Urlaub einmal anders: Versuchen Sie sich als ArchäologIn!

1. November 2008, 11:30
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Bei sogenannten Grabungswochen können Laien nach Relikten antiker Kulturen suchen - viele erfüllen sich einen Kindheitstraum

Wien - Ob keltisches Druidenheiligtum in Niederösterreich, bronzezeitliche Höhensiedlung in der Steiermark oder römisches Gräberfeld in Kärnten - selbst einmal an einer Grabung teilzunehmen, ist auch der Traum vieler "Nicht-Archäologen". Die Gelegenheit dazu bietet seit 2002 die ARGE Archäologie: Bei sogenannten Grabungswochen können Laien nach einer Basiseinführung selbst mit Spaten und Pinsel Relikte antiker Kulturen freilegen.

"Graben, Entdecken, Freilegen"

Manche Teilnehmer hätten dabei schon "ganz tolle Sachen" gefunden, berichtete Organisator Kurt Frank. "Einer hat einmal in Kärnten einen Tempelschlüssel gefunden. Der ist dann den ganzen Tag herumgegangen wie ein Senator. Das ist schon etwas Besonderes." Ein anderer habe ein rituell benutztes Hirschgeweih bei Grabungen bei einem keltischen Druidenheiligtum am Sandberg im Weinviertel freigegraben; immer wieder würden auch Waffenfragmente zutage befördert. Mit nach Hause nehmen ist aber nicht: "Die Funde bleiben im wissenschaftlichen Verbund. Aber man hat ja das Erfolgserlebnis", so Frank. "Es geht ja ums Graben, Entdecken, Freilegen."

"Im Grunde mühsame Arbeit"

Auch wenn man keinen Fund mache, habe man gewonnen - eine Erkenntnis nämlich: "Jedes freigelegte Stück hilft - je mehr freigelegt, desto mehr Informationen hat man und der Grabungsleiter kann sich ein besseres Bild machen." Das zu vermitteln sei auch Aufgabe der Gruppenbetreuer, die die Teilnehmer mitunter auch motivieren müssen: "Wenn man z. B. eine Stunde lang gräbt und dann ist da nichts." Man müsse sich bewusst werden, dass Grabungen im Grunde mühsame Arbeit sei: "Ein frisch gefangener Laie glaubt meistens, man gräbt ein bisserl und schon springen einem die Erkenntnisse und Funde um die Ohren."

"Das Schönste sind jedes Mal die ewig langen Gespräche mit den Gästen an den Abenden, wo jeder seinen Wissensstand auf den Tisch legt und in kumpelhafter Atmosphäre diskutiert wird. Bei den Grabungen sind ja alle per Du." Da greife dann eine "mädel- und bubenhafte Begeisterung" um sich, so Frank.

"Einen Kindheitstraum erfüllen"

Die Gäste - bisher pro Jahr etwa 60, nächstes Jahr sind 80 bis 100 angedacht - stammen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Meistens handle es sich um Ab-35-Jährige, vom Pensionisten bis zur Marketingleiterin: "Leute, die aus irgendeinen Grund nicht Archäologie studiert haben und sich nun einen Kindheitstraum erfüllen. Einmal ein kleiner Schliemann sein. Der hat ja Troja entdeckt - und war auch kein Archäologe."

Die Teilnehmer, darunter auch einige Stammgäste, würden ebenfalls viel "rundherum" erfahren: "Der Ort wird in einem größeren geschichtlichen Rahmen dargestellt. Und wir machen auch Ausflüge." Viele Gäste würden die Grabungswoche "als geistig befruchtendes Zwischendurch" empfinden - und die eine gefundene Münze sei dann noch die Draufgabe, berichtete Frank. (APA)

Informationen

Ein Geschenkgutschein für eine Grabungswoche mit einem Archäologie-Set kostet 980 Euro inklusive Übernachtung/Frühstück/Mittagssnack, Einschulung und Exkursionen. Informationen sind bei der ARGE Archäologie e. V. in Wien unter Tel./Fax 01/879 75 35 bzw. archaeologie@gmx.at erhältlich. Ein Teil der Einnahmen ergeht an beteiligte Institute und trägt zur Finanzierung von Forschungsprojekten bei.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Archäologische Grabungen als Abenteuer und mühsame Arbeit ... nicht immer werden gleich Funde gemacht. Das Archivbild zeigt die Freilegung eines bronzenen Negauer-Helms aus dem fünften Jahrhundert vor Christus in Salzburg.

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