Stermann-Grissemann-Satire: Dörfler protestiert bei Wrabetz

30. Oktober 2008, 15:57
241 Postings

"Willkommen Österreich" vom 23. Oktober laut Kärntner Landes­haupt­mann "ge­­schmack- und pietätlos" - Programm­direktor Lorenz: "Kritische Auseinandersetzung muss möglich sein"

Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat bei ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz schriftlich "Empörung und Protest" gegen die Ausstrahlung der Sendung "Willkommen Österreich" der beiden Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann am 23. Oktober deponiert. Der Umgang der beiden mit dem Tod Jörg Haiders sei in "geschmack- und pietätloser Weise" erfolgt, so Dörfler. Der ORF konterte, eine kritische Auseinandersetzung mit der "geradezu kultischen Inszenierung der Emotionen" in den Tagen nach Haiders tödlichem Unfall müsse möglich sein.

BZÖ-Mann Dörfler erklärte, er bedauere, dass der ORF solchen Auftritten eine Bühne biete, die "jenseits jeder Verantwortung eines öffentlich rechtlichen Senders" lägen. Zugleich ersuchte er den Rektor der Universität Klagenfurt, Heinrich Mayr, einen für 11. Dezember angesetzten Auftritt des von Stermann und Grissemann an der Universität zu untersagen. Die Meinungsfreiheit und der Anspruch auf künstlerische Freiheit "haben dort ihre Grenzen, wo sie die Menschenwürde anderer verletzen", so Dörfler. Der Rektor war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Es habe sehr viele Zuseher gegeben, die "die extreme Emotionalisierung und die beispiellose Verklärung eines zu Lebzeiten doch sehr polarisierenden Politikers als eine Art 'medialer Heiligenverehrung' kritisiert haben", so ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz. Diese Wirkung sei durch "eher ungewöhnliche bis seltsame" Interviews des designierten BZÖ-Chefs Stefan Petzner über seinen "Lebensmenschen" noch verstärkt worden. Die Intention von Stermann und Grissemann sei es gewesen, in einer Programmnische zu später Stunde "einen kleinen medialen Gegenpol" und damit all jenen ein Ventil zu bieten, die "eine für sie als unerträglich empfundene Situation" aufarbeiten wollten. Lorenz: "Stermann und Grissemann haben das in sehr pointierter Weise mit den Mitteln der Satire umgesetzt." (APA)

  • Stermann und Grissemann in "Willkommen Österreich".
    foto: orf/hans leitner

    Stermann und Grissemann in "Willkommen Österreich".

Share if you care.