Der lange Abschied vom Schilling

28. Februar 2003, 09:25
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Vor genau einem Jahr ging eine Ära zu Ende: Der 28. Februar 2002 war der letzte Tag, an dem der Schilling gültig war

Wien - Ab 1. März 2002 gab es in Österreich nur noch ein einziges Zahlungsmittel - den Euro. Der Schilling gehörte nach 77 Jahren - unterbrochen nur von der Zeit, als Österreich Teil des Deutschen Reiches war - endgültig der Vergangenheit an.

Der Euro wurde in Österreich Anfang 1999 als Währungseinheit eingeführt, wobei der Umrechnungskurs mit 13,7603 Schilling für einen Euro festgelegt wurde. Drei Jahre lief er als Währung parallel zum Schilling, war allerdings physisch nicht vorhanden. Erst mit 1. Jänner 2002 wurden Eurobanknoten und -münzen an die Bevölkerung ausgegeben und dienten damit auch als Zahlungsmittel. Im Jänner und Februar vorigen Jahres konnte in Österreich sowohl in Schilling als auch in Euro bezahlt werden.

Leichte Trennung?

Die Trennung fiel der Bevölkerung anfangs offenbar leicht. Rund zwei Drittel meinten gemäß einer Umfrage, dass sie der alten Währung keine Träne nachweinten.

Ganz so einfach war der Abschied offensichtlich aber nicht: Denn noch heute rechnet eine Mehrheit der Österreicher zumindest bei größeren Anschaffungen die Preise in - real nicht mehr existierende - Schilling um. Und die Aversion gegen den Euro, der sich trotz niedriger Inflationsrate die Bezeichnung "Teuro" einhandelte, nahm zu.

Brennpunkt "Preisrückführung"

Die österreichische Euro- Preiskommission übernahm 180 unbefriedete Beschwerdefälle, bei 30 wurde eine "Preisrückführung" erreicht. AK- Preiswächter Karl Kollmann resümiert: "Die Freude am Euro wurde den Österreichern von Gastronomie und Dienstleistern kaputtgemacht." Lehnten vor einem Jahr nur 18 Prozent der Österreicher die europäische Einheitswährung ab, so waren es neun Monate später bereits 28 Prozent.

Dass die Österreicher immer noch am Schilling hängen, zeigt sich auch daran, dass nach wie vor rund zwölf Milliarden Schilling, was 950 Millionen Euro entspricht, in Umlauf sind - sechs Prozent des Bargeldumlaufs vor der Umstellung auf den Euro, sagte Nationalbank-Vorstandsdirektor Wolfgang Duchatczek. Rein statistisch entfallen auf jeden Österreicher somit noch 1500 Schilling. (gb, szem/DER STANDARD-Print-Ausgabe, 28.2.2003)

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