Schwarz-Roter Streit um Kruzifixe in Linzer Kindergärten

30. Oktober 2008, 13:59
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    Ein Kruzifix ist Pflicht, wenn die Mehrheit der Kinder christlichen Glaubens ist, heißt es im oberösterreichischen Kinderbetreuungsgesetz.

ÖVP wehrt sich gegen "Kreuzzeichen-Verbot" - Die SPÖ bleibt bei "Trennung von Religion und Staat" - Die Diözese hätte auch mit muslimischen Symbolen "kein Problem"

Linz  - In Linz ist zwischen ÖVP und SPÖ ein heftiger Streit um Kruzifixe in Kindergärten, Krabbelstuben und Horten entbrannt. Die Volkspartei ortet ein "Kreuzzeichen-Verbot" in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen und will die zuständigen Landesstellen bemühen, um die Anbringung der religiösen Symbole sicherzustellen. Allerdings sind auch die übergeordneten Stellen teils in roter und teils in schwarzer Hand, womit eine Prolongierung des Streits auf höherer Ebene vorgezeichnet sein dürfte.

"Anti-Religionskurs"

Der Linzer ÖVP-Klubobmann Thomas Stelzer ortet einen "Anti-Religionskurs" bei der SPÖ: Nachdem erst kürzlich ein schwarz-roter Schlagabtausch rund um die Finanzierung des Projektes Krippenstadt - bei dem Geschäfte und Institutionen Darstellungen der Geburt Christi in die Schaufenster stellen - die Lokalpolitik in Aufregung versetzt hatte, stehen nun die Kruzifixe im Zentrum des Streits.

Stelzer zeigte sich "fassungslos", dass "trotz gesetzlicher Auflagen in den Betreuungseinrichtungen der Stadt keine Kreuzzeichen angebracht sind". Das oberösterreichische Kinderbetreuungsgesetz sieht vor, dass ein Kruzifix in den Gruppenräumen aufgehängt werden muss, wenn die Mehrheit der Kinder christlichen Glaubens ist.

Beschwerde

"Nachdem wir das Religionsbekenntnis der Kinder nicht erheben, wissen wir gar nicht, ob die Mehrheit einen christlichen Glauben hat", weist die zuständige SP-Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer die Kritik zurück. "Außerdem hängen wir auch keine anderen religiöse Symbole auf", pocht sie auf eine Trennung zwischen Kirche und Staat. Stelzer will das nicht akzeptieren und spricht von "Selbstaufgabe" statt Integration. Er kündigte eine Beschwerde beim Land an.

Man werde abwarten, ob eine Beschwerde eintreffe und diese dann juristisch prüfen, hieß es aus dem Büro von Landesrat Josef Ackerl (SPÖ), der für die Krabbelstuben zuständig ist. Prinzipiell befürworte man aber eine "Trennung zwischen Religion und Staat". Bei seinem für Kindergärten und Horte zuständigen Kollegen Viktor Sigl von der ÖVP hieß es ebenfalls, man werde prüfen, ob die Kreuze tatsächlich fehlen. Sollte das so sein, werde der Schulerhalter aufgefordert, den Mangel zu beheben. Komme er dem nicht nach, wäre die letzte Konsequenz die Aussetzung der Landesförderung.

Bei der Diözese Linz setzt man in der Sache auf Dialog: Der Leiter des Bischöflichen Schulamtes, Karl Aufreiter, regte er einen runden Tisch mit allen christlichen Gemeinschaften und Bürgermeister Franz Dobusch an. Die Rechtslage sei allerdings eindeutig, stellte er klar. Entscheiden könne man aber ohnehin nur individuell, weil es sicher auch Kindergartengruppen gebe, in denen sich die Mehrheit zum Islam bekenne. Die Anbringung muslimischer Symbole sei für diesen Fall zwar nicht im Gesetz vorgesehen, aber: "Ich persönlich hätte damit kein Problem", betonte Aufreiter.

FPÖ für "Erhalt christlich geprägter Gesellschaft"

Heftig hat der oberösterreichische FPÖ-Landesparteiobmann Nationalratsabgeordneter Lutz Weinzinger auf den Linzer Kruzifixstreit reagiert: "Österreichs christlich geprägte Gesellschaft muss erhalten bleiben", forderte er. Die Abnahme der Kreuze sei eine völlig falsch verstandene Toleranz gegenüber Zuwanderern, die keinesfalls akzeptiert werden könne. Der Werteverfall der heutigen Zeit schaffe ein Vakuum, in dem radikale Ideologien wie der Islamismus Platz fänden, warnte Weinzinger.

"Muslime fordern keinesfalls ein Abnehmen von Kreuzen in öffentlichen Einrichtungen", betonte indes die Islamischen Religionsgemeinde in einer Presseaussendung. Das Anbringen von christlichen Symbolen in Form von Kruzifixen in öffentlichen Kindergärten und Schulen stelle für Muslime kein Problem dar. Österreich sei ein auch vom Christentum geprägtes Land, daher betrachte man die Sichtbarkeit von christlichen Symbolen als Selbstverständlichkeit, so die Religionsgemeinde. (APA/red)

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v!elosof
03.11.2008 10:30
Es geht doch zuerst ums Geld!

