan. Nach zehn Berufsjahren als freier Journalist hatte er die Idee zu einem neuartigen Wellness-Hotelführer. Ein richtiger "consumer guide" sollte es werden, ein kritischer Führer durch das Dickicht des immer dichter werdenden Dschungels der Wellness-Hotellerie. Mit anonymen Hoteltests für ein Buch, das nichts beschönigt.

Eine mutige Tat

"Am 3. März 1999 hatte ich die Idee dazu, einen Tag später habe ich schon mit der Umsetzung begonnen", erzählt der 45-Jährige. Jedoch ohne Verlagserfahrung, ohne unternehmerisches Know-how und ohne Business-Plan. Werner: "Es ist mir damals zwar nicht aufgefallen, aus heutiger Sicht war das jedoch mutig. Wenige Tage vor dem Erscheinen des ersten Buches war mein Kontostand auf 4000 Schilling geschrumpft. Und ich hatte bereits alles verkauft, was sich irgendwie zu Geld machen ließ."

Doch es hat funktioniert, vielleicht auch deshalb, weil die Möglichkeit des Scheiterns von Werner niemals in Betracht gezogen wurde. In diesen Tagen ist bereits die zehnte Ausgabe des Taschenbuches erschienen, seit 2002 gibt es alljährlich eine eigene Ausgabe für Deutschland, zudem eine Zeitschrift und das wahrscheinlich größte Wellness-Hotel-Portal der Welt - www.relax-guide.com. Lilien, das Äquivalent zu den Hauben der Gastronomie, zieren inzwischen die besten Wellness-Hotels von Flensburg bis nach Osttirol, weiters auch solche in Indien, auf Bali und Mauritius sowie in Marokko. Der Unternehmer beschäftigt mittlerweile 20 Mitarbeiter, hat seinen Sitz in der Wiener Josefstadt. Das Label Relax Guide gilt laut einer Gallup-Umfrage als "bedeutendste Wellness-touristische Marke Österreichs".

Die Anfänge


Angefangen hat es höchst bescheiden. "Der Begriff Hinterhofwerkstätte wäre völlig übertrieben. Unser damaliges Büro fand im Wohnzimmer statt, der ausziehbare Esstisch wurde als dritter Arbeitsplatz verwendet", erinnert sich Werner, der aber gerade die Anfangszeit als besonders spannend und "irgendwie lustvoll" erlebt haben will. "Wir besaßen nur einen Telefonapparat, zwei alte PCs und einen uralten Kleinwagen. Aber mittags wurde gekocht und gemeinsam gegessen."
Jedenfalls entstand so eine Atmosphäre, in der sich nicht nur die Mitarbeiter gut entwickeln konnten, sondern auch die Verlagsprodukte. „Ohne die zahlreichen Verbesserungsvorschläge meiner Leute wären unser Produkte eigentlich ziemlich fad geworden, meine ständig wachsende Crew erwies sich zunehmend als größter Innovationsmotor, für den ich unendlich dankbar bin. Ich hatte ja von vielen Dingen überhaupt keine Ahnung", resümiert Werner.

Nach zehn Jahren hat das Unternehmen heute eine kritische Größe erreicht. Christian Werner: „Wir stehen vor einem weiteren Ausbau des Web-Auftritts, zusätzliche Potenziale stecken im Aufbau der Marke in anderen Ländern. Während der nächsten Monate werden wir deshalb unsere strategischen Optionen überprüfen."

Die Aussichten für die Wellness-Branche und damit für seine Marktnische schätzt Werner trotz Wirtschaftskrise positiv ein: "Die Anzahl der Reichen steigt ständig. Und solange der Alltag für die meisten immer noch stressiger wird, nimmt die Sehnsucht nach Entspannung mit Sicherheit nicht ab. Da spart man dann vielleicht bei Fernreisen oder beim Auto. Aber niemals beim Relaxen." (red, DER STANDARD, Printausgabe, 31.10./1./2.11.2008)

  • Zehn Jahre Führer durch Wellness-Betriebe und ihre Qualität: Christian Werner
    foto: werner

    Zehn Jahre Führer durch Wellness-Betriebe und ihre Qualität: Christian Werner

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