Schaurige Sammlung von Schädeldecken

27. Februar 2003, 19:04
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In der Uni Graz eröffnete das "Hans-Gross-Kriminalmuseum" mit gruseligen Exponaten

Graz - Während andere Briefmarken oder tote Schmetterlinge sammeln, hat ein Grazer im 19. Jahrhundert ganz andere Dinge zusammengetragen: Giftfläschchen, Spazierstöcke mit eingebauten Bajonetten, gezinkte Spielkarten, ein hohles Nudelholz für Schmuggler oder falsche Edelsteine für "Bauernfängerei". Das sind die harmlosen Stücke der Sammlung des 1847 in Graz geborenen Juristen Hans Gross, dessen "Handbuch für Untersuchungsrichter" 1893 die Verbrechensaufklärung weltweit revolutionierte. Eine geräumige Schublade voller Schädeldecken diverser Mordopfer und Fotos erhängter oder zerstückelter Menschen sind dagegen schwer verdauliche Zeitdokumente.

Basierend auf der Lehrsammlung, die Gross einst für angehende Untersuchungsrichter und Polizeibeamte im Grazer Straflandesgericht installiert hatte, eröffnete am Donnerstag das Grazer Kriminalmuseum im Keller des Hauptgebäudes der Uni Graz.

Das Credo, das der Gründer des Grazer Institutes für Kriminologie als Untersuchungsrichter befolgte, lautete: Zeugenaussagen sind zu wenig, um die Wahrheit herauszufinden. "Deswegen spezialisierte er sich auf materielle Spuren und deren Interpretation", erzählt Christian Bachhiesl, der gemeinsam mit anderen Juristen und Historikern für das Museum und das soeben erschienene Buch "Räuber, Mörder, Sittenstrolche" (mit 37 dokumentierten Fällen) verantwortlich ist.

Dort ist auch das Original der berühmten "Kommissionstasche" (auch Tatortkoffer genannt), die Gross für seine praktische Arbeit entwickelte, zu sehen. Neben Chemikalien, Messgeräten, Siegelwachs und einem Kruzifix - für Vereidigungen von Zeugen - wurden auch Wechselstrümpfe eingepackt, falls man sich nasse Füße holte, und "Bonbons für Kinder, die nicht kooperieren wollten", wie Bachhiesl erklärt.

Das wohl grauenhafteste Exponat ist eine hohle "Marmorsäule", die eigentlich aus Holz ist. In ihr gipsten 1922 drei Kaufleute die Einzelteile der betuchten Frau Josip ein, deren Schmuck sie begehrten. Dann platzierten sie die Säule als Blumenständer im Wohnzimmer des Opfers. (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2003)

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