ÖBB: Eklat bei Vorstands-Bestellung

28. Februar 2003, 16:10
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Mit Finanz-Manager Erwin Söllinger wächst Vorstand auf vier Personen - Gewerkschaft verlässt Sitzung unter Protest

Wien - Erich Söllinger (39) ist neuer Finanzvorstand der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Das teilte ÖBB-Aufsichtsratvorsitzender Franz Rottmeyer im Anschluss an die AR-Sitzung in Wien am Donnerstagabend mit. Der am 24. März 1963 geborene Söllinger war bisher bei ABB Zürich als Group Vice President und Business Area Controller tätig. Mit der heutigen Bestellung wird der ÖBB-Vorstand von drei auf vier Mitglieder aufgestockt.

Insgesamt 65 Kandidaten hatten sich um den Posten beworben. Die drei bestgereihten Bewerber wurden zu einem Hearing eingeladen, heute entschied sich der Aufsichtsrat schließlich für Söllinger. Der neue Finanzvorstand bringe die entsprechende Qualifikation und nach seiner Tätigkeit in einem "sehr kostenorientierten Großunternehmen auch eine enorme Erfahrung mit", stellte AR-Vorsitzender Rottmeyer fest.

Söllinger werde als Finanzvorstand einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Unternehmens und zur Bewältigung der künftigen Aufgaben leisten, ist der AR-Chef überzeugt. Diese lägen vor allem in den Herausforderungen der Liberalisierung, der Neuausrichtung des Unternehmens sowie der Herstellung einer notwendigen Kostentransparenz.

Eisenbahner kritisieren "Aufblähung"

Die Bestellung von Erich Söllinger zum ÖBB-Finanzvorstand findet nicht die Zustimmung der Eisenbahnergewerkschaft GdE, die bei der Abstimmung über den vierten Vorstand heute nachmittag demonstrativ den Sitzungssaal verlassen hat. "Wir können angesichts steigender Arbeitslosigkeit und eines Personalabbau-Programms bei den ÖBB einer weiteren millionenschweren Aufblähung des Managements nicht zustimmen", begründete GdE-Vorsitzender Wilhelm Haberzettl die Entscheidung. Haberzettl ist Vizepräsident im ÖBB-Aufsichtsrat.

Die Politik wolle die ÖBB zerstückeln und privatisieren, der Bundeszuschuss an die ÖBB solle "überfallsartig" um mindestens eine halbe Milliarde Euro reduziert werden und ein aggressives Sozialabbau- und Personalabbauprogramm werde geplant - aber die Unternehmensführung habe "keine anderen Sorgen, als sich um mehrere Millionen Euro einen zusätzlichen Finanzvorstand anzulachen", kritisierte Haberzettl.

Im Spitzenmanagement würden die Kosten explodieren, obwohl das ÖBB-Wagenmaterial modernen Ansprüchen nicht genüge und die dünne Personaldecke den Konsum von Urlauben und Überstunden nicht erlaube, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. Dieser "lockere Umgang" mit Steuergeldern lege die Vermutung nahe, in den obersten Führungsebenen der ÖBB werde eine "Kopfprämie" für Personaleinsparung ausgelobt. (APA)

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