In Linzer Kindergärten hängt schon seit 50 Jahren kein Kreuz (Zitat BM Dobusch-SP). Da aber von SP, VP und Grünen eine Landesförderung für Kindergärten beschlossen wurde in dem genau steht, dass es NUR Geld gibt, wenn ein Kreuz in den Gruppenräumen hängt, wird's für die Linzer Kindergärten eng. Entweder sie verzichten aufs Geld vom schwarz-grünen Land, oder sie stellen Kreuze auf!
Das ist zwar erpresserisch von VP-Grün, aber die SP hat den Beschluss im Land mitgetragen!

left
02.11.2008 19:58

Religiöse Symbole haben in öffentlichen Gebäuden meiner Meinung nach nichts verloren. Egal ob Kreuz, Halbmond oder sonst was. Religion ist reine Privatsache und es nicht einzusehen, dass die Allgemeinheit damit belästigt wird. In der Verfassung ist eine Trennung von Staat und Kirche festgelegt. Und so soll es auch bleiben.

Trost & Rat
05.11.2008 11:15
Überhaupt müssen alle Symbole irgendeiner Meinung

aus dem öffentlichen Raum verschwinden, Werbung für private Vereine, private Firmen, private Anzeigen in den Tageszeitungen. Säubert das Internet von privaten Fotos!

Weg mit allem, das nach irgendeiner Meinung, Stellungnahme, Ansicht oder Weltanschauung aussieht!

Nur die Leere zählt.

nemo sander
03.11.2008 23:37
Kreuze haben sehr wohl etwas zu suchen, da sie

Ausdruck der das Land prägenden Kultur sind

Rosie Bauer
19.11.2008 15:27

aber nur Hakenkreuze!

Wolkig 
03.11.2008 21:19
Religion ist keine Privatsache!!!!!

Leo Laokoon
03.11.2008 08:16

richtig! aber wir dürfen da nicht stehen bleiben.
werbung jeglicher art darf im öffentlichen raum nicht stattfinden insbesondere jene der privatwirtschaft nicht. privatwirtschaft ist privatsache und hat im öffentlichen raum nichts verloren. (öffentlicher raum ist alles was nicht privat ist)

presonic
03.11.2008 16:56

mah, da wär die welt um einiges schöner. mir würd schon reichen, wenn man wenigstens in öffentlichen gebäuden, bei ärzten etc. nicht beworben würde.

MagnaMater  
03.11.2008 22:16

Ja, ich würd auch plakatwände entfernen, die hab ich bislang nur als anleitung dafür genommen, was man sicher nicht kaufen soll, eben weil es hässlich beworben wurde...^^

presonic
04.11.2008 09:32

mach das mal in einem arztzimmer. entfern alle werbesujets, die da rumliegen und die keinem dienen außer den pharmafirmen.... hehe.

WoHo 
02.11.2008 17:45
Wenn Krabbelstubenkreuze..

.. schon herhalten müssen, um "die christlich geprägte Gesellschaft zu erhalten", weiß man ja, wie es um diese steht.
Schmunzelnd erinnere ich mich an div. Cartoons Gerhard Haderers, in denen dargestellt ist, wie der Herrgottswinkel wohl aussehen würden, wenn Jesus auf andere Weise gerichtet worden wäre. Auch wenn ich sein Jesus Buch geschmacklos finde, zeigen diese Cartoons meiner Meinung recht gut, dass das Wesentliche an Jesus wohl nicht das von Menschen herbeigeführte Ende seiner leiblichen Hülle ist.
Um unseren Kindern christliche Werte näherzubringen, werden wir uns wohl etwas mehr anstrengen müssen, als Holzkreuze aufzuhängen.

v!elosof
03.11.2008 17:56
Barack Obama says...

Barack Obama says Christian right has hijacked faith:

http://www.youtube.com/watch?v=-PQjhz3bhSM

K R
02.11.2008 15:18
viele unterstellen den zuwanderern, das kreuz abschaffen zu wollen

ich sage als typischer österreicher: ich verbitte mir, daß meinen kindern schon in der schule mit dieser volksdroge das gehirn gewaschen wird.

wer einem götzen huldigen will soll das gerne in seinen eigenen vier wänden tun, das ist ihm unbenommen, aber nicht in öffentlichen einrichtungen und schon gar nicht dort, wo kinder sind!

chilli p.
02.11.2008 18:17

auch kirchen sind *öffentlich* - können wir uns auf "staaltich und staatsnah" einigen?

distopiadisciple 
02.11.2008 09:16
ist das jetzt eigentlich

der neue stil ohne streiten?
ich glaube die sache ist leicht entscheidbar:
1. haben wir wichtigere probleme?
2. was ist der status quo?
3. na dann lassen wir es so und können drüber reden, wenn wir das geld von den banken zurück bekommen haben. als ungefähres stichdatum.

alles andere ist verantwortungsloses zeitversch geuden.

rosa.rot
11.11.2008 01:11

also darf man gar nicht mehr diskutieren?? natuerlich ist es nicht das wichtigste thema im moment aber es ist etwas dass jeden betrifft. x

walter helfmann
03.11.2008 00:33
ja, das stimmt.


aber der linzer stadtableger der övp bemüht sich seit jahren mit irgendwelchen aktivitäten zu punkten.

es gelingt halt nicht besonders.

hauptsache, stelzer und co sind in den oön, der linzer rundschau wieder einmal präsent.

