
Ein Kruzifix ist Pflicht, wenn die Mehrheit der Kinder christlichen Glaubens ist, heißt es im oberösterreichischen Kinderbetreuungsgesetz.
Linz - In Linz ist zwischen ÖVP und SPÖ ein heftiger Streit um Kruzifixe in Kindergärten, Krabbelstuben und Horten entbrannt. Die Volkspartei ortet ein "Kreuzzeichen-Verbot" in den städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen und will die zuständigen Landesstellen bemühen, um die Anbringung der religiösen Symbole sicherzustellen. Allerdings sind auch die übergeordneten Stellen teils in roter und teils in schwarzer Hand, womit eine Prolongierung des Streits auf höherer Ebene vorgezeichnet sein dürfte.
"Anti-Religionskurs"
Der Linzer ÖVP-Klubobmann Thomas Stelzer ortet einen "Anti-Religionskurs" bei der SPÖ: Nachdem erst kürzlich ein schwarz-roter Schlagabtausch rund um die Finanzierung des Projektes Krippenstadt - bei dem Geschäfte und Institutionen Darstellungen der Geburt Christi in die Schaufenster stellen - die Lokalpolitik in Aufregung versetzt hatte, stehen nun die Kruzifixe im Zentrum des Streits.
Stelzer zeigte sich "fassungslos", dass "trotz gesetzlicher Auflagen in den Betreuungseinrichtungen der Stadt keine Kreuzzeichen angebracht sind". Das oberösterreichische Kinderbetreuungsgesetz sieht vor, dass ein Kruzifix in den Gruppenräumen aufgehängt werden muss, wenn die Mehrheit der Kinder christlichen Glaubens ist.
Beschwerde
"Nachdem wir das Religionsbekenntnis der Kinder nicht erheben, wissen wir gar nicht, ob die Mehrheit einen christlichen Glauben hat", weist die zuständige SP-Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer die Kritik zurück. "Außerdem hängen wir auch keine anderen religiöse Symbole auf", pocht sie auf eine Trennung zwischen Kirche und Staat. Stelzer will das nicht akzeptieren und spricht von "Selbstaufgabe" statt Integration. Er kündigte eine Beschwerde beim Land an.
Man werde abwarten, ob eine Beschwerde eintreffe und diese dann juristisch prüfen, hieß es aus dem Büro von Landesrat Josef Ackerl (SPÖ), der für die Krabbelstuben zuständig ist. Prinzipiell befürworte man aber eine "Trennung zwischen Religion und Staat". Bei seinem für Kindergärten und Horte zuständigen Kollegen Viktor Sigl von der ÖVP hieß es ebenfalls, man werde prüfen, ob die Kreuze tatsächlich fehlen. Sollte das so sein, werde der Schulerhalter aufgefordert, den Mangel zu beheben. Komme er dem nicht nach, wäre die letzte Konsequenz die Aussetzung der Landesförderung.
Bei der Diözese Linz setzt man in der Sache auf Dialog: Der Leiter des Bischöflichen Schulamtes, Karl Aufreiter, regte er einen runden Tisch mit allen christlichen Gemeinschaften und Bürgermeister Franz Dobusch an. Die Rechtslage sei allerdings eindeutig, stellte er klar. Entscheiden könne man aber ohnehin nur individuell, weil es sicher auch Kindergartengruppen gebe, in denen sich die Mehrheit zum Islam bekenne. Die Anbringung muslimischer Symbole sei für diesen Fall zwar nicht im Gesetz vorgesehen, aber: "Ich persönlich hätte damit kein Problem", betonte Aufreiter.
FPÖ für "Erhalt christlich geprägter Gesellschaft"
Heftig hat der oberösterreichische FPÖ-Landesparteiobmann Nationalratsabgeordneter Lutz Weinzinger auf den Linzer Kruzifixstreit reagiert: "Österreichs christlich geprägte Gesellschaft muss erhalten bleiben", forderte er. Die Abnahme der Kreuze sei eine völlig falsch verstandene Toleranz gegenüber Zuwanderern, die keinesfalls akzeptiert werden könne. Der Werteverfall der heutigen Zeit schaffe ein Vakuum, in dem radikale Ideologien wie der Islamismus Platz fänden, warnte Weinzinger.
