Stilhülsen und inneres Leuchten

27. Februar 2003, 18:47
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Triology mit Wolfgang Muthspiel in Wien

Wien - Die Zeit des Triology-Hypes scheint vorüber. Ja, es ist ruhiger geworden um Aleksey Igudesman, Daisy Jopling und Tristan Schulze, und wenn es nach ihnen geht, ist das auch gut so. Schließlich waren sie es, die nach den 90er-Jahren, in denen sie als Crossoversensation gepusht wurden, auf die Bremse stiegen. Der sechs CD-Produktionen umfassende Vertrag mit BMG wurde nach zwei Alben aufgelöst, man forcierte fortan eigene Kompositionen, statt populäre Filmmusikprogramme. Und beschränkte die Anzahl der jährlichen Auftritte auf 50.

Mutig, zweifelsohne: Statt zumindest tendenziell stromlinienförmigen PR-Designs setzten Triology auf spielerische Nonchalance, dabei bewusst Risiken des Scheiterns in Kauf nehmend. Diesen Eindruck erweckte im RadioKulturhaus die Performance Wolfgang Muthspiels als Gast beim Programm That's All Daisy Needs (auch als CD erschienen), bei dem sich der Gitarrist mannschaftsdienlich einordnet, alternierend Rhythmus- und Melodie-Arbeit übernimmt, um dann in klugen und kurz gehaltenen Soli seine Qualitäten auszuspielen.

Und damit die ungelenken Improvisationen von Igudesman und Schulze, die oft Spannungsabfall bedeuteten, in fieser Perfektion zu kontrastieren. Doch das ist Teil des Triology-Konzepts; ebenso wie melancholische Vokaleinlagen oder eine an die Prinzen angelehnte A-cappella-Zugabe. Zwischen all den virtuosen Anleihen an Tango, Minimal Music, afrikanische Impressionen und Kammermusik halten sich Triology Freiräume für weniger Kalkulierbares offen.

Dass sie es nach wie können, zeigen Stücke wie "Passacaglia, Fuge und anderes über ein Thema von Charlie Parker", in dem auch die Melodien von Ornithology und How High The Moon kunstvoll ineinander verdröselt werden. Statt sich im eklektischen Spiel mit Stilhülsen zu verlieren, werden hier bestehende Formen von innen heraus zum Leuchten gebracht. (felb/DER STANDARD, Printausgabe, 28.2.2003)

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