Silvan Shalom, der neue israelische Außenminister, gilt als Hardliner

27. Februar 2003, 19:58
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Auf der Karriereleiter hinaufgefallen

Schon als der farblose Likud-Apparatschik Silvan Shalom, der vielleicht wegen der oft zu langen Sakkoärmel etwas linkisch wirkt, von Ariel Sharon nach dessen erstem Wahlsieg vor zwei Jahren als Finanzminister aus dem Hut gezogen wurde, hoben sich in Israel viele Augenbrauen - bei der Sensationsmeldung, dass Shalom ins Außenministerium hinauffallen würde, verzogen sich jetzt aber die Gesichter komplett.

Auch der bisherige Amtsinhaber Benjamin Netanyahu wird von vielen Israelis nicht gerade geliebt, niemand bestreitet aber, dass er ein außenpolitisches Schwergewicht ist, Israels Sache gewandt vertreten kann und, in den Worten eines israelischen Kommentators, "so gut Englisch spricht wie US-Präsident George Bush". Shalom, dessen Name Frieden bedeutet, kann man all das beim besten Willen nicht nachsagen.

Als Shalom, den seine Frau Judy nur bei seinem Spitznamen "Steve" ruft, sich am Mittwoch mit düsterer Miene durchs verschneite Jerusalem zur Premierkanzlei durchkämpfte, um den Spruch über seine politische Zukunft zu vernehmen, da war er nicht nur wegen des derzeit im Lande herrschenden Glatteises auf eine veritable Rutschpartie gefasst.

Es wird der Intifada und der weltweiten Rezession, zum Teil aber auch dem Finanzminister angelastet, wenn, wie Fachleute ständig warnen, Israels Wirtschaft jetzt "fünf Minuten vor dem Zusammenbruch" steht.

Die einzige Frage, die Silvan Shalom bewegte, war, wie tief er durch die Abschiebung in ein minderes Amt gedemütigt würde. Heraus kam er breit lächelnd als designierter Außenminister und daher mit bester Ausgangsposition für noch höhere Weihen.

1958 in Tunesien geboren und als Baby nach Israel gekommen, wuchs Shalom in einfachen Verhältnissen auf, schloss ein Wirtschafts- und Jusstudium erfolgreich ab und arbeitete als Journalist.

Innerhalb seiner Likud-Partei gilt der fünffache Vater als Hardliner: Er vertritt eine unnachgiebige Haltung und fordert seit jeher die Ausweisung von Palästinenserpräsident Yassir Arafat.

Als zukünftigen Regierungschef sieht ihn vor allem seine eigene Frau, die die treibende Kraft hinter seiner Karriere ist und mit vollem Namen Judy Shalom Nir Moses heißt. Sie entstammt dem steinreichen Medienclan der Moses, der etwa Israels auflagenstärkstes Blatt Jedioth Acharonoth herausgibt. In erster Ehe war sie mit dem Journalisten und Terrorexperten Amiram Nir verheiratet, der in die "Iran-Contra-Affäre" verwickelt gewesen sein soll und 1988 bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz in Mexiko umkam. Die scharfzüngige Judy hat zu Journalisten und Likud-Funktionären beste Beziehungen, die sie für "Steve" auch unermüdlich einsetzt.(DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2003)

Ben Segenreich
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