"Muslime fordern keinesfalls ein Abnehmen von Kreuzen in öffentlichen Einrichtungen", betonte indes die Islamischen Religionsgemeinde in einer Presseaussendung. Das Anbringen von christlichen Symbolen in Form von Kruzifixen in öffentlichen Kindergärten und Schulen stelle für Muslime kein Problem dar. Österreich sei ein auch vom Christentum geprägtes Land, daher betrachte man die Sichtbarkeit von christlichen Symbolen als Selbstverständlichkeit, so die Religionsgemeinde. (APA/red)
Familie Moser zahlt viel Geld für selbstbestimmtes Lernen
32 von 3227: viele Männer arbeiten nicht in den städtischen Kindergärten Wiens - In Österreich liegt der Anteil bei 0,6 Prozent
Über die Suche nach der "richtigen" Volksschule
Wie die Kindergartenpädagoginnen mit den steigenden Anforderungen an Kleinkinder umgehen lernen
Entsprechend der 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern
Bei Kindergärten gibt es jede Menge Wahlmöglichkeiten: Von Montessori bis zur Reggio-Pädagogik
Aus Burgenland kommt klares Nein - Kärnten und Oberösterreich können sich Umsetzung unter gewissen Bedingungen vorstellen
Das einkommensabhängige Kindergeld könnte zu einem Betreuungsnotstand führen
Ab Frühjahr werden in den Kindergärten Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache nach einem neuen Verfahren auf ihre Sprachfitness geprüft
Gruppengröße, Ausstattung, Öffnungszeiten: die Kindergärten von Vorarlberg bis ins Burgenland unterscheiden sich in vielen Punkten
2011 Vollversorgung durch Kindergärten, ein Drittel mehr Angebot für Kleinkinder
Staatssekretärin fordert Rechtsanspruch ab drei Jahren - "Null Bewegung" bei Ländern
Elementarpädagoginnen in Mindestlohntarif aufgenommen
18 Mio. Euro mehr pro Jahr - Anfangsgehälter steigen überproportional - Gewerkschaftschef Meidlinger: Grenzt an Weihnachtswunder
Rund 14.000 haben Forderungskatalog unterschrieben
Studie in Wien und NÖ: Rund ein Drittel der Kleinkinder wird mit dem Auto gebracht
Das Wiener Projekt "Change" , das eine fünfsemestrige Pädagogikausbildung bietet, hat regen Zulauf
Kaum ist der politische Urheberstreit über die "Erfindung" des Gratiskindergartens in Oberösterreich abgeklungen, verspricht die ÖVP Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen, Bonuszahlungen
Mehrere tausend TeilnehmerInnen - Forderungspapier mit 8.000 Unterschriften soll an Faymann und Pröll übergeben werden
Kurz nach der Wahl belohnt die ÖVP jene Eltern, die ihre Sprösslinge nicht in den Kindergarten schicken - Von Kerstin Scheller
Einige behinderte Fünfjährige werden auch im übernächsten Schuljahr keinen Kindergarten besuchen - Von Andrea Heigl
Eine Branche reißt sich um BewerberInnnen, nur lukrative Gehaltsangebote gibt es nicht - Von Bettina Fernsebner-Kokert
Der Wiener Wahlkampf ist mit dieser Maßnahme endgültig eröffnet - Von Bettina Fernsebner-Kokert
In Linzer Kindergärten hängt schon seit 50 Jahren kein Kreuz (Zitat BM Dobusch-SP). Da aber von SP, VP und Grünen eine Landesförderung für Kindergärten beschlossen wurde in dem genau steht, dass es NUR Geld gibt, wenn ein Kreuz in den Gruppenräumen hängt, wird's für die Linzer Kindergärten eng. Entweder sie verzichten aufs Geld vom schwarz-grünen Land, oder sie stellen Kreuze auf!
Das ist zwar erpresserisch von VP-Grün, aber die SP hat den Beschluss im Land mitgetragen!
Religiöse Symbole haben in öffentlichen Gebäuden meiner Meinung nach nichts verloren. Egal ob Kreuz, Halbmond oder sonst was. Religion ist reine Privatsache und es nicht einzusehen, dass die Allgemeinheit damit belästigt wird. In der Verfassung ist eine Trennung von Staat und Kirche festgelegt. Und so soll es auch bleiben.
aus dem öffentlichen Raum verschwinden, Werbung für private Vereine, private Firmen, private Anzeigen in den Tageszeitungen. Säubert das Internet von privaten Fotos!
Weg mit allem, das nach irgendeiner Meinung, Stellungnahme, Ansicht oder Weltanschauung aussieht!
Nur die Leere zählt.
richtig! aber wir dürfen da nicht stehen bleiben.
werbung jeglicher art darf im öffentlichen raum nicht stattfinden insbesondere jene der privatwirtschaft nicht. privatwirtschaft ist privatsache und hat im öffentlichen raum nichts verloren. (öffentlicher raum ist alles was nicht privat ist)
.. schon herhalten müssen, um "die christlich geprägte Gesellschaft zu erhalten", weiß man ja, wie es um diese steht.
Schmunzelnd erinnere ich mich an div. Cartoons Gerhard Haderers, in denen dargestellt ist, wie der Herrgottswinkel wohl aussehen würden, wenn Jesus auf andere Weise gerichtet worden wäre. Auch wenn ich sein Jesus Buch geschmacklos finde, zeigen diese Cartoons meiner Meinung recht gut, dass das Wesentliche an Jesus wohl nicht das von Menschen herbeigeführte Ende seiner leiblichen Hülle ist.