ARO5   
31.10.2008 13:49
Widerstand gegen Veränderungen

Es ist natürlich klar, dass der Widerstand der Christen groß ist, aber:
-Raucher werden auch nicht mehr überall rauchen dürfen. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Männer werden sich daran gewöhnen, dass Feminismus in die Sprache einzieht. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Menschen egal welchen Glaubens stellen den Absolutheitsanspruch der Kirche in Frage. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Industriekonzerne müssen sich daran gewöhnen, nicht mehr tun und lassen zu können wie sie wollen. Warum ? Die Welt ändert sich.

Das Wesentliche an all diesen Änderungen ist, dass sie, unabhängig ob der einzelne sie mag oder nicht, stattfinden-ganz wertfrei

Egal ob der Einzelne damit zurechtkommt. Die Welt ändert sich.

walter helfmann
01.11.2008 23:00
das verharrungsvermögen der katholen ist


beachtlich, denn sie denkt in jahrhunderten - wenn nicht gar in jahrtausenden.

christliche tradition zu bewahren - kommen kreuzzüge, inquisitionen, hexenverbrennungen, ablasserteilungen wieder?

thomas stelzer hat auch gesagt, was recht ist muss auch recht bleiben.

das gilt natürlich nicht für ihn.

er ist linzer gemeinderat und fraktionsführer der övp.

nur ... wohnt er mit seiner familie in steyr. in linz ist er bei seiner mutter gemeldet, hat hier seit mehr als 10 jahren nicht einmal übernachtet.

im sinne der gemeinderatswahlordnung ist sein mandat nicht zulässig, er hat sich das erschlichen.

er soll die unberechtigt erhaltenen gemeinderatsbezüge zurückzahlen.

im gegensatz zum tu-was-otto ist er noch nicht verurteilt.

Heinz-Kienhammer
31.10.2008 20:01
Bessere Beispiele sind Ihnen nicht eingefallen?

Nicht weil sich die Welt ändert, sondern weil

- auch für Nichtraucher das Einatmen von Tabakrauch gesundheitsschädlich ist.

- Feministinnen unsere Sprache verhunzen; in anderen Sprachen werden diese Lächerlichkeiten nicht oder weit seltener verwendet.

- Fragen S' einmal einen Moslem nach dem Absolutheitsanspruch des Islam.

- Konzerne tun was sie wollen, besonders wenn's Gewinn bringt. Auslagerung in Billigländer; wenn's vor 30 Jahren soviele Kündigungen wie heute gegeben hätte, hätten die Gewerkschaften einen monatelangen Generalstreik durchgezogen.

Vergilius
31.10.2008 17:45
aber: es muss jemanden geben, der diese veränderungen initiiert

irgendeinmal hat z.b. jemand den bescheuerten ausdruck "vor ort" geprägt. und wie die menschen auf diesen "modernen" zug aufgesprungen sind ... ich rede da noch nicht einmal von ideologischen oder politischen verirrungen. ich sage: wehret den anfängen!

notorischer Besserwisser
31.10.2008 18:28
Verzeihen Sie mir diese Spitze,

aber Sie klingen, als würden Sie sich wünschen, dass alle nur noch in Aeneis-Versen kommunizieren.

Im Ernst: ARO5 hat schon recht, die Welt verändert sich nun einmal ständig. Es bleibt uns nichts anderes übrig als uns kritisch damit auseinanderzusetzen. Der Eine findet diese Veränderung gut, die andere jene Veränderung schlecht - darüber muss man sich eben in vernünftiger Art und Weise austauschen.

Von Ihnen jedoch vernehme ich bisher nur stumpfe "Früher war alles besser"-Sprechblasen.

möglich ist viel
31.10.2008 13:19
Feiertage

haben oft mit kreuzen zu tun
daher ersuche ich dringlich:
lasset doch die kreuze hängen zur freude der arbeitenen bevölkerung

Simplicius Simplicissimus
31.10.2008 13:06
Am besten, ...

... man hängt die Symbole aller Religionen nebeneinander und wechselt jede Woche die Reihenfolge, damit diese verdummende Diskussion endlich einmal beendet wird wie auch der Missbrauch von Erkenntnismöglichkeiten. Wie schlecht ist es eigentlich um den Religionsunterricht bestellt, dass es zu solch intoleranten Früchten überhaupt kommen kann?

notorischer Besserwisser
31.10.2008 14:17
Soll das eine Art Glücksrad werden? ;)

Im Ernst: Was soll man denn dann für Kinder hinhängen, die keiner Religionsgemeinschaft zugeordnet wurden?

Man würde sich zwar darum bemühen alle anderen Kinder ja nicht auszugrenzen, aber jene Gruppe wäre nach wie vor diskriminiert.

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