Um unseren Kindern christliche Werte näherzubringen, werden wir uns wohl etwas mehr anstrengen müssen, als Holzkreuze aufzuhängen.
Barack Obama says Christian right has hijacked faith:
http://www.youtube.com/watch?v=-PQjhz3bhSM
ich sage als typischer österreicher: ich verbitte mir, daß meinen kindern schon in der schule mit dieser volksdroge das gehirn gewaschen wird.
wer einem götzen huldigen will soll das gerne in seinen eigenen vier wänden tun, das ist ihm unbenommen, aber nicht in öffentlichen einrichtungen und schon gar nicht dort, wo kinder sind!
der neue stil ohne streiten?
ich glaube die sache ist leicht entscheidbar:
1. haben wir wichtigere probleme?
2. was ist der status quo?
3. na dann lassen wir es so und können drüber reden, wenn wir das geld von den banken zurück bekommen haben. als ungefähres stichdatum.
alles andere ist verantwortungsloses zeitversch geuden.
Es ist natürlich klar, dass der Widerstand der Christen groß ist, aber:
-Raucher werden auch nicht mehr überall rauchen dürfen. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Männer werden sich daran gewöhnen, dass Feminismus in die Sprache einzieht. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Menschen egal welchen Glaubens stellen den Absolutheitsanspruch der Kirche in Frage. Warum ? Die Welt ändert sich.
- Industriekonzerne müssen sich daran gewöhnen, nicht mehr tun und lassen zu können wie sie wollen. Warum ? Die Welt ändert sich.
Das Wesentliche an all diesen Änderungen ist, dass sie, unabhängig ob der einzelne sie mag oder nicht, stattfinden-ganz wertfrei
Egal ob der Einzelne damit zurechtkommt. Die Welt ändert sich.
beachtlich, denn sie denkt in jahrhunderten - wenn nicht gar in jahrtausenden.
christliche tradition zu bewahren - kommen kreuzzüge, inquisitionen, hexenverbrennungen, ablasserteilungen wieder?
thomas stelzer hat auch gesagt, was recht ist muss auch recht bleiben.
das gilt natürlich nicht für ihn.
er ist linzer gemeinderat und fraktionsführer der övp.
nur ... wohnt er mit seiner familie in steyr. in linz ist er bei seiner mutter gemeldet, hat hier seit mehr als 10 jahren nicht einmal übernachtet.
im sinne der gemeinderatswahlordnung ist sein mandat nicht zulässig, er hat sich das erschlichen.
er soll die unberechtigt erhaltenen gemeinderatsbezüge zurückzahlen.
im gegensatz zum tu-was-otto ist er noch nicht verurteilt.
Nicht weil sich die Welt ändert, sondern weil
- auch für Nichtraucher das Einatmen von Tabakrauch gesundheitsschädlich ist.
- Feministinnen unsere Sprache verhunzen; in anderen Sprachen werden diese Lächerlichkeiten nicht oder weit seltener verwendet.
- Fragen S' einmal einen Moslem nach dem Absolutheitsanspruch des Islam.
- Konzerne tun was sie wollen, besonders wenn's Gewinn bringt. Auslagerung in Billigländer; wenn's vor 30 Jahren soviele Kündigungen wie heute gegeben hätte, hätten die Gewerkschaften einen monatelangen Generalstreik durchgezogen.
irgendeinmal hat z.b. jemand den bescheuerten ausdruck "vor ort" geprägt. und wie die menschen auf diesen "modernen" zug aufgesprungen sind ... ich rede da noch nicht einmal von ideologischen oder politischen verirrungen. ich sage: wehret den anfängen!
aber Sie klingen, als würden Sie sich wünschen, dass alle nur noch in Aeneis-Versen kommunizieren.
Im Ernst: ARO5 hat schon recht, die Welt verändert sich nun einmal ständig. Es bleibt uns nichts anderes übrig als uns kritisch damit auseinanderzusetzen. Der Eine findet diese Veränderung gut, die andere jene Veränderung schlecht - darüber muss man sich eben in vernünftiger Art und Weise austauschen.
Von Ihnen jedoch vernehme ich bisher nur stumpfe "Früher war alles besser"-Sprechblasen.
... man hängt die Symbole aller Religionen nebeneinander und wechselt jede Woche die Reihenfolge, damit diese verdummende Diskussion endlich einmal beendet wird wie auch der Missbrauch von Erkenntnismöglichkeiten. Wie schlecht ist es eigentlich um den Religionsunterricht bestellt, dass es zu solch intoleranten Früchten überhaupt kommen kann?
Im Ernst: Was soll man denn dann für Kinder hinhängen, die keiner Religionsgemeinschaft zugeordnet wurden?
Man würde sich zwar darum bemühen alle anderen Kinder ja nicht auszugrenzen, aber jene Gruppe wäre nach wie vor diskriminiert